Kühe kraulen
Wo Nutztiere gern gestreichelt werden
Sanfte Berührungen wirken nicht nur auf Menschen beruhigend, sondern auch auf viele Nutztiere. Doch wo Kühe, Pferde oder Ziegen Streicheleinheiten wirklich geniessen, zeigt erst ein genauer Blick in die Forschung.
Dass das Streicheln von Tieren Menschen guttut, ist bekannt. Doch mögen es Tiere auch? Hunde und Katzen zeigen ihre Vorlieben meist klar, bei Nutztieren wie Kühen, Pferden oder Ziegen ist dies weniger offensichtlich.
Streicheln imitiert eine natürliche Form der Körperpflege, die bei sozialen Tierarten Bindungen stärkt und Stress abbaut. Dabei wird Oxytocin ausgeschüttet und der Herzschlag sinkt – bei Menschen wie auch bei vielen Säugetieren.
Forschende der Universität Wien fanden heraus, dass Kühe besonders gerne am Hals und am Widerrist gekrault werden. Am Bauch oder direkt am Kopf mögen sie Berührungen weniger. Beginnt man jedoch am Hals, akzeptieren viele Kühe anschliessend auch Berührungen am Kopf.
Die Wiener Forschenden kamen zum Schluss, dass Kühe dort am liebsten gestreichelt werden, wo sie sich auch gegenseitig lecken. Daher hilft es, Kühe zuerst eine Weile zu beobachten, bevor man einen Annäherungsversuch wagt. Noch besser ist es, den Besitzer der Herde um Erlaubnis und um Hinweise zu den Vorlieben der Tiere zu bitten.
In einer japanischen Studie fanden die Untersuchenden heraus, dass Pferde am liebsten am Kopf gestreichelt werden. In anderen Studien war die Herzrate beim Streicheln des Widerrists am tiefsten, gefolgt vom Streicheln am Hals. Ist der Kopf des Pferdes gut erreichbar, empfehlen die Forschenden daher, das Tier – sofern es Interesse am menschlichen Kontakt zeigt – eher dort zu berühren als am Hals.
Interessanterweise scheinen Ponys grundsätzlich weniger gerne gestreichelt zu werden als Warmblüter. Doch auch hier gilt: Am sichersten und für das Tier am angenehmsten ist es, vorher das Einverständnis des Besitzers einzuholen.
Bei Ziegen verhält es sich laut einer italienischen Studie ähnlich wie bei Kühen: Am liebsten werden sie am Rücken und am Hals gekrault. Da beide Tierarten Hornträger sind, werden Berührungen am Kopf womöglich eher negativ gedeutet. Sowohl Kühe als auch Ziegen setzen ihre Hörner bekanntermassen zur Verteidigung und bei Rangkämpfen ein. Entsprechend ist der Kopf keine Stelle, welche die Tiere automatisch mit Zärtlichkeit verbinden.
Grundsätzlich sind Nutztiere umso offener für Streicheleinheiten, je stärker sie daran gewöhnt sind. So empfinden auch Schafe – die von Natur aus keine besonders begeisterten Empfänger von Krauleinheiten sind – sanfte Berührungen als durchaus entspannend, wenn sie diese bereits als Lämmer kennengelernt haben.
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