In der Schweiz leben über eine Million Schweine. Dennoch sind sie auf Weiden ein seltener Anblick. Zwar schreiben die Bio-Richtlinien einen Auslauf vor, welcher sich jedoch meistens auf Beton beschränkt. Zugang zu Grünland erhalten die wenigsten Tiere. Das Problem: Weiden viele Schweine auf kleiner Fläche, ist diese innert kürzester Zeit umgepflügt. Ohne intakte Grasnarbe wäscht der nächste Regen die phosphor- und stickstoffreichen Ausscheidungen von Schweinen aus, was die nahen Gewässer überdüngt. Deshalb gelten strenge Vorgaben, wie lange Schweine auf einer Weide verweilen dürfen. Diese Richtlinien schützen das Grundwasser, machen es Betrieben aber nicht leicht, ihren Schweinen regelmässigen Auslauf im Freiland zu bieten.

Der Caravan soll's richten

Ein innovativer Landwirt könnte einen Ausweg aus dieser Zwickmühle gefunden haben: Schon vor Jahren baute er in Eigenregie einen fahrbaren Stall für seine Schweine und macht gute Erfahrungen damit. Der Stall lässt sich mit dem Traktor relativ einfach umplatzieren, was einen regelmässigen Wechsel der Weide ermöglicht und so den Boden schont.

Die Idee des Sau Caravans war so gut, dass bald auch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) sowie die Nutztierschutz-Organisation KAGfreiland davon Wind bekamen. Gemeinsam starteten sie ein Projekt, um das Haltungssystem zu optimieren und für möglichst viele Betriebe anwendbar zu machen. Seit vergangenem Jahr läuft ein Testbetrieb auf einem KAGfreiland-Betrieb in Küttigkofen. Ab April 2026 steht ein weiteres Modell auf dem FiBL-Hof im Einsatz. «Das Ziel ist, einen Umgang mit dem Sau Caravan zu finden, welcher den Arbeitsaufwand möglichst gering hält», erklärt Anna Jenni, die vonseiten des FiBL am Projekt beteiligt ist. «Es gibt Freilandhaltungssysteme, die weniger Arbeitszeit in Anspruch nehmen, jedoch auch weniger bodenschonend sind.» Beim Sau Caravan befinden sich stark beanspruchte Bereiche wie die Liegefläche, Suhle, Tränke und der Futterautomat auf der Plattform.

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Ein Knackpunkt ist die hohe Investition, welche für die Anschaffung nötig ist. Immerhin erfüllt der Sau Caravan die Bio-Suisse-Richtlinien für zehn Mastschweine und kann einen festen Stall komplett ersetzen. Auch im Winter bietet der Stall Schutz vor Witterung. Idealerweise steht er dann auf einem befestigten Platz in Hofnähe. Denn gerade im Winter erholt sich die Grasnarbe viel zu langsam und sollte nicht unnötig beansprucht werden. Spätestens wenn Schnee liegt oder der Boden gefroren ist, nutzen die Schweine die Weide ohnehin weniger.

In den warmen Monaten hingegen profitieren die Tiere enorm vom Freilauf auf der Weide. «Wenn sie die Möglichkeit haben, verbringen Schweine täglich mehrere Stunden mit Grasen», erzählt Anna Jenni. Auch Hochleistungsrassen nehmen dieses Raufutter gut auf – mit der Zeit sogar immer besser, da sich ihre Verdauung daran gewöhnt. «Mit gutem Raufutter lässt sich bei Mastschweinen bis zu 20 Prozent des Kraftfutters einsparen», weiss die Expertin. Je nach Umgebung könnten die Schweine zudem gelegentlich auf abgeerntete Äcker chauffiert werden, um dort Pflanzenreste zu verwerten. «Auf Flächen ohne intakte Grasnarbe sollten Schweine jedoch nur kurz bleiben, weil die Nährstoffe sonst ausgewaschen werden könnten», gibt Anna Jenni zu bedenken. «Ausserdem muss beim Zügeln der Tiere auf die Biosicherheit und die korrekte Dokumentation geachtet werden.»

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Auch aus der Weide lässt sich je nach Nutzung mehr herausholen. Verlassen die Schweine eine Grünfläche, muss diese nicht brach liegen, bis sich die Grasnarbe erholt. «Eine Folgekultur, welche die Nährstoffe rasch aufnehmen kann, ist in jedem Fall sinnvoll», meint Jenni. Für andere Tiere sollte die Fläche jedoch nicht gemäht werden, weil sonst Gefahr besteht, dass Kot der Schweine im Heu oder in der Silage landet.

Artgerechte Haltung ist zeitintensiv

Wie auch immer eine bodenschonende Freilandhaltung von Schweinen umgesetzt wird – aufwändig ist sie in jedem Fall. Wer jedoch eine tierfreundliche Haltung im Stall realisieren will, hat auch damit alle Hände voll zu tun. Es gibt speziell angefertigte Wühlareale, die mit eingestreutem Substrat den Schweinen Beschäftigung ermöglichen. «Diese Bereiche müssen regelmässig entmistet und nachgefüllt werden, damit sie attraktiv bleiben und sauber sind», erklärt Sarah Haug von KAGfreiland. Ohne ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten fehle es den intelligenten Tieren rasch an Abwechslung im Stall. «Dies kann zu Verhaltensstörungen führen wie etwa Manipulation der Infrastruktur, Leerkauen, Wiederholung der immer gleichen Bewegungsabfolgen oder Kannibalismus.»

Im Freiland hingegen besteht keine Gefahr, dass den Schweinen irgendwann langweilig werden könnte. Wie viele Betriebe jedoch mit dem Sau Caravan auf Freilandhaltung umstellen, sei derzeit noch schwer einzuschätzen, meint Anna Jenni. Das Forschungsprojekt des FiBL und KAGfreiland läuft noch bis Ende 2027.