Eine plätschernde Oase im eigenen Garten, davon träumen viele Hausbesitzer. Ein naturnaher Teich sorgt nicht nur für Entspannung, sondern kann auch die Biodiversität im ganzen Quartier bereichern. «Speziell im Bereich von Siedlungen müssen vor der Anlage von Feuchtgebieten jedoch grundsätzliche Fragen geklärt werden», rät die Kontaktstelle für Amphibien und Reptilien der Schweiz (Karch). Werden die Teiche von Fröschen besiedelt, so kann es auf den Quartierstrassen zu regelrechten Massakern kommen. Auch das Kanalisationssystem mit seinen Senklöchern kann zu grossen Verlusten an Tieren führen. Sind beide Gefahren gross, so rät Karch, auf einen Gartenteich lieber zu verzichten.

Spricht jedoch grundsätzlich nichts gegen den Teichbau, so hat Karch einige Tippsparat, um das Biotop ökologisch möglichst sinnvoll zu gestalten. Amphibien mögen Teiche mit grossflächigen Flachwasserzonen von etwa 10 Zentimetern Tiefe, mit einer Tiefwasserzone von einem halben bis einem Meter Tiefe, je nach Teichgrösse. Pflanzen und andere Strukturen an den Ufern bieten den Tieren genügend Deckung und Versteckmöglichkeiten. Sollte der Wasserstand aufgrund von Trockenheit einmal schwanken, so ist das kein Grund zur Sorge, sondern kann gewisse Arten wie zum Beispiel den Kamm- und den Teichmolch sogar fördern. Laichgewässer sollten jedoch während des gesamten Sommerhalbjahres Wasser führen.

Als Untergrundmaterial für den Teich eignen sich EPDM-Abdichtungsfolien aus synthetischem Kautschuk mit mindestens 1,5 Millimetern Dicke oder aber auch Beton. Letzteres ist besonders bei sehr grossen Teichen von Vorteil, da dadurch eine maschinelle Pflege möglich ist. Die Abdichtung wird dann mit einer 10 bis 30 Zentimeter dicken Schicht aus Wandkies oder gewaschenem Sand überdeckt. Wichtig ist hierbei, dass kein Humus eingebracht wird. Auch wenn es einiges an Geduld erfordert, bis die ersten Amphibien einen neuen Teich besiedeln, so darf man nicht in Versuchung geraten, Froschlaich einzusammeln und in den Teich einzusetzen. «Amphibien sind bundesrechtlich geschützt», mahnt Karch. Das Entnehmen aus der Natur ist somit verboten. «Falls der Weiher und der angrenzende Lebensraum den Amphibien zusagen, werden sie sie selbstständig besiedeln», versichern die Experten der Kontaktstelle. Je nach Gewässertyp und Region würden sich andere Arten einstellen.

Für jeden Teich die passenden Arten

Die meisten Gartenteiche gehören zum Gewässertyp der permanenten Gewässer. Sie führen das ganze Jahr Wasser und trocknen selten bis nie aus. Hier können sich Insektenlarven ansiedeln, die mehrere Jahre für die Entwicklung zum ausgewachsenen Tier brauchen. Dazu gehören Gelbrandkäfer- und Libellenlarven. Den räuberischen Larven sind jedoch nur wenige Amphibien gewachsen, da diese es auf die Eier und Larven von Fröschen und Molchen abgesehen haben. Lediglich Arten, die Tausende von Eiern produzieren, wie der Grasfrosch oder die Erdkröte, können sich durchsetzen. In Teichen ohne räuberische Insektenlarven können sich auch Grünfrösche und Molche ansiedeln.

Teiche, die alle paar Jahre einmal austrocknen, sei es natürlich oder künstlich herbeigeführt, sind in der folgenden Laichsaison frei von räuberischen Insektenlarven und somit auch von Fressfeinden. Davon profitiert zum Beispiel die Geburtshelferkröte, deren Larven teils als Kaulquappen überwintern. Sie hat in jährlich austrocknenden Gewässern keine Chance, kommt aber aufgrund der geringen Anzahl an Kaulquappen auch nicht mit einem grossen Räuberdruck zurecht. Weitere Profiteure solcher Teiche sind Molche, Spring- und Laubfrösche.

Temporär austrocknende Gewässer, die ein- oder mehrmals jährlich kein Wasser führen, sind in Gärten sicher selten anzutreffen. Sie wären gerade für Amphibien jedoch besonders wertvoll. «Der ideale Amphibienweiher trocknet ab und zu aus», so Karch. Insbesondere Arten auf der Roten Liste wie die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke brauchen temporäre Gewässer, und auch andere aquatische Organismen wie Kleinlibellen, Krebse, Moose und Pflanzen profitieren davon.

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Die richtige Pflege

Unterhalts- und Pflegearbeiten im und am Gewässer werden im Herbst durchgeführt. Dann sind die Kaulquappen, Molch- und Libellenlarven grösstenteils metamorphosiert und es halten sich am wenigsten Tiere in den Weihern auf. Erst wenn die Wildnis bereits die Oberhand gewonnen hat, sollte mit der Pflege begonnen werden. Neu angelegteTeiche kann man also getrost einige Zeit in Ruhe lassen.

Bei Naturteichen gehört das Entfernen von abgestorbenen Pflanzenteilen und Laub zu den regelmässig nötigen Pflegemassnahmen. Durch das Schneiden der Randvegetation fällt mehr Licht auf die Wasserfläche, was laut Karch prinzipiell immer eine sinnvolle Massnahme ist. Denn viele Amphibienarten mögen besonders warme und sonnige Gewässer. Vorsicht bei Rasenflächen rund um den Teich: Sobald sich die Jungtiere auf den Weg an Land machen, hat Rasenmähen keine Priorität, damit die Amphibien den Mähern nicht zum Opfer fallen.

Grundsätzlich ist nicht nur die Wasserstelle selbst für viele Lebewesen eine wichtige Lebensgrundlage, sondern auch die nächste Umgebung. Günstige Weiherstandorte befinden sich laut Karch nicht weiter als 500 Meter von einem Wald entfernt und bieten wie auch am Ufer viele Deckungsmöglichkeiten. Heugrasmischungen und Strauchgruppen bieten nicht nur Amphibien einen geschützten Lebensraum ausserhalb des Gewässers, sondern locken auch andere Tiere an. Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen gehören in jeden naturnahen Garten und bieten vor allem Kröten ideale Versteckmöglichkeiten.

Zudem wimmelt es hier förmlich von Insekten, der Hauptnahrung der meisten Amphibien. Nicht zuletzt ist dafür zu sorgen, dass Teiche nicht zur Todesfalle werden: Ausstiegshilfen für Arthropoden und andere Kleintiere verhindern, dass die Tiere im Weiher ertrinken. Steine und Äste, die aus dem Wasser an Land ragen, reichen schon aus, um Leben zu retten.