Was begeistert Sie an der Terraristik, Herr Wirtensohn?

Dass sie so vielfältig ist und vom Insekt über die Echse bis zur Schlange gehalten werden kann, vom Wüsten- bis zum Regenwaldbewohner. Dementsprechend ist die Thematik sehr abwechslungsreich und hat ganz verschiedene Facetten. Es geht darum, die Biologie der Tiere zu verstehen und sie nachzuzüchten.

Wie wurden Sie Terrarianer?

Ich beschäftigte mich bereits als Kind mit Fröschen und Blindschleichen in der Natur. Bald schon tauchte der Wunsch auf, solche Tiere auch zuhause zu halten. Meine ersten Terrarientiere waren Klappschildkröten aus Nordamerika.

Sie bauen beruflich Terrarien. Wie kam es dazu?

Ich arbeitete als Schreinermeister in meinem Beruf und hielt als Hobby Terrarientiere. Damals, vor etwa 27 Jahren, gab es keine funktionalen Terrarien im Handel. Deshalb begann ich damit, meine gekauften Terrarien abzuändern und zu optimieren, damit sie dem neuen Haltungsgedanken entsprachen. Dazu gehörten beispielsweise besseres Licht und mehr Frischluft für die Tiere. Bald schon baute ich auch für Kollegen Terrarien um. Durch den Schicksalsschlag, dass meine Eltern kurz nacheinander verstarben, erbte ich etwas Geld. Dank dieses Startkapitals konnte ich das Wagnis eingehen, mich ganz dem Terrarienbau zu widmen. Es funktionierte, und so baue ich bis heute hauptberuflich Terrarien.

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Erzählen Sie bitte von einem lustigen Erlebnis mit einem Terrarientier.

Wer Pfeilgiftfrösche hält, möchte sie gerne nachzüchten. So hat etwa ein Züchter viel Aufwand betrieben, hat die Eier aus dem Terrarium genommen, weil er dachte, sie kontrolliert besser zum Schlupf bringen zu können. Doch plötzlich hüpften junge Fröschchen im Terrarium. Die Alttiere haben sich selbst und besser um den Nachwuchs gekümmert!

Was ist für angehende Terrarianerinnen oder Terrarianer essenziell?

Information ist alles. Kenntnisse zu den Lebensräumen der Tiere sind entscheidend. Ich empfehle, sich mit Züchterinnen und Züchtern zu unterhalten. An der TerraExpo in Spreitenbach ist dies möglich. Informationen aus erster Hand sind immer top; der Züchter plaudert aus dem Nähkästchen. Man muss sich bewusst sein, dass Tiere sehr alt werden können, Schildkröten überleben die Halter gar. Auf keinen Fall sollte ein Terrarientier spontan erworben werden. Man muss sich ehrlich der Frage stellen, ob man während Jahren den Aufwand der Terrarienpflege bewältigen kann.

Sie erwähnten die TerraExpo in Spreitenbach. Was genau ist das und wie kam es dazu?

Seit 16 Jahren organisiere ich diese viermal jährlich stattfindende und mittlerweile grösste Messe für Terrarianer, Aquarianerinnen und Liebhaber tropischer Pflanzen. Im November brachen wir einen neuen Rekord mit 650 Meter Standfläche.

Was bringt die Messe?

Da kommt der Interessent mit der Züchterin in Kontakt. Es werden ausschliesslich Schweizer Nachzuchttiere angeboten, von Asseln bis zu Schlangen. Auch dank der Schweizer Börsenszene konnten Wildfangimporte eingestellt werden. Zunehmend kommt auch die Aquaristik hinzu. Selbstverständlich gehören Dekorationsgegenstände wie Wurzeln und Technik sowie Fachliteratur zum Angebot.

Welche Leute fühlen sich von der Terraristik angesprochen?

Das geht quer durch alle Gesellschaftsschichten. An die TerraExpo etwa kommt der Schüler mit seinem Vater wegen Fragen zu Kornnattern, der Banker im Anzug, der zu Hause ein Froschterrarium einrichtet und der Punker mit blauen Haaren, der Spinnen hält. Da sind wirklich alle Gesellschafts- und Altersschichten vertreten.

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Gibt es an der Messe nebst Literatur und Gesprächen noch weitere Weiterbildungsmöglichkeiten?

Experten halten Vorträge zur Haltung und Zucht und geben Tipps und Tricks weiter. 2026 sind Reisebeiträge aus den Verbreitungsgebieten der Pfeilgiftfrösche Kolumbiens und Vorträge über Pflanzen und Workshops zur Haltung von Futtertieren geplant. Es geht immer darum, Informationen zur optimalen Haltung zu vermitteln.

Zurück zum Terrarienbau. Bieten Sie Rundumlösungen mit Schrank und Technik?

Ja, ich bin für alles zuständig, das nicht lebt und handle auch mit natürlichen Dekorationsgegenständen wie Wurzeln. Die notwendige Technik verbaue ich, damit das Terrarium fertig in Betrieb genommen werden kann.

Welches sind die klassischen Fehler in der Haltung von Terrarientieren?

Schnellkäufe führen zu Problemen. Nie sollten Terrarium und Tier gleichzeitig erworben werden. Ein Terrarium muss zuerst ohne Bewohner einlaufen, denn es handelt sich um ein kleines Ökosystem. Ein weiteres Problem ist, wenn sich Interessenten zu wenig lange seriös mit dem Thema auseinandersetzen und den zeitlichen und finanziellen Aufwand unterschätzen. Ein Futtertierabo und die Stromkosten schlagen finanziell zu Buche. Die Reptilienhaltung steht im Fokus der Gesellschaft. Da ist es wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten werden.

Welche technischen Voraussetzungen werden zur Haltung von Echsen, Schlangen und Co. benötigt?

Grundsätzlich brauchen die meisten Reptilien und Amphibien eine Beleuchtung mit ultraviolettem Licht sowie eine Grundbeleuchtung im Tageslichtspektrum. Die Wärmezufuhr wird über die Beleuchtung vorgenommen, wie in der Natur.

Wie funktioniert ein Paludarium oder Aquaterrarium?

Die richtige Abtrennung von Land- und Wasserteil ist entscheidend. Es funktioniert wegen der Kapillarität des Wassers nicht, wenn die Bereiche mit einer Scheibe abgetrennt werden. Ein totes Blatt, das beide Medien berührt, funktioniert wie ein Kerzendocht, der das Wasser tropfenweise in das andere Medium zieht. Das Ergebnis ist, dass der Landteil zu einem Sumpf wird. Ich baue darum Aquaterrarien, die den ganzen Bodenbereich mit Lochblech abgetrennt haben. Das Wasser befindet sich so in der untersten Etage und kann mit einem Filter ins Terrarium gepumpt werden, um etwa einen Wasserfall zu erzeugen. So bleibt der Landteil trocken, erhält aber von unten ausreichend Luftfeuchtigkeit.

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Wie wird ein Terrarium mit frischer Luft versorgt?

Die Luftzufuhr ist auch ein Grund, warum ich zum Terrarienbau kam. Klassische Terrarien wiesen unten und oben je einen schmalen Streifen mit Lochblech auf und waren ansonsten geschlossen. Dadurch tauschte sich die Luft aber nur zu etwa 25 Prozent aus. So entstanden in Feuchtterrarien rasch Fäulnisbereiche. Ich verwende als Abdeckung Metallgaze. So kann die Luft über den ganzen Deckel abziehen, UV-Licht fällt direkt auf das Tier und wird nicht durch Glas herausgefiltert. Wärmelampen sorgen für Luftverwirbelung im Behälter. Je nach Feuchtigkeitsanspruch des Terrarientiers muss die Lüftungsfläche oben grösser sein. Ventilatoren, also eine aktive Belüftung, baue ich bei Terrarien für Orchideen und Pfeilgiftfrösche ein. Damit lässt sich ein Regenwaldklima simulieren. In der Nacht herrscht dort eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent, dann, wenn die Sonne aufgeht, trocknet alles ab, die Feuchtigkeit sinkt gegen 40 Prozent, am Nachmittag erfolgen Regenschauer. Das kann im Terrarium imitiert werden.

Mit welchen Terrarientieren würden Sie beginnen?

Die Haltungsansprüche von Leopardgeckos und Kornnattern lassen sich einfacher umsetzen. Auch Bartagamen gehören dazu, doch sie benötigen ein grosses Terrarium von mindestens 1,80 Meter Frontlänge.

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TerraExpoDaten 2026:
1. Februar, 3. Mai, 2. August, 8. November, jeweils 10 bis 15 Uhr
Umwelt Arena, Türliackerstrasse 4, 8957 Spreitenbach (AG)

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