Fairplay mit Hund
Hundetraining mit Spass statt Gewalt
Schlagen, treten, drohen: Strafbasiertes Training erschüttert das Vertrauen eines Hundes ins menschliche Gegenüber. Bettina Stemmler, Präsidentin des Vereins «Fairplay mit Hund», zeigt gewaltfreie, hundefreundliche Alternativen auf.
Frau Stemmler, die Hundedichte in der Schweiz nimmt seit Jahren zu. Auch die Zahl von «Problemhunden» sei am Steigen, sagen Kritiker. Zu Recht?
Die Frage ist: Was ist ein «Problemhund»? Natürliches Verhalten kann für unsere Lebenswelt ein Problem sein, aber auch zum Beispiel fehlendes Training oder eine Angststörung des Hundes. Statistisch nimmt die Anzahl Konflikte durch die wachsende Population zu. Auch Hunde mit fehlender oder anderer Sozialisierung stellen hohe Anforderungen an ihre Besitzer.
Bellen, knurren, beissen: Wieso zeigt der Hund unerwünschtes Verhalten?
Aggressionsverhalten gehört grundsätzlich zum normalen Verhaltensrepertoire. Erst wenn es übermässig – zum Beispiel beim Beissen – ist oder «stufenlos» abläuft, wird es problematisch. Viele erkennen die feinen Signale von Hunden nicht oder unterdrücken sie mit Strafe. Weitere Ursachen sind insbesondere Überforderung, Schmerzen, mangelnde Sozialisierung oder nicht hundegerechte Lebensumstände. Wie bei der Spitze eines Eisbergs ist das Verhalten nur das Symptom. Kompetente Trainerinnen und Trainer arbeiten jedoch an den Ursachen.
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Wie oft ist das Verhalten des Besitzers das eigentliche Problem?
Da Lernerfahrungen wichtig sind, hat unser Verhalten einen grossen Einfluss. Andere Faktoren, wie die Genetik, liegen ausserhalb unseres direkten Einflussbereichs. Häufig führen Unwissenheit und Überforderung dazu, dass sich Probleme verschlimmern. Kompetente Trainerinnen stellen Hundehaltende nicht an den Pranger, sondern helfen mit Wissen und Skills weiter.
Mit der Kampagne «Fairplay mit Hund» soll ein fairer und tierschutzkonformer Umgang mit Hunden gefördert werden. Wo klaffen Sein- und Sollzustand beim Hundetraining auseinander?
Hundetrainer ist kein geschützter Beruf und es kursieren veraltete Theorien wie zum Beispiel, dass unerwünschtes Verhalten ein Zeichen mangelnden Respekts sei. Damit wird strafbasiertes Training legitimiert mit Massnahmen wie Körperblock oder Leinenruck. Doch dies löst beim Hund Angst aus. Strafen sollten aus ethischen Gründen und aufgrund problematischer Nebenwirkungen nicht eingesetzt werden. Sie sind auch nicht nötig!
Welcher Erziehungsstil führt zu einem fröhlichen, ausgeglichenen Hund?
Training soll ohne das Zufügen von Schmerz- und Schreckreizen stattfinden und dem Hund nicht das Gefühl der Kontrolle entziehen. Stattdessen sollte systematisch, kleinschrittig und belohnungsbasiert das erwünschte Verhalten verstärkt und aufgebaut werden. Und zwar in einer ablenkungsarmen Umgebung und entspannt-fröhlichen Atmosphäre! Wenn der Hund Spass am Training hat, sich sicher fühlt und Erfolg erlebt, vertieft dies die Beziehung zum Menschen. Vielen Hundehaltenden ist zu wenig bewusst, wie kleinschrittig Lernen gerade zu Beginn gestaltet sein muss.
Was ist zu tun, wenn ein Hund beisst, ständig an der Leine reisst oder Anweisungen ignoriert?
Schmerzen, Stress, mangelndes Training, starke Ablenkung – das alles kann eine Rolle spielen. Unnatürliche Verhaltensweisen wie das Gehen an kurzer, lockerer Leine, müssen in kleinen Schritten geübt werden. Wenn ein Hund zubeisst, sollte dringend eine Fachperson zugezogen werden. Auf unserer Webseite findet sich eine Checkliste mit kompetenten Hundeschulen und Adressen von Fachpersonen, welche gemäss dieser Checkliste arbeiten.
Wann ist eine Verhaltenstierärztin die richtige Anlaufstelle?
Wenn ein Hund mit den Methoden, die normalerweise gut funktionieren, keine Fortschritte macht, weil er zu ängstlich, zu hibbelig, zu abgelenkt, zu impulsiv oder zu aggressiv ist. Aber auch wenn der Hund sehr auffälliges Verhalten zeigt, wie Lichtreflexe jagen oder repetitive Verhaltensweisen, wie Kreiseln.
Gewaltfreies Training
Die Kampagne «Fairplay mit Hund» steht für gewaltfreies Hundetraining und einen bedürfnisorientierten Umgang, der das Wohlbefinden des Hundes über reinen Gehorsam stellt. Sie hilft mit einer Liste von Hundeschulen und einer Checkliste bei der Auswahl einer kompetenten Hundeschule. fairplaymithund.ch
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