In der Schweiz tragen die verschiedenen Ausgaben für den privaten Konsum mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandprodukt bei. Mit hart Erspartem werden Autos gekauft, Sportausrüstung für die Freizeit oder andere Gerätschaften fürs liebgehegte Daheim – und doch verstauben nicht selten viele Dinge ungenutzt in Kellern, Garagen oder auf Dachböden. Über 250'000 Neuwagen werden jährlich zugelassen, insgesamt rollen mehr als sechs Millionen Fahrzeuge über Schweizer Strassen. Doch die meisten Autos stehen im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still. Wer nicht auf den Wagen für den Arbeitsweg angewiesen ist, für den kann es sinnvoller sein, ein Auto zu teilen oder nur bei Bedarf auszuleihen. So stehen 6000 Autos in der Schweiz zum Carsharing bereit – jedes ersetzt im Schnitt elf Privatfahrzeuge, bietet dadurch eine effiziente Nutzung der dafür nötig gewesenen Ressourcen und spart gleichzeitig Kosten. Auch das Leihen von kleinen und flexiblen Fortbewegungsmitteln wie Velos, E-Scooter oder Cargo-Bikes wird zunehmend populärer. Hier sind es gar schon über 11'000 Fahrräder, mehr als 6000 E-Scooter und 380 Cargo-Bikes, die in der Schweiz zur gemeinsamen Nutzung bereitstehen.

Nicht nur Fahrzeuge können oft für den tatsächlichen privaten Gebrauch und dauernden Besitz nicht unbedingt von Nöten sein. So liegt beispielsweise die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Bohrmaschine über ihre gesamte Lebenszeit gerade einmal bei elf Minuten. Ob sich die mehreren hundert Franken dafür wirklich lohnen? Hier setzen sogenannten Leihbars oder Leihlager an. Diese Bibliotheken von Dingen verleihen statt Büchern alles Mögliche – von Werkzeugen über Küchengeräte und Zelte bis hin zu Musikanlagen und Kinderreisebetten. Verteilt über die Schweiz kann man mittlerweile auf über 20 solche Einrichtungen zugreifen. Sie sammeln Spenden von Privatpersonen oder Unternehmen und ermöglichen, dass selten gebrauchte Gegenstände einem grösseren Personenkreis zugänglich gemacht werden – nachhaltig, effizient und kostensparend.

Die Sharing Economy – also die Wirtschaft des Teilens – beschränkt sich nicht nur auf materielle Güter. Plattformen für Nachbarschaftshilfe, Wissenstransfer oder gemeinsame Zeit ermöglichen es praktisch, Fähigkeiten und Dienstleistungen auszuleihen. Sei es Gartenarbeit, das Reparieren des Velos oder Hilfe bei der Steuererklärung; all dies kann durch Unterstützung aus unmittelbarer Umgebung geschehen. Hat man eine unbewohnte Ferienunterkunft, ein ungenutztes Schlafzimmer oder etwa ein Stück Land, das als Campingplatz genutzt werden könnte, kann auch dies über digitale Plattformen unkompliziert vermietet werden. So entsteht nicht nur ein zusätzliches Einkommen, sondern auch eine effizientere Nutzung von Wohnraum und Grundstücken. Selbst überschüssige Lebensmittel können geteilt werden, um Food Waste zu vermeiden. Hier teilt man in öffentlichen Kühlschränken die Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden oder nimmt sich jene, die einem fehlen.

All diese Beispiele der geteilten Nutzung dienen schliesslich der besseren Nutzung begrenzter Ressourcen, der Reduktion von Kosten sowie Umweltbelastungen und ermöglichen möglichst vielen Menschen den Zugang zu verschiedensten Produkten und Erlebnissen.

Sharingplattformen und -angebote
Fahrzeuge
Mobility, Enterprise Go, Quickrent (Lieferwagen), MyCamper (Camper)

Privatfahrzeuge 
GoMore, 2EM

Velo und Scooter
Publibike, Carvelo, Voi, Bolt, Dott, Lime, Bird, Go Green City

Werkzeug, Ausrüstung, Geräte
Sharely oder verschiedene Leihbars (Bern, Wabern, Burgdorf, Thun und Luzern) und Leihlager (Basel und Frauenfeld)

Wohnraum und Grundeigentum
Airbnb, e-domizil, Nomady (Campingplätze)

Wissen und Zeit
Rent a Rentner, Nachbarschaftshilfe Schweiz

Lebensmittel
Madame Frigo