Wo alle profitieren
Tierische Symbiosen
Wo es gefährlich oder Nahrung schwer zu beschaffen ist, ist Teamwork gefragt. Dass das nicht nur unter Artgenossen geht, zeigen aussergewöhnlichen Symbiosen zwischen zum Teil sehr verschiedenen Tierenarten.
Eine Symbiose ist das Zusammenleben von Individuen verschiedener Arten zum gegenseitigen Nutzen. Oft sind die Arten dadurch auch voneinander abhängig. Die meisten Symbiosen finden zwischen Tieren und Pflanzen statt. Ameisen zum Beispiel bauen Pilze als Nahrung an, die wiederum von der Pflege der Insekten profitieren. Blumen werden durch verschiedene Tiere bestäubt, die dafür Nektar und Pollen bekommen. Doch auch zwischen verschiedenen Tierarten sind Symbiosen entstanden.
Zwischen Tentakeln
Eine der bekanntesten Symbiosen besteht zwischen Anemonen und Clownfischen, bekannt geworden durch den Disney-Film «Nemo». Anders als man annehmen möchte, gehören Anemonen zu den Tieren und nicht zu den Pflanzen. Clownfische gehören zur Gattung der Anemonenfische mit 28 bekannten Arten. Alle haben gemeinsam, dass sie in enger Symbiose mit Seeanemonen leben. Anemonenfische sind relativ schlechte Schwimmer und suchen in den Anemonen Schutz vor Raubfischen. Die Anemonenfische selber schützen die Anemone im Gegenzug vor Fressfeinden wie zum Beispiel Falter- oder Feilenfischen. Nebst den Anemonenfischen gibt es weitere Tiere, die eine ähnliche Symbiose mit den Nesseltieren eingehen. Anemonengrundeln, Spinnenkrabben und Partnergarnelen finden Schutz zwischen den Tentakeln und verrichten ihrerseits Wachdienst.
Unterwasser-Putzstationen
Seinem Namen alle Ehre macht der Putzerlippfisch. Die aus 14 Arten bestehende Tiergruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Fische zu putzen. Dafür unterhalten sie regelrechte Stationen, zu denen andere Fische kommen, um sich von den Putzerfischen von Parasiten und abgestorbener Haut befreien zu lassen, die die Putzerfische ihrerseits fressen. Als Erkennungsmerkmal dienen den «Kunden» die auffallenden Längsstreifen der Putzerfische. Selbst Raubfische verhalten sich an den Putzerstationen friedlich und warten, bis sie an der Reihe sind. Selbst ins Maul und in die Kiemenhöhle schlüpfen die Fischlein, was von den anderen Fischen nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht ist.
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Achtbeinige Bodyguards
Frösche führen kein einfaches Leben. Im Regenwald fallen viele von ihnen anderen Tieren zum Opfer. Gerade nachtaktive Spinnen haben es auf die kleineren Arten abgesehen. Umso erstaunter waren Wissenschaftler, als sie 2017 die gerade mal drei Zentimeter kleine Froschart Chiasmocleis ventrimaculata regelmässig in den Bauten einer grossen, bisher unbekannten Vogelspinne fanden. Diese schien den Frosch nicht als Teil ihres Speiseplans zu sehen. Im Gegenteil: Das Minifröschchen hat mit der Spinne einen regelrechten Bodyguard. Im Gegenzug dazu frisst der Frosch kleine Fliegen und Ameisen, die es auf die Eier der Spinne abgesehen haben. Ähnliche Fälle von Symbiosen zwischen Spinnen und Fröschen sind mittlerweile auch aus anderen Teilen der Erde bekannt.
Snacks aus dem Fell
Auch unter Wirbeltieren gibt es Symbiosen zwischen grossen und kleinen Arten. Die Starengattung der Madenhacker befreit afrikanische Weidetiere wie Nashörner und Büffel von Parasiten. Oft sitzen die Vögel in Gruppen auf den grossen Säugetieren und lassen sich von ihnen herumtragen. Nebenbei warnen Madenhacker auch vor herannahenden Raubtieren, was ihnen lokal übersetzt den Namen «Wächter des Nashorns» einbrachte. Allerdings treten immer mehr Zweifel auf, ob die Vögel immer zugunsten der Weidetiere handeln. Beobachtungen zufolge picken Madenhacker auch an den Wunden der Säuger und verhindern deren Heilung.
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Gemolkene Winzlinge
Auch direkt bei uns im Garten kann man eine beeindruckende Symbiose beobachten. Hier beschützten Ameisen winzige Blattläuse vor Fressfeinden wie zum Beispiel den räuberischen Marienkäferlarven. Als Gegenleistung lassen die Blattläuse sich von den Ameisen «melken». Die Läuse stechen die Gefässe der Pflanzen an und saugen deren zuckerhaltigen Saft, was sie bei Gärtnern und Balkonbesitzern äusserst unbeliebt macht. Dieser Honigtau schmeckt auch den Ameisen, und so betasten sie die Blattläuse so lange mit ihren Fühlern, bis diese den süssen Saft am Hinterteil ausscheiden. Entsprechend sind auf durch Blattläuse befallenen Pflanzen auch die Ameisen oft nicht weit.
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Per Teamwork zum Leckerbissen
Manche afrikanische Vögel rekrutieren sich Hilfe. Honiganzeiger erhielten ihren Namen durch ihr anscheinend zielgerichtetes Verhalten. Einzeln oder in Gruppen ziehen die Vögel die Aufmerksamkeit von Menschen durch lautes Rufen auf sich und führen sie zu einem Bienennest. Nachdem der Mensch das Nest aufgebrochen hat, um an den Honig zu kommen, bedient sich der Honiganzeiger an den Bienenlarven und dem Wachs. Das Verhalten ist insbesondere für Kenia gut dokumentiert, wo Angehörige der Borana und der Hadzabe den Honiganzeigern folgen, um Honig zu finden. Ohne die Hilfe des Menschen wäre das Bienennest für die Vögel nicht zugänglich, zum Beispiel, weil es sich in einem Astloch befindet, das erst mit Werkzeug aufgebrochen werden muss. Man geht davon aus, dass Honiganzeiger ursprünglich Teams mit anderen Tieren wie dem Honigdachs bildeten und das Verhalten erst nach und nach von Menschen genutzt wurde.
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