Gebietsfremde Art
Warum Jagdfasane in der Schweiz immer seltener werden
Jagdfasane werden in der Schweiz immer seltener. Ihre Bedeutung in der hiesigen Jagd hat die gebietsfremde Vogelart verloren. Jene Exemplare, die hierzulande noch gesichert werden, befinden sich meistens in der Nähe der Landesgrenze.
Ein schillernd grüner Kopf, ein rot-braunesGesicht, knallrote Hautlappen rund um die Augen und lange Schwanzfedern: Dass ein männlicher Jagdfasan ins Auge sticht, dürfte wohl kaum jemand bestreiten. Im Gegensatz zu den Hähnen wirken die Hennen mit ihrer bräunlichen Tarnfärbung schon fast unscheinbar.
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Die Bezeichnung Jagdfasan vereint nicht nur rund 30 Unterarten mit teils unterschiedlicher Farbausprägung, sondern verrät auch, warum die Hühnervögel überhaupt auf diesem Kontinent anzutreffen sind: Ihr Aussehen und Fleisch machen sie zu einer begehrten Jagdtrophäe.
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Fasans erstreckt sich vom Schwarzen Meer bis in den Osten Asiens. Nach Europa, in die USA und auch in andere Teile der Welt wurden die Vögel vor allem gebracht, damit sie gejagt werden konnten. Schon in der Antike kannte man Fasane in Südeuropa. Sie wurden nicht nur in die Wildnis ausgesetzt, sondern auch in Gefangenschaft als Ziervogel gehalten – vielerorts ein Zeichen für Reichtum.
Wahrscheinlich waren die Römer dafür verantwortlich, dass sich die Vögel auch in Mittel- und Westeuropa verbreiteten. Mit der Zeit entstanden Fasanerien, um die Hühnervögel zu halten, zu züchten und zu Jagdzwecken wieder auszusetzen.
Heute sind Jagdfasane vor allem in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Dänemark, Ungarn und auch Rumänien verbreitet. Auch Grossbritannien kennt die Vögel bestens. Dort hat die Fasanenjagd eine besonders lange Tradition. Die Hühnervögel werden in grossem Stil gezüchtet und anschliessend ausgesetzt. 47 Millionen Fasane werden jährlich in Jagdgebieten freigelassen, damit sie dann während der Jagdsaison durch Treiber und Hunde zusammengetrieben und geschossen werden können.
In Grossbritannien ist die Fasanenjagd (engl. «Pheasant Hunting») nicht nur ein Hobby, das lokale Jägerinnen und Jäger – darunter auch Mitglieder der Royals wie der verstorbene Prinz Philip – gerne betreiben, sondern auch ein Tourismusfaktor: Sogenannte «Bird Shoots» oder «Pheasant Huntings» können online gebucht werden und kosten je nach Anbieter, Gebiet und den darin vorkommenden Tieren über 20'000 Dollar.
Gebietsfremde Art
Im Gegensatz zu Grossbritannien sind Jagdfasane in der Schweiz eine Seltenheit. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 schätzte die Schweizerische Vogelwarte Sempach den Bestand auf 40 bis 60 Brutpaare.
Aktuellere Zahlen gibt es nicht, erklärt Mediensprecher Livio Rey auf Anfrage: «Seit 2017 werden in der Schweiz keine Fasane mehr ausgesetzt, entsprechend geht der Bestand zurück und kann sich nur in grenznahen Gebieten wie Genf, Ajoie oder Tessin halten, wo es ständig Nachschub von Aussetzungen aus Frankreich und Italien gibt.»
Vor dem Jahr 2017 war die Aussetzung von Fasanen auch in der Schweiz noch gang und gäbe: In den Jahren 1972 bis 1976 wurden in der Schweiz laut der Vogelwarte jährlich 16'583 Fasane ausgesetzt; zwischen 1993 und 1996 noch 2090 Vögel pro Jahr. Später fanden laut der eidgenössischen Jagdstatistik nur noch in drei Kantonen Aussetzungen von Fasanen statt: In Bern geschah dies noch bis 2002, in Freiburg bis 2008. Zuletzt sind im Kanton Waadt zwischen 2013 und 2016 147 Fasane ausgesetzt worden.
Seltene Sichtungen
Wer hierzulande einen Jagdfasan beobachten möchte, benötigt nicht nur eine grosse Portion Glück, sondern muss sich auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden. Am besten stehen die Chancen in der Nähe einer Grenze.
Livio Rey von der Vogelwarte Sempach erläutert: «2025 gab es auf unser Citizen-Science-Plattform ornitho.ch nur sehr wenige Meldungen von wahrscheinlichen oder sicheren Bruten, die alle aus dem Kanton Genf stammten.» Denn ähnlich wie in Grossbritannien wird die Tradition der Fasanenjagd auch in unseren Nachbarländern Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich hochgehalten.
Auch in der Schweiz zählt der Vogel laut Jagdgesetz zu den jagdbaren Arten und darf, mit Berücksichtigung der Schonzeit zwischen dem 1. Februar und 31. August, gejagt werden. Allerdings spiele der Vogel in der Schweizer Jagdszene keine Rolle mehr, erklärt David Clavadetscher, Geschäftsführer des Dachverbands JagdSchweiz. «Wenn Fasane in der Schweiz heute noch ausgesetzt würden, dann nicht zu jagdlichen Zwecken.»
Wer die Tiere illegal in die Schweiz einführt, hat mit Konsequenzen zu rechnen: 2023 entdeckte die Kantonspolizei Aargau bei einer Autokontrolle in Rothrist (SO) 28 lebende Fasane, deren Einfuhr nicht angemeldet war. Zudem waren einige der beschlagnahmten Vögel durch das internationale Artenschutzabkommen CITES geschützt. Gegen die Personen im Wagen wurde durch das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit eine Strafuntersuchung eingeleitet.
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