Graziöse Vögel für den Adel
Fasane sind Vögel mit Geschichte
Das Schloss Wildegg auf einem Hügel im Zentrum des Aargaus ist weitherum sichtbar. Dazu gehört seit hundert Jahren eine Voliere. Neu wurde sie mit Fasanenarten besetzt, die viel mit dem Adel verbindet.
Fasane gehören zur Ordnung der Hühnervögel. Die Fasanartigen stellen innerhalb der Hühnervögel die grösste Familie dar und sind nahezu weltweit verbreitet, ausser in Südamerika und in der Antarktis. Auch Raufusshühner, zu denen das Auerhuhn gehört, gehören zu den Fasanartigen, ebenso Pfaue und Wildhühner. Gerade in Asien hat sich ein grosser Artenreichtum entfaltet. Die klassisch als Fasane bezeichneten Arten stammen alle aus Asien. Rostschwanz-Glanzfasane (Lophophorus impejanus) gehören zur Gattung der Glanzfasane oder Monals, die Goldfasane (Chrysolophus pictus) zu den Kragenfasanen und der Satyrtragopan (Tragopan satyra) zu den Tragopanen.
Vögel des Adels
Auf Schloss Wildegg sieht es nobel aus: Wasser plätschert in einem Springbrunnen, Buchsbüsche umranden Beete mit duftenden Rosen, und das Gefieder eines Rostschwanz-Glanz-fasans funkelt im Licht. Fehlt nur noch die Prinzessin, die beim Schlendern durch den Garten von einem Ritter aufmerksam betrachtet wird.
Hier, auf einem markanten Hügel im Zentrum des Kantons Aargau, sieht man, wie der Adelsstand sich gerne präsentierte. Zwar fehlen das Schlossfräulein und ihr Beschützer heute, dennoch wirkt die Szenerie, als würde man ins glanzvolle Mittelalter versetzt. Schlossbewohner Europas umgaben sich mit Schönem. Und dazu gehörten seit jeher auch Vögel. Auf Schloss Wildegg jedoch ist erst seit 1920 eine Volierenanlage dokumentiert. Auf einem historischen Bild von 1923 sind, nebst anderen Vögeln, Fasane und Pfaue zu sehen.
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Wahrscheinlich war es Bernhard Effinger von Wildegg (1658–1725), auf den auch der barocke Garten zurückgeht, der die Voliere mit den seltenen Vögeln begründet hat. So zumindest erzählt es das Museum Aargau, in dessen Obhut das Schloss zurzeit liegt. Ob sich die letzte Schlossherrin, Adelheid Pauline Julia von Effinger (1837–1912), noch an einer Voliere auf ihrem Besitz erfreute, liegt im Dunkeln. Sie wird als stolz und streng beschrieben, blieb als letzte Nachkommin der von Effinger unverheiratet und vermachte den Familiensitz der Eidgenossenschaft. 1917 wurde das seit Jahrhunderten im Besitz der von Effinger befindliche Gut öffentlich zugänglich. Und bald schon bildeten verschiedene exotische Vögel einen zusätzlichen Anziehungspunkt.
Zurück zu den Wurzeln
Die Voliere durchlebte in den letzten hundert Jahren verschiedene Entwicklungsstadien mit unterschiedlichem Vogelbestand. 2021 wurde das Konzept letztmals überarbeitet. «Wir wollten die Volierenanlage mehr in den Kontext des Schlosses stellen», sagt Matthias Betsche, Präsident des Vereins Freunde Schloss Wildegg. So zum Beispiel durch Fasane. Dr. Peter Sandmeier, ein Vogeltierarzt mit Praxis in Baden-Dättwil AG, wurde als Berater hinzugezogen. Er war es, der die enge Verbindung des Adelsstandes zu den Vögeln herausstrich, weshalb auch das Konzept des Vereins neu auf Fasane ausgerichtet wurde – auch, wenn deren Haltung auf Schloss Wildegg gar nicht dokumentiert ist. «Es scheint aber durchaus plausibel, dass solche Vögel auf einem Schloss wie der Wildegg als Zierde und zur Zucht für die Jagd gehalten wurden», so Betsche.
Ende April nun wurden die restaurierten und neu mit einer Sickeranlage versehenen Volieren mit drei Fasanenarten besetzt, die in der Schweiz von spezialisierten Haltern gezüchtet wurden. Die verbliebenen Vögel aus dem vorherigen Bestand wurden in Zoos und bei Züchtern platziert. «Die eher schattige Lage der Volieren eignet sich bestens für Fasane», streicht Peter Sandmeier heraus. Die gehaltenen Arten bewohnten Gebirge des Himalayas und Chinas und streiften durch Rhododendron- und Laubwälder.
«Wir wollten die Volierenanlage mehr in den Kontext des Schlosses stellen.»
Matthias Betsche, Präsident Verein Freunde Schloss Wildegg
So funkelt das Gefieder des Rostschwanz-Glanz-fasans von der höchsten Stelle eines Felsens. «Dieses Paar hält sich von Anfang an draussen auf», sagt Margarete Sandmeier, die seit zwei Jahren die Vögel betreut. «Ich freue mich über die neuen Pfleglinge, das Konzept und die Volierengestaltung sind gut», betont sie. Die Vögel könnten auch einen angrenzendenInnenraum nutzen. Wobei: Kalte Witterung macht diesen Gebirgsvögeln überhaupt nichts aus. Die Eckvoliere läuft in die Schlossmauer über und wurde mit natürlichem Felsen gestaltet, der sich in die Höhe zieht. So ist das Dach der Anlage zeltartig gestaltet.
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Das Männchen trägt die Krone
Während das Gefieder des mit einer Krone besetzten Männchens je nach Lichteinfall smaragdgrün und meerblau schillert, ist das Weibchen braun gesprenkelt und hat eine leuchtend blaue nackte Hautpartie beim Auge. Beide Vögel haben kräftige Schnäbel. Andy Fuchs, langjähriger Vogelhalter und -züchter, kümmert sich als Vorstandsmitglied des Vereins Freunde Schloss Wildegg um die Fasanenhaltung und betont: «Rostschwanz-Glanzfasane scharren nicht im Boden, wie alle anderen Hühnervögel, sondern nutzen ihren starken Schnabel zum Graben.» Darum wurde die Voliere für dieses Paar entsprechend mit Steinen, Holzschnitzeln und Baumstämmen eingerichtet.
Der Schlosssitz des Paars wird der langen Verbindung der Art mit dem Adelsstand durchaus gerecht. Rostschwanz- oder Königs-Glanzfasane wurden bereits 1851 in der Knowsley-Menagerie des Herzogs von Derby in Grossbritannien gehalten. Die wissenschaftliche Artbezeichnung «impejanus» wurde nach der Ehefrau von Sir Elijah Impey, Lady Mary Impey (1749–1818), benannt, die im indischen Kalkutta eine Menagerie unterhielt.
Beeindruckende Balz
In der angrenzenden Voliere leben Goldfasane. An Schönheit sind die Männchen kaum zu übertreffen. Dass die Weibchen wiederum unscheinbar braungefärbt sind, macht durchaus Sinn, brüten sie die fünf bis fünfzehn Eier doch alleine aus und dürfen darum nicht auffallen, denn der Hahn ist bereits weiterge-zogen und streift durch den Dschungel des zentralen Chinas. Goldfasane leben wohl in Berggebieten, jedoch in niedrigeren Lagen, wo üppiges Dickicht wuchert. Auf der Wildegg hält sich das Paar gerne im Innenraum auf. «Besonders der Hahn ist sehr zutraulich», betont Margarete Sandmeier. Er sässe gerne auf einer erhöht angebrachten Stange. Hier kommt auch sein langer Schwanz gut zur Geltung.
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Goldfasane wurden in China schon vor der Geburt Christi gehalten. Wie bei allen Fasanen sind die Küken Nestflüchter, das heisst, sie suchen sofort selbstständig nach Futter und finden unter den Fittichen der Henne lediglich Unterschlupf. «Das Weibchen hat schon zehn Eier gelegt», sagt Sandmeier. Die Alttiere seien aber noch zu jung, jedenfalls würde die Henne nicht brüten.
Die Voliere rechts des Eingangs zu den Innenräumen ist einem Paar Satyrtragopanen vorbehalten. Auch hier zieht wiederum das Männchen den ersten Blick auf sich. Der hellblaue Kehllatz und die weissen Punkte auforangem Gefieder lassen es edel erscheinen. Trago-pane werden noch eindrücklicher, wenn sie balzen. Um Weibchen zu gewinnen, richten sie beidseits des Kopfs Fleischzapfen auf, die wie Hörnchen wirken. Der Kehllatz wird bis zur Brust ausgedehnt, dazu werden die Perlaugenflecken des Gefieders eindrücklich präsentiert. Satyrtragopane wurden im Himalaya in Höhen bis zu 4250 Meter gesichtet. Da sie in der Natur oft in verlassenen Raubvogelhorsten brüten, montierteMargarete Sandmeier im Innenraum in der Höhe einen Korb. «Ein Ei wurde schon gelegt», sagt sie lachend. Es sei auch ein Ziel, die Arten zu züchten.
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Den Neuankömmlingen scheint die Fütterung mit einem Körnergemisch ohne Mais sowie mit Pelletfutter, Brennnesseln, Löwenzahn, Goldmelisse, Oregano, Thymian, Schnittlauch und Heidelbeeren zu behagen. «Als Leckerbissen reiche ich Mehlwürmer», gibt die Tierkennerin Auskunft.
Und schliesslich ist auch der Satyrtragopan mitdem Adel verbunden. Am 31. März 1863 erhielt der Londoner Zoo vom indischen Fürsten Babu Rajendra Mullick einen Hahn und zwei Hennen. So finden sich neu in den Volieren der majestätischen Wildegg nicht nur bunte Federn, sondern auch blaues Blut und Weltläufigkeit. Zumindest, wenn man seine Gedanken schweifen lässt und auf die Haltungsgeschichte der Fasane zurückblickt.
museumaargau.ch/schloss-wildegg
Adel und Fasane
In Grossbritannien hielten viele Vertreter des Adelsstandes vom 18. bis in die erste Hälftedes 20. Jahrhunderts exotische Tiere und besonders auch Fasane. Ein klassisches Beispiel ist Waddesdon Manor in Aylesbury in Buckinghamshire. Bei «The Aviary» handelt es sich um eine 1889 erstellte Voliere in viktoria-nischem Stil im Garten eines herrschaftlichen Sitzes eines Zweigs der Familie Rothschild. Die Anlage wird bis heute betrieben und bildet einen Anziehungspunkt für Gäste. Während all diesen Jahrzehnten wurden immer auch Fasane gehalten, so beispielsweise die Rothschild-Pfaufasane. Für diese bedrohte Art führt Waddesdon sogar das europäische Zuchtbuch ESB. Patron der World Pheasant Association (WPA), einer weltweit tätigen Gesellschaft zur Haltung, Zucht und zum Schutz von Fasanen, ist Lord Ridley, Herzog von Northumberland, Grossbritannien.
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