Kühle Luft enthält weniger Schadstoffe. Im Winter verlangsamen sich chemische Reaktionen in der Atmosphäre, wodurch weniger Ozon entsteht. Auch Pollen sind kein Thema, und in höheren Lagen ist die Feinstaubbelastung meist geringer. Forschende der University of Pennsylvania betonen zudem, dass frische Aussenluft das Risiko senkt, Keime aus Innenräumen einzuatmen, da diese in geschlossenen, beheizten Räumen oft zirkulieren.

Glückshormone werden ausgeschüttet

Auch physiologisch wirkt sich kalte Luft bemerkbar aus. Wer draussen wandert, atmet automatisch tiefer – der Körper muss die Luft erwärmen und befeuchten, bevor sie in die Lunge gelangt. Diese Zusatzarbeit stärkt Atemmuskulatur und Kreislauf, das Herz schlägt kräftiger, die Durchblutung steigt. Kurz: Der Körper läuft auf Hochtouren.

Doch der Effekt ist nicht nur körperlich. Bewegung in kühler, klarer Luft senkt das Stresshormon Cortisol und fördert die Ausschüttung von Serotonin, dem sogenannten Glückshormon. Das natürliche Licht, selbst an trüben Wintertagen, ist draussen bis zu 20-mal intensiver als in Innenräumen. Das hilft gegen Wintermüdigkeit und depressive Verstimmungen.

In Kombination mit Bewegung am besten

Allerdings ist die Sache nicht ganz so einfach: Kälte kann auch Risiken bergen. Eine aktuelle Studie der Harvard Medical School und Massachusetts Eye and Ear zeigt, dass eine Abkühlung der Nasenschleimhaut um nur fünf Grad Celsius die Freisetzung antiviraler Abwehrstoffe – sogenannter extrazellulärer Vesikel – um bis zu 40 Prozent senkt. Die Folge: Erkältungsviren haben leichteres Spiel. Der gesundheitliche Gewinn von Winterluft hängt also stark vom Wie ab. Wer sich regelmässig, aber nicht übermässig, draussen bewegt, profitiert: Der Stoffwechsel wird angeregt, die Atemwege trainiert, das Herz-Kreislauf-System stabilisiert. Wer jedoch friert, zu dünn angezogen ist oder minutenlang stillsteht, schwächt seine Abwehrkräfte eher. Am besten funktioniert Winterluft in Kombination mit Bewegung: ein zügiger Spaziergang, Schneeschuh-laufen oder Wandern in klarer Höhenluft. Dabei sollte man durch die Nase atmen, um die Luft vor dem Eintritt in die Lunge zu erwärmen. Menschen mit Asthma oder empfindlichen Bronchien können bei grosser Kälteeinen leichten Schal vor Mund und Nase tragen – das schützt die Schleimhaut vor Reizung.

Unter dem Strich ist Winterluft also kein Wundermittel, aber ein natürliches Gesundheitselixier, wenn man sie richtig dosiert: Sie stärkt Herz, Kreislauf und die Stimmung, liefert Licht und frische Energie – vorausgesetzt, man bleibt in Bewegung.