Die Textilindustrie hinterlässt einen grossen ökologischen Fussabdruck. Was es nicht besser macht: Das Angebot an Kleidern ist heutzutage gigantisch, die Versuchung, auf jeden neuen Trend aufzuspringen, ebenso. Viele Menschen mögen es bunt und treiben es mit Online-Bestellungen noch bunter. Eine Problematik, die mehrere Jungunternehmen aus der Textilbranche erkannt haben. Ihr Ziel: Dem Wunsch nach Abwechslung gerecht werden und im gleichen Zug die Umwelt entlasten.

Eines dieser Unternehmen, hinter dem ein engagiertes Team von jungen Frauen und Männern steckt, ist TEIL. Bei dem vor vier Jahren initiierten Projekt handelt es sich um einen «offenen Kleiderschrank» im Zentrum von Bern. Die Idee dahinter ist so einfach wie bestechend: Die Kleider werden geliehen statt gekauft. Dabei hat die Kundschaft freie Hand, zu bestimmen, wie lange das Leihgut in der eigenen Garderobe verbleibt. Ist die Zeit reif für einen Wechsel, werden die Textilien gewaschen in den Laden zurückgebracht. Wem der Sinn danach steht, schnappt sich ein Nachfolgeobjekt direkt ab der Stange. «Wir sorgen für Abwechslung im privaten Kleiderschrank und schaffen eine Alternative zu Fast Fashion», umreissen die Verantwortlichen des Projekts ihre Idee. Neben Alltagsmode können auch Blazer, Umstandsmode und Festtagskleider ausgeliehen werden. Das System basiert auf einem Abo-System, das sich nach der Anzahl ausgeliehener Kleidungsstücke richtet und sich zwischen 19 und 59 Franken pro Monat bewegt.

Liebe auf den zweiten Blick

Auch Fashion Revolution, eine internationale Bewegung, die in der Schweiz einen Ableger hat, ruft zu einem nachhaltigen Umgang mit Kleidern auf: «Mit Kleidertausch und -miete lässt sich die Garderobe erneuern, ohne neue Kleider kaufen zu müssen», argumentiert die Organisation. Eine Strategie, die sich sowohl für das eigene Portemonnaie als auch für die Umwelt auszahlt. Das Forschungsunternehmen Green Story Inc. hat im Rahmen einer Studie berechnet, wie hoch die Einsparungen sind, wenn ein Kleidungsstück als Second-Hand-Artikel erworben wird: Der Kauf eines gebrauchten Artikels reduziert den CO2-Fussabdruck um stattliche 82 Prozent.

Wer sich dazu entschliesst, seinen Kleiderschrank nicht länger auf dem klassischen Weg zu bestücken und dennoch nicht auf eine Auswahl verzichten will, ist mit Kleidertauschbörsen gut bedient. Der Verein Walk-in Closet Schweiz organisiert diese an verschiedenen Orten in der Schweiz. Teilnehmende bringen dabei maximal zehn frisch gewaschene, gut erhaltene Kleidungsstücke mit und können ihre Garderobe im Gegenzug mit neuer Secondhand-Ware auffrischen.