Neu im Kino
Mein Freund Barry
Er ist der berühmteste Rettungshund aller Zeiten. Jetzt ist Barry zurück auf der Leinwand. Eines sei verraten: Das neugeborene Fellbündel kämpft erst mal ums nackte Überleben – zum Glück nicht ganz allein. Interview mit Regisseur Markus Welter.
Herr Welter, wieso kommt der legendäre Barry gerade jetzt ins Kino?
Bei Heidi gibt es eine Neuverfilmung, ebenso beim Schellen-Ursli. Aber Barry wurde in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt. Das wollten wir ändern. Ziel war es, nicht einfach die alte Geschichte wiederzubeleben: Im neuen Film geht es nicht nur um Barry, sondern auch um einen Jungen in grosser Not und um brandaktuelle Themen wie Flucht und Nächstenliebe. Die Premiere hat gezeigt: Der Film berührt Menschen jeden Alters zutiefst.
Barry, so die Legende, soll 40 Menschen gerettet haben. Ist er auch in der Neuverfilmung der Retter der Nation?
«Mein Freund Barry» erzählt eigentlich die Geschichte, wieso ein junger Bernhardinerhund durch ein Waisenkind namens Georg zu Barry, dem besten Lawinenhund aller Zeiten, geworden ist. Georg schafft es nicht, über den Pass nach Italien bzw. in eine bessere Zukunft zu fliehen und findet diesen kleinen Hund, der um sein Leben kämpft. Er versucht, den Welpen heimlich zu retten. Ohne mehr zu verraten: Das geht nicht lange gut.
Welche Herausforderungen stellten sich beim Drehen mit Hunden?
Es erfordert enorm viel Flexibilität und zig Extraschlaufen. Das A und O bei der Arbeit mit Hunden – das deckt sich mit meiner Erfahrung als Hundehalter – ist Geduld. Die Tiere dürfen nicht gestresst werden und brauchen immer wieder Pausen. Ebenso wichtig ist Disziplin, besonders wenn Kinder auf dem Set sind und die Dreharbeiten im Schnee bei klirrender Kälte stattfinden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn der Hund auf das Set kommt, kann ihm nicht jeder Hallo sagen und ihn streicheln, zumal teils über 100 Personen vor Ort sind. Eine weitere Schwierigkeit: Die Welpen und Junghunde waren während der Dreharbeiten in einem anspruchsvollen Alter. Sie verfügten noch nicht über eine Routine, wie sie ausgewachsene Filmtiere haben. Dinge, die wir uns im Vorfeld ausgedacht hatten, machten die Hunde im entscheidenden Moment manchmal nicht mit. Auch der Transport der Hunde war oft eine Herausforderung: Nicht jeder fährt gerne Schneetöff oder in einer Gondel. Auch für solche Situationen mussten wir stets einen Plan B zur Hand haben.
Welche kniffligen Situationen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Zahlreiche (lacht). Um nur ein Beispiel zu nennen: In einer Szene sollte Barry auf einer wunderschönen Schneefläche im Gegenlicht auf die Kamera zulaufen. Weil es so kalt war beim Drehen, wollte uns jemand Gutes tun und brachte Hot Dogs aufs Set. Dies hat der Hund im Nullkommanichts gerochen und ist statt wie geplant auf die Kamera zuzulaufen, diagonal durchs Schneefeld gerannt. Das schöne Schneefeld war dahin, wir mussten an anderer Stelle komplett von vorne anfangen. Solche Dinge geschehen mit jüngeren Hunden andauernd. Es gab auch viel Lustiges: In einer Szene sollte der Hund laut Drehbuch eine Salami vom Tisch klauen. Doch er war so erzogen worden, dass er nichts stibitzen darf. Uns blieb nichts anderes übrig, als die Szene komplett zu streichen. Oder bei der Sequenz im Hospiz, wo auch andere Hoftiere zu sehen sind: Plötzlich wollte der Hund nicht mehr seine Rolle spielen, sondern lieber Hühner jagen. Auch die eisigen Temperaturen waren eine Herausforderung: Wir mussten uns im Vorfeld genau überlegen, wie wir die Hunde bei den Drehaufnahmen im Schnee warm behalten. Deshalb organisierten wir geheizte Garderoben, wo sie sich ausruhen und schlafen konnten.
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Die Bernhardiner gelten als gutmütig und sanft.
Das sind sie in der Tat. Wir haben auf dem Simplon auf über 2000 Meter bei eisiger Kälte gedreht, was immer wieder längere Pausen erforderte. Hierfür bauten wir ein Iglu, wo sich Paco – der junge Hauptdarsteller im Film – regelmässig Seite an Seite mit dem Hund ausgeruht hat. Die beiden spendeten sich gegenseitig Wärme. Auch als Welpen sind Bernhardiner unglaublich herzig. Die Tiere legen aber innert weniger Monate enorm an Kraft zu. Im Teenager-Alter sind sie wie wilde Pferde. Wenn ein fast 60 Kilo schweres Tier auf junge Schauspieler trifft, ist das nicht ungefährlich. Deshalb müssen sie den Tiertrainern auf dem Set aufs Wort gehorchen.
Woher stammen die Hunde, die im Film zu sehen sind?
Aus der Region. Wir haben zuerst im Wallis, später im Tessin und für die Studioaufnahmen in Köln gedreht. Das Problem war: Wenn die Hunde klein sind, sind sie noch nicht geimpft und dürfen nicht über die Grenze. Deshalb mussten wir verschiedene Hundezüchter und Familien finden, welche die richtigen Hunde im richtigen Alter und mit der richtigen Maskierung aufwiesen. Was es nicht einfacher machte: Jeder Hund hat einen anderen Charakter. Der eine rennt fürs Leben gern, der nächste kuschelt lieber. Die Suche ging mit grossem Aufwand einher; schon nur für die Hauptrolle waren über 20 Bernhardiner im Einsatz.
Ein heilloses Durcheinander in luftiger Höhe?
Zum Glück nicht. Das wussten die vielen Profis vor Ort zu verhindern. Zahlreiche Koordinatoren planten jene Szenen im Film, die sich als besonders knifflig erwiesen, bis ins letzte Detail. Wie etwa die Sequenz, wo sich Wolf und Hund gegenüberstehen. Das klappt in Echt nicht, weshalb ein genaues Timing entscheidend war, um ein Zusammentreffen der beiden Tiere vor Ort zu vermeiden. Für den Wolf hatten wir einen eigenen Van dabei, wo er sich ausruhen und zurückziehen konnte und natürlich einen eigenen Trainer. Doch auch zig weitere Tiere waren im Einsatz wie Pferde, Schweine, Schafe oder Hühner, was es zu koordinieren galt. Die gesamten Vorbereitungen zum Film waren enorm aufwändig und erforderten minutiöse Planung, um möglichst viele Risiken auszuschliessen. Doch diese grosse Sorgfalt braucht es, wenn Hunde und Kinder mit von der Partie sind.
Wie wurden die Hunde auf ihre Rolle vorbereitet?
Zwei Bernhardiner waren von Anfang an mit uns fix dabei. Dank unseren Tiertrainern haben sie vor dem eigentlichen Dreh immer wieder mit den Kindern, die im Film vorkommen, geprobt. Diese frühe Sozialisierung hat sich später als sehr wertvoll erwiesen. Für die Dreharbeiten waren professionelle Trainer mit den Besitzern der Hunde vor Ort. Für Letztere war es eine neue, tolle Erfahrung, auf einem Filmset mit dabei zu sein.
Im Film ist Schnee in Hülle und Fülle zu sehen. Wo wurde gedreht?
Wir waren im Val Ferret, einem Seitental südlich von Martigny (VS), auf dem Simplon und auf der Belalp. Die Hospiz-Aufnahmen stammen aus dem Tessin bzw. aus dem Cà di Ferro in Minusio. Weil das Feuermachen in dieser historischen Stätte untersagt war, mussten wir die Szenen mit offenem Feuer im Studio in Köln aufnehmen. Ich war zwei Jahre vor den Dreharbeiten bereits im Wallis und habe viele Locations genau angeschaut. Eine gute Vorbereitung ist wichtig, weil immer alles anders kommt, als man denkt. Und nur so können alle auch die Leistung erbringen, wie sie jetzt im Film zu sehen ist. Ich bin unglaublich stolz darauf, was die Kinder und die Hunde geschafft haben.
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