Dass Füchse schöne Tiere sind, darüber sind sich die meisten wohl einig. Gerade das flauschige rot-braune Fell mit der weissen Schwanzspitze und den dunklen Pfoten macht den Fuchs zu einem der attraktivsten Wildtiere der Schweiz. Wegen ihres Fells wird in der Schweiz jedoch kein Tier geschossen, denn Tatsache ist: Pelztragen ist out. Das zeigt sich auch am Thuner Fellmarkt Anfang Februar. Hier versammelt sich alles, was Rang und Namen in der Jägerszene hat. Ein paar wenige Schaulustige sind wegen der Trophäenausstellung gekommen, zudem versuchen Händler aus der ganzen Schweiz Ferngläser, Kleider, Waffen und alles andere, was man zur Jagd benötigt, an die Kundschaft zu bringen. Nur eines muss man auf dem Fellmarkt tatsächlich suchen: Felle.

Alfred Scholler gehört zu den wenigen Jägern, die auf dem Fellmarkt versuchen, den Pelz der selbst gejagten Tiere zu verkaufen. Vor ihm liegen rund ein Dutzend Fuchsfelle auf dem Tisch. Die meisten Gespräche führt er jedoch nicht mit potenziellen Käufern, sondern mit Jägerkollegen, die ihn zu den Abschüssen beglückwünschen. «Die Fuchsjagd ist in der Schweiz zur Regulierung des Bestandes unerlässlich», betont Scholler. Als Tollwut hierzulande noch grassierte, gab es für jeden Fuchs noch eine Abschussprämie. Heute würde sich die Fuchsjagd finanziell nicht mehr lohnen, so der 69-Jährige. Er schiesst pro Jahr zwischen 20 und 30 Füchse, die meisten davon kranke Tiere. So will er verhindern, dass die betroffenen Individuen länger leiden müssen und sich Krankheiten wie Räude in der Population ausbreiten. Diese landen in der Kadaversammelstelle, wo sie verbrannt werden. Die meisten seiner Kollegen würden auch die geschossenen gesunden Füchse zur Verbrennung bringen.

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Felle als Nischenprodukt

Eine Verschwendung des schönen Fells? «Das Fell abzuziehen und zum Trocknen auf eine Schinde aufzuziehen kostet mich pro Tier zwei Stunden. Und jetzt raten Sie mal, wie viel ich für einen solchen Balg bei einem Händler bekommen würde», fordert Scholler auf. Die Antwort: fünf Franken. «Die wenigsten Jäger machen sich dafür die Mühe, es lohnt sich schlicht nicht.» Ein Grund für die niedrigen Preise ist die geringe Nachfrage nach Fellen. Pelz tragen ist in der allgemeinen Bevölkerung verpönt, was Alfred Scholler durchaus verstehen kann. «Zuchtpelz ist moralisch nicht vertretbar, denn die Tiere leiden beträchtlich. Aber warum kann man keinen Pelz von einheimischen Tieren, die sowieso geschossen werden, tragen? Das ist ein super Naturprodukt und es wegzuwerfen eine Verschwendung.» Daher lässt Alfred Scholler seine Fuchsbalge gerben und verkauft sie selber an Privatpersonen. Aber tatsächlich wollen sich nicht viele Menschen zu Hause ein Fuchsfell übers Sofa legen, nicht zuletzt, weil das bei dem einen oder anderen Besucher gemischte Gefühle hervorrufen könnte. Auch auf der Strasse würde jemand mit einem Fuchsfell um die Schulter wohl böse Blicke auf sich ziehen. Mit Ausnahmen. «Oft finde ich meine Abnehmer bei Fasnachtsvereinen oder historisch interessierten Gruppen wie zum Beispiel dem Belle Epoque Verein in Kandersteg», erzählt Scholler. Denn hier sind Kleider aus Fell historisch begründet. Wer ein entsprechendes authentisches Kostüm haben möchte, der braucht dafür auch echte Felle. Und tatsächlich laufen beim Fasnachtsumzug ein Tag nach dem Fellmarkt einige Narren und Närrinnen durch die Thuner Innenstadt, ausgestattet mit wilden Kostümen, in denen Fuchsfelle zu erkennen sind. Die Verkleidung mit Tierfellen hat eine lange Tradition. Schon auf Höhlenmalereien aus der Jungsteinzeit von vor etwa 30 000 Jahren sind Menschen zu erkennen, die sich mit Tierfellen und Hörnern maskieren.

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Ob Felle von Wildtieren, die ohnehin geschossen werden würden, als eine Art nachhaltige Alternative zu Kunst- und Zuchtpelz Einzug in die Schweizer Mode halten wird, ist indes fraglich. Nicht umsonst kämpften Tierschutzorganisationen dafür, dass Pelze aus tierquälerischen Zuchten vom Markt verschwinden. Obwohl im Raum steht, dass das Verbrennen der Fuchspelze aus hiesiger Jagd eine Verschwendung qualitativ hochwertiger Ressourcen ist, stellt sich die Frage, ob und wie man diese nutzen soll. Tierschutzorganisationen befürchten nämlich, dass das Tragen von Fuchsfellen aus der Jagd die allgemeine Akzeptanz und somit auch die Nachfrage nach Pelz wieder anfeuern könnte. Würde Echtpelz wieder salonfähig werden, so würde das auch den Pelzzüchtern in die Hände spielen – ein Dilemma, das sich so schnell nicht lösen lässt.

Echtpelz von Webpelz unterscheidenAn vielen Winterjacken und Accessoires findet man Fellbesätze. Wer wissen möchte, ob es sich dabei um echtes oder zum Teil täuschend echtes Kunstfell handelt, der kann einfach die Haare auseinander schieben. Bei Kunstfell ist deutlich die Struktur des darunterliegenden, gewobenen Stoffes erkennbar. Bei echtem Pelz kommt die Tierhaut mit Poren zum Vorschein.