Ammoniak wird freigesetzt, wenn sich Kot und Urin mischen. Landwirtschaftsbetriebe, welche Tiere halten, verursachen somit Emissionen, die schädlich für Mensch, Tier und die Umwelt sind. Denn: Sie bilden gesundheitsschädlichen Feinstaub und schädigen Ökosysteme durch die Versauerung und Überdüngung von Böden und Gewässern.

Hier setzt die sogenannte Cowtoilet an: Kühe können die freistehende Box freiwillig betreten – als «Gudeli» winkt eine Portion Lockfutter. Im Falle des Milchwirtschaftsbetriebs der Familie Röösli handelt es sich um ein Kilo der betriebseigenen Maiswürfel. Nachdem die Kuh gefressen hat, wird sie von der Maschine zwischen Euter und Vulva stimuliert, damit ein Harndrang entsteht. Der Urin wird aufgefangen, separat gelagert und als natürlicher Stickstoffdünger weiterverwendet. Das Resultat: Allein durch die Cowtoilet konnten die Ammoniakemissionen auf dem Betrieb Röösli um mindestens 15 Prozent reduziert werden.

Grosses Reduktionspotenzial

Die Cowtoilet auf dem Betrieb Röösli ist die erste des Landes. «Zuerst dachte ich, die Kuh-Toilette sei ein 1.-April-Scherz. Unterdessen bin ich überzeugt, mit der Cowtoilet sind wir einen Schritt voraus und fit für die Zukunft», kommentiert Landwirt Franz Röösli. Deren Einführung im April 2025 ist laut dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) und dem Amt für Umwelt und Energie des Kantons Luzern problemlos verlaufen. Die Kuhtoilette wird im Rahmen des Ressourcenprojekts «Ammoniak und Geruch Zentralschweiz» getestet. Dabei werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Ammoniakemissionen auf Landwirtschaftsbetrieben reduziert werden können.

Die Cowtoilet ist nicht die einzige Massnahme, die Familie Röösli in Hellbühl ergriffen hat. Auf dem Betrieb wurde unter anderem auch die offene Jauchegrube zurückgebaut. Durch die verschiedenen Massnahmen liege das Reduktionspotenzial pro Kuh bei insgesamt 44 Prozent, teilen die Projektverantwortlichen mit.

Durch den Einsatz der Cowtoilet auf dem Betrieb Röösli werden laufend Daten aus der Praxis für das Ressourcenprojekt gesammelt.