Studie klärt auf
Sprache der Fische: Nur stummes «Blub Blub»?
Die Vorstellung, Fische seien stumm, ist überholt. Untersuchungen zeigen, dass viele Arten Töne über Muskeln, Flossen oder Knochen erzeugen können. Sie dienen der Verständigung untereinander, etwa bei der Partnerwahl oder zur Abgrenzung von Reviergebieten.
Zu Land prägen unzählige Lebewesen die Klangkulisse. Vögel zwitschern fröhlich vor sich hin, Hunde bellen und Kinder spielen lachend – ein uns vertrautes Klangspiel vor der Haustür. Im Amazonas, tief im Dschungel, ertönt die Klangkulisse wiederum ganz anders: Affen brüllen um die Wette, Papageien kreischen von den Baumwipfeln, Frösche quaken unaufhörlich – ein nicht enden wollendes Konzert geballter tierischer Kommunikation. In den Tiefen der Ozeane aber scheint es deutlich stiller zu- und herzugehen. Dort ist jener tierische Austausch vorrangig von den Gesängen der Wale und den Rufen der Delfine geprägt, zumindest für das menschliche Gehör. Fische hingegen gelten seit Jahrhunderten als stumme Geschöpfe. Doch der Schein trügt.
Eine umfassende Analyse von Forschenden um Aaron N. Rice zeigt, dass akustische Kommunikation bei Fischen keineswegs ein seltenes Randphänomen ist, sondern vielmehr ein grundlegender Bestandteil ihrer Evolution. Die Studie dokumentiert Hinweise auf Lautäusserungen in 175 von 470 untersuchten Familien und schätzt, dass damit fast zwei Drittel aller Strahlenflosserarten von Klangkommunikation geprägt sein könnten. So soll die Fähigkeit, Töne hervorzubringen, in mehreren grossen Fischlinien unabhängig voneinander entstanden sein – rund 33-mal im Laufe der Evolution – und reicht in manchen Gruppen gar über 100 Millionen Jahre zurück. In einigen artenreichen Teilgruppen, etwa bestimmten Wels- oder Barschverwandten, liegt die Wahrscheinlichkeit sogar sehr hoch, dass bereits die gemeinsamen Vorfahren über Lautäusserungen verfügten.
Geräuschvoll ohne Stimmbänder
Während Säugetiere und Amphibien Stimmbänder besitzen, die mit durchströmender Luft in Schwingung versetzt werden, fehlen solche Strukturen den Fischen vollständig. Sie nutzen stattdessen laut der Studie, die im Fachjournal «Ichthyology & Herpetology» erschien, drei kreative biomechanische Lösungen. Am häufigsten ist die Vibration der Schwimmblase, die mittels spezieller Muskulatur in Schwingung versetzt wird. Solche Trommelmuskeln finden sich etwa bei Froschfischen oder vielen Welsarten. Daneben gibt es die Lauterzeugung durch Reibung oder Schnappen von Skelettteilen – auch Stridulation genannt. Dazu gehören beispielsweise Geräusche, die mit Flossenstacheln, Kieferteilen oder Wirbelelementen erzeugt werden. Eine dritte, jedoch selten dokumentierte Technik besteht darin, ganze Körperpartien oder Muskeln ohne Schwimmblasenbeteiligung vibrieren zu lassen.
In der Praxis äussern sich diese Mechanismen in einem erstaunlich vielfältigen akustischen Repertoire. Manche Arten brummen oder knurren gar, andere wiederum erzeugen knackende oder trommelnde Töne. Das Grunzen der Knurrhähne, das Schnarren der Guramis oder das Trommeln mancher winziger Danionella-Fische sind nur einige Beispiele. Doch auch diese Laute besitzen eine kommunikative Funktion, etwa für die Revierverteidigung, die Partnerwahl oder zur Abschreckung von Rivalen. Die Studie zeigt dank der grossen Datenmenge erstmals, dass dieses Verhalten nicht die Ausnahme ist, sondern ein weit verbreitetes und tief verwurzeltes Kommunikationsmittel.
Geheimsprache unter Fischen
Auch im heimischen Aquarium können solche Laute existieren, häufig ohne dass sie bewusst wahrgenommen werden. Viele Arten erzeugen nämlich Geräusche in Frequenzen oder Lautstärken, die für das menschliche Ohr nur schwer zugänglich sind. Unter Wasser bilden sie schliesslich ein wichtiges Signalnetzwerk – zusätzlich zu den bekannteren visuellen und elektrischen Kommunikationsformen, die viele Fische nutzen. Dass sich darunter auch zusätzlich die akustische Kommunikation befindet, macht deutlich, wie vielseitig die Verständigung unter Fischen sein kann.
Die Forscherinnen und Forscher betonen daher, dass die wahrgenommene Stille bei Fischen häufig nur scheinbar ist. So bedeute das Fehlen dokumentierter Laute nicht automatisch, dass eine Art schweige. Nicht selten wurden bestimmte Gruppen von Fischen als stumm bezeichnet, was sich in späterer Folge aufgrund des Nachweises von akustischen Signalen als falsch herausstellte. Gerade in den Tiefen der Ozeane ist es besonders schwierig, mögliche Lautproduktionen von Fischen zu untersuchen. Doch die jahrhundertealte Vorstellung vom stummen Fisch ist damit vom Tisch.
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren