Wie entstand die Idee des Kinderzoos, Frau Rapp Schürmann?

Als die Stadt Basel dem Zoo das Areal dem Birsig entlang zur Verfügung stellte, wurde entschieden, dort ein Angebot für Kinder nach dem Modell eines traditionellen Bauernhofs zu realisieren. Das Besondere ist, dass Kinder mitarbeiten und somit Verständnis für Tiere entwickeln können.

Was zeichnet den Kinderzolli aus?

Es ist ein niederschwelliges Angebot, welches an 365 Tagen im Jahr ohne Anmeldung möglich ist. Darauf legen wir Wert. Im Winter, während der Schulzeit, kommt manchmal kein Kind, während den Schulferien können es auch einmal 30 sein. Unsere Tierpflegenden sind sehr flexibel. Sie wissen, wie viel Erfahrung die Kinder haben und teilen die Arbeiten entsprechend zu. Sie leiten die Kinder an und kümmern sich um derenSicherheit. Kein Tag ist wie der andere.

Kommen manche Kinder immer wieder?

Ja, manche arbeiten während der ganzen Kindheit fast jede freie Minute im Kinderzolli mit. Weitere kommen regelmässig. Je besser sie sich auskennen, desto mehr Verantwortung dürfen sie übernehmen.

Was bewirkt der direkte Tierkontakt?

Kinder lernen die Bedürfnisse der Tiere kennen und übernehmen Eigenverantwortung. Sie erfahren, wie Tiere reagieren und dass sie unterschiedliche Persönlichkeitenhaben. Die Kinder erleben auch den Lebenszyklus und dessen manchmal harte Realität, etwa, wenn ein Tier stirbt. Mitarbeit im Kinderzolli fördert auch die Teamfähigkeit. Es beeindruckt mich immer wieder, wie ernsthaft die Kinder bei der Sache sind.

Was machen die Kinder konkret?

Misten, wischen, Futter zubereiten und verteilen, wenn die Zeit reicht, einen Spaziergang mit Ponys, Lamas und Pfauenziegen. Das bildet dann den Höhepunkt. Weiter gehört zu den Tätigkeiten, Tiere vom Stall in Aussenanlagen zu lassen und wieder einzustallen.

Hat sich im Lauf der letzten fast 50 Jahre der Zugang der Kinder zu Tieren verändert?

Interessant ist, dass man bereits bei der Eröffnung des Kinderzolli fand, Kinder hätten zu wenig Bezug zu Tieren. Heute ist mit der Digitalisierung der analoge Kontakt zu Tieren umso wichtiger. Beim Anpacken braucht es ein Miteinander von Kopf, Herz und Hand. Kinder haben nach wie vor ein riesiges Bedürfnis nach dem Kontakt mit Tieren.

Gibt es Tierfavoriten bei den Kindern?

Ponys sind auf jeden Fall sehr beliebt.

Erzählen Ihnen Erwachsene später von ihrer Prägung im Kinderzoo?

Jetzt kommen Kinder in den Kinderzolli, deren Eltern schon mitarbeiteten. Wir haben Tierpflegende und auch eine Kuratorin, die bei uns im Kinderzolli begannen. Sie fanden so den Weg in den Beruf. Auch Besuchende sagen uns, dass sie mitgearbeitet hätten.

Wie läuft die Projektwoche von Schulen im Zolli ab?

Im Sommerhalbjahr bieten wir acht Projektwochen für die vierte und fünfte Primarklasse an. Die Schülerinnen und Schüler kommen eine ganze Woche lang täglich. Oft zeigt sich eine erstaunliche Dynamik. Kinder, die sich im Schulzimmer hervortun, haben Angst vor dem Pony oder Lama, solche, die ruhig sind, blühen im Kinderzoo auf, zappelige Kinder können plötzlich konzentriert arbeiten.

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Zur PersonKathrin Rapp Schürmann ist Leiterin Bildung und Naturschutz des Zoo Basel und Kuratorin des Kinderzolli. Die Umweltnaturwissenschaftlerin ETH ist seit 2012 im Zoo Basel tätig.