Ist das Terrarium für meine Vogelspinne zu gross? Eine Frage, die sich bei Mäusen, Hamstern oder anderen Säugetieren kaum je stellen würde. Doch Vogelspinnen sind Lauerjäger und verlassen in der Wildnis kaum ihre Höhle. Stattdessen lauern sie stundenlang, bis eine Beute an ihnen vorbeispaziert und sie zuschlagen können. Wenn das Terrarium also zu gross ist, kann es sein, dass eine Spinne irgendwann verhungert. Damit es ihrer natürlichen Umgebung entspricht, sollte es aber auch nicht zu klein sein.

Wie das Terrarium gestaltet sein soll, liegt letztlich im Ermessen der Halterinnen und Halter – rechtliche Vorgaben fehlen. Der Grund? «Für viele Wirbellose fehlt solide Forschung zu arttypischem Verhalten, Schmerzempfinden und Bedürfnissen – als Argument gegen gesetzlichen Schutz» erklärt Wildtierökologin Andrina Herren vom Schweizer Tierschutz (STS). Im Tierschutzgesetz werden derzeit explizit nur Wirbeltiere erwähnt.

Der Bundesrat könnte den Schutzbereich jederzeit auf weitere Tiergruppen ausdehnen, sofern deren Empfindungsfähigkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. In der beinahe endlosen Tiergruppe der Wirbellosen geniessen diese Privilegien bisher jedoch nur Tintenfische, Kraken und Panzerkrebse wie zum Beispiel Hummer. Alle übrigen Abertausende von Wirbellosen können daher fast uneingeschränkt gehalten werden; vorausgesetzt, es handelt sich nicht um gefährliche Arten (siehe Box auf Seite 20).

Fehlendes Mitgefühl?

Um die Rechtslage zu ändern, wären also mehr stichhaltige Studien nötig, aus denen sich artgerechte Haltungsbedingungen ableiten liessen. Doch weshalb die Tiergruppe der Wirbellosen in Bezug auf ihre Bedürfnisse bislang so wenig erforscht ist, hat tiefere Ursachen. «Es fällt uns schwerer, Mitgefühl für Tiere zu empfinden, zu denen wir weniger emotionale Nähe haben oder die uns wenig ähnlich sind», erklärt Andrina Herren. Das sei gleichzeitig mit ein Grund, weshalb die Bedürfnisse diverser Exoten in der Haltung weniger beachtet werden.

Für Tierschützerin Sabine Nasitta hängt dies zudem damit zusammen, dass viele Menschen Wirbellose vor allem als Schädlinge wahrnehmen. Wer sie jedoch als Heimtiere hält, kümmert sich nach ihren Beobachtungen meist sorgfältig um deren Wohlergehen. «Dies liegt auch daran, dass Wirbellose wie zum Beispiel Vogelspinnen in der Schweiz relativ teuer sind», so die Tierschützerin.

Viele gute Haltungen

Auch der Inhaber des Terrarien-Fachgeschäftes Lorica AG, Simone Piovan, kennt hauptsächlich positive Beispiele: «Die Schweiz weist im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Italien einen überdurchschnittlich hohen Standard auf.» Er erlebe seine Kundschaft zudem als sehr bemüht, ihren Tieren ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. «Unsere Kunden geben meist Tausende von Franken aus, um dem Tier gerecht zu werden», erzählt er. Viele wünschten sich sogar eine professionelle Ferienbetreuung, ein Hinweis darauf, wie hoch die Ansprüche an eine gute Haltung sind. Probleme sieht Piovan deshalb weniger in der grundsätzlichen Tierhaltung, sondern dort, wo sie auch bei anderen Haustieren auftreten: bei Spontankäufen und Bestellungen per Mausklick.

Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt er, Exoten nur dann zu verkaufen, wenn Kundinnen und Kunden nachweisen können, dass ein geeignetes Terrarium vorhanden ist. In den meisten Fällen sei dies jedoch gegeben. «Bei uns so wie in den allermeisten Tierhandlungen werden keine Tiere verkauft ohne intensive Beratung.» Ausnahmen gäbe es vor allem bei Grosshändlern, wenn sich das Personal nicht mit jeder Tierart gleich gut auskennt. «In solchen Fällen bleibt nur zu hoffen, dass der Verkäufer ehrlich ist und einen Kollegen um Rat fragt, wenn er die Tierart nicht kennt.»

Tipps für den Kauf von Exotenvom Schweizer Tierschutz (STS) und der Stiftung für das Tier im Recht

Finger weg vom Online-Handel
Kaufen Sie nur bei seriösen Fachhändlern, die transparente Informationen zu Haltung und Herkunft der Tiere geben. Verzichten Sie auf Online-Käufe! Ein persönlicher Kontakt zum Verkäufer ist unerlässlich, um sich ein Bild von der Herkunft und den Bedingungen der Tiere machen zu können.

Umfassende Informationen einholen
Kontaktieren Sie einen Terraristikverein. Dort erhalten Sie wertvolles Wissen und Unterstützung bei Fragen oder Problemen. Informieren Sie sich gründlich über die Tierart. Herkunft, Bedürfnisse, Lebensraum (Grösse, Temperatur, Luftfeuchtigkeit), Fütterung und Lebenserwartung sollten bekannt sein, bevor Sie ein Tier anschaffen.

Regelungen zu giftigen oder umweltschädlichen Tiere beachten
Auch wenn der Tierhalter für die falsche Haltung von wirbellosen Tieren rechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, müssen bestimmte Regeln beachtet werden. Dies gilt vor allem bei giftigen Arten von Spinnen oder Skorpionen, die für die Umwelt eine gewisse Gefahr darstellen. Es ist dafür zu sorgen, dass die Tiere in einem artgerechten und ausbruchsicheren Gehege gehalten werden. In einigen Kantonen besteht für die Haltung gefährlicher Arten eine Bewilligungs- oder Haftpflichtversicherungspflicht.

Basics der Exotenhaltung

Nicht auf die Hand nehmen!

Die allermeisten wirbellosen Tiere sind fast ausschliesslich zum Beobachten geeignet und mögen es nicht, angefasst zu werden. Für die kleinen Lebewesen bedeutet die Annäherung eines anderen Lebewesens in der Regel Gefahr. Entsprechend brauchen die meisten auch Versteckmöglichkeiten, um sich wohlzufühlen.

[IMG 2]

Beispiel: Vogelspinne

Spinnen empfinden Berührungen häufig als Bedrohung und reagieren mit Stress, Angst oder Flucht. Schon plötzliche Annäherungen, lautes Atmen oder hektische Handlungen können bei ihnen natürliche Stressreaktionen aktivieren. Wenn sie das Gefühl haben, sich verteidigen zu müssen, schleudern sie dem vermeintlichen Feind Brennhaare entgegen. Wenn eine Spinne auf ihrem Hinterteil kahle Stellen aufweist, ist das ein Indiz dafür, dass sie gestresst war. Das Hochheben birgt zudem ein hohes Verletzungsrisiko, weil für die Spinne ein Sturz aus geringer Höhe tödlich enden kann. Moderne Haltungsempfehlungen raten dazu, Vogelspinnen nur zu beobachten, da sie Berührungen als nicht angenehm empfinden und sich auch kaum daran gewöhnen. Artgerechte Versteckmöglichkeiten sind ebenfalls essenziell.

Für gutes Klima sorgen!

Viele der beliebtesten Exoten sind auf warme Temperaturen angewiesen. Eine Voraussetzung für das Terrarium ist also oft ein Temperaturmessgerät. Je nachdem, welches Tier betreut wird, müssen sogar verschiedene Klimazonen gewährleistet werden.

[IMG 3]

Beispiel: Achatschnecke

Im Terrarium der Achatschnecke sollte es nicht kälter als 20 Grad werden. Tagsüber, wenn die Riesenschnecke normalerweise schläft, darf das Thermometer gerne über die 25-Grad-Marke klettern. Wichtig ist auch eine hohe Luftfeuchtigkeit. Richtig nass darf das Substrat, mit dem ihr Gehege gefüllt ist, allerdings nicht werden, da sonst bakterielle Erkrankungen drohen. Wichtig ist, der Schnecke im Terrarium unterschiedliche Klimazonen – auch mit trockeneren und feuchteren Stellen – zur Verfügung zu stellen. So kann sie selbst aussuchen, wie es ihr am wohlsten ist.