Finkenvögel wie Kanarienvögel haben breite Schnäbel. Sie ernähren sich von Körnern. Papageien mit ihren krummen Schnäbeln knacken Nüsse, Samen und Früchte. Vögel mit langen, dünnen Schnäbeln haben es auf Insekten, Früchte und Blüten abgesehen.

Das ist eine vereinfachte Darstellung der Ernährungsgewohnheiten dreier Vogelgruppen, die unter Menschenobhut gehalten werden. Finken picken auch nach Insekten, besonders, wenn sie Junge aufziehen. Manche Weichfresser mit dünnen Schnäbeln verschmähen auch Körner nicht und Papageien nesteln schon mal an Nektar oder klauben Maden aus morschem Holz.

Wenn in der Vogelhaltung von Weichfressern die Rede ist, sind beispielsweise Glanzstare, Bülbüls, Beos, Chinesische Nachtigallen oder Blattvögel gemeint. Es werden noch viele mehr dazu gerechnet. Die Bezeichnung hat keine taxonomische Grundlage. In der Vogelhaltung werden damit Arten zusammengefasst, die ähnlich ernährt werden.

Weichfresser werden nicht oft gehalten, denn sie sind anspruchsvoll, schon rein von der Ernährung her. Futterinsekten müssen entweder selbst gezüchtet oder regelmässig erworben werden. Die Betreuung der Insekten verursacht einen grossen Aufwand. Zudem brauchen solche Vögel täglich einen Fruchtcocktail. Manche möchten Blütenpollen oder schätzen flüssigen Nektar. Die Ernährungsweise führt zu dünnflüssigen Ausscheidungen. Logisch, dass die Unterkunft häufig mit grossem Aufwand feucht gereinigt werden muss. Hinzu kommt, dass Weichfresser die Angewohnheit haben, Futter im Schnabel hin und her zu schleudern. Es klebt dann an Wänden und Pflanzen.

Spezialisierte Züchter beschäftigen sich mit Weichfressern. Sie sind in Vogelzuchtverbänden wie der Exotis oder Ziervögel Schweiz vereint. Nachzuchten können direkt durch sie erworben werden, denn im Zoofachhandel werden solche Vögel heute nicht mehr angeboten.

Weichfresser haben den Vorteil, dass sie Pflanzen nicht beschädigen und darum in begrünten Volieren gehalten werden können. Das Vogelhaus des Basler Zoos ist ein gutes Beispiel. In beiden begehbaren Abteilen wachsen Pflanzen. Die Blätter der Gewächse müssen regelmässig gereinigt werden, da sie von den Ausscheidungen der Vögel verschmutzt werden. Ideal sind kombinierte Innen- und Aussenvolieren für Weichfresser. Die Aussenvoliere kann attraktiv bepflanzt werden, der natürliche Regen wäscht Schmutz ab. Oft vertragen sich unterschiedliche Arten, wenn die Voliere gross genug ist. Untereinander können manche Arten von Weichfressern aber unverträglich sein, beispielsweise die Schamadrossel, eine Asiatin, die durch ihren Gesang betört.

Von schillernden Farben bis zu Meisselschnäbeln

Eine populäre Art ist die Chinesische Nachtigall, die auch Sonnenvogel genannt wird. Sie stammt nicht nur aus China, sondern aus grossen Teilen Südostasiens, inklusive aus Nordindien. Sie punktet mit zierlichem Aussehen, hübschem Gesang und neugierigem Verhalten. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Chinesische Nachtigallen in gemischten Volieren zu Nesträubern werden können. Sie plündern Eier und frisch geschlüpfte Junge kleinerer Arten. Ideal ist die paarweise Haltung oder aber die Haltung in einer Gemischtvoliere mit grösseren, robusten Arten. Chinesische Nachtigallen werden rasch zutraulich. Die aktiven Vögel fliegen in jede Schicht der Voliere. Da sie auch aus höheren Lagen des Himalajas kommen, vertragen sie Kälte, wobei sie immer einen frostfreien Raum zur Verfügung haben sollten. Im Durrell Zoo, auf der Kanalinsel Jersey, werden mehrere Chinesische Nachtigallen in einer Freivoliere mit subtropischer Vegetation gehalten. Die Vögel pflanzen sich dort sehr gut fort. Entflogene Chinesische Nachtigallen haben sich in gewissen Regionen Europas festgesetzt, so etwa in Grossbritannien, Frankreich, Portugal und Italien.

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Märchenhaft schöne Weichfresser sind Elfenblauvögel. Während die Weibchen azurblau sind, schillert das Männchen in Schwarz und Blau. Elfenblau- oder Feenvögel stammen aus Asien. Während der Brutzeit duldet das Paar keine Artgenossen, auch wenn es in einer Treibhausanlage fliegt, wie früher im Botanischen Garten Basel. Die Art kann heute im Vogelhaus des Basler Zoos bewundert werden. Auch wenn sie in der Natur wegen ihres grossen Verbreitungsgebiets nicht bedroht ist, unterhalten europäische Zoos seit 2021 ein Erhaltungszuchtprogramm, das durch die Voliere des Waddesdon Manor in England koordiniert wird. Der Blaukappenhäherling ist ein ganz besonderer Weichfresser. Er galt in seiner Heimat China zwischen 1919 und 2000 als verschollen, bis die soziale Art wieder entdeckt wurde. Die Vögel brüten in Kolonien und halten sich in dichter Vegetation auf. Das arttypische Verhalten zeigen auch die Exemplare im Vogelhaus des Basler Zoos.

Blattvögel ernähren sich von Beeren, Insekten und Blütennektar. Es werden zwölf Arten unterschieden. Die Asiaten weisen dünne, leicht gebogene Schnäbel auf, die beim Besuch von Blüten nützlich sind. Siebauen napfförmige Nester und leben in der Natur oft in kleinen Gruppen.

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Eine Art mit gänzlich anderem Verhalten ist der Flammenkopfbartvogel. Dieser Spechtvogel stammt aus Ostafrika, wo er beispielsweise in verlassenen Termitenbauten brütet und dort Höhlen und Nistkammern heraus meisselt. Auch unter Menschenobhut mag er darum morsches Holz und Nistkästen, die mit einem Sand-Lehm-Gemisch gefüllt sind, das er herausbefördern kann. Flammenkopfbartvögel dulden kaum andere Vögel in ihrer Voliere. Weichfresser sind halt speziell und vor allem grundverschieden in ihren Vorlieben und Verhaltensweisen.

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