CO2 kompensieren
So berechnen Sie Ihren ökologischen Fussabdruck
Dass der Mensch mehr Ressourcen verbraucht, als vorhanden sind, ist weithin bekannt. Die individuelle Bilanz wird dabei als ökologischer Fussabdruck bezeichnet, den jeder sinnbildlich auf der Erde hinterlässt. Die TierWelt erklärt, wie man ihn berechnet und reduziert.
Am 28. Juli hatte die Menschheit die Ressourcen, die für das Jahr 2022 vorgesehen waren, aufgebraucht. Mehr hält die Erde eigentlich pro Jahr nicht bereit, und trotzdem erreichen wir das Datum, an welchem wir das Limit überschreiten, immer früher. Das hat viel mit unserem Lebensstil zu tun, wie wir uns bewegen, wie wir wohnen, wie viel und was wir konsumieren. Würden alle Menschen so leben wie in der Schweiz, so bräuchten wir die Ressourcen von drei Planeten, berichtet das Bundesamt für Statistik. Unser Konsumverhalten ist also alles andere als nachhaltig und geht viel mehr auf die Kosten künftiger Generationen und anderer Erdteile.
Der ökologische Fussabdruck ist sowas wie eine «Ressourcenbuchhaltung». Er zeigt auf, wie viel der Mensch die Regenerationsfähigkeit der natürlichen Umwelt ausschöpft. Dabei wird berechnet, wie viel Fläche nötig ist, um unseren Verbrauch natürlicher Ressourcen zu decken oder die Emissionen zu absorbieren. Pro Person stünden theoretisch 1,6 globale Hektaren (gha) zur Verfügung. Schweizerinnen und Schweizer verbrauchen im Schnitt 4,3 gha.
Die Berechnung des ökologischen Fussabdrucks ist kompliziert und berücksichtigt je nach Methode mehr oder weniger Aspekte des Lebens. Federführend ist das Global Footprint Network, eine Non-Profit-Organisation, die quantifiziert, wie viele Ressourcen der Menschheit zur Verfügung stehen und wie viele sie verbraucht. Dabei speisen sie ihr Berechnungssystem mit neusten Daten und stützen sich hierbei auf Partnerorganisationen wie den WWF oder die New Economics Foundation. Auch ganze Länder arbeiten mit der Organisation zusammen, und das Schweizerische Bundesamt für Statistik beruft sich ebenfalls auf die Methoden des Global Footprint Network.
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Eigener ökologischer Fussabdruck
Wie gross ist der eigene ökologische Fussabdruck? Und welche Faktoren fallen bei der Berechnung besonders ins Gewicht? Auf der Website des Global Footprint Networks kann jeder den Test machen und seine Lebensweise analysieren lassen. Als Erstes kommt die Frage nach der Ernährungsweise. Nicht überraschend ist, dass tierische Produkte besonders ins Gewicht fallen. Um Tiere zu ernähren, wird proportional mehr Fläche benötigt als für den Anbau von Getreide und Gemüse. Konkrete Zahlen liefert der WWF: Zur Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch müssen bis zu 20 Kilogramm Futtermittel produziert und verfüttert werden. Wer auf eine vegetarische Ernährung umsteigt, der verringert seinen ökologischen Fussabdruck um 24 Prozent. Ernährt er sich vegan, sind es sogar 40 Prozent.
Auch der Konsum von regionalen und saisonalen Produkten verringert den ökologischen Fussabdruck, unter anderem, weil diese nicht um die halbe Welt geflogen werden müssen, um bei uns auf dem Tisch zu landen. Im Vergleich zu einer Ernährung, die auf Fleisch oder gar ganz auf tierische Produkte verzichtet, macht dies allerdings nur wenig aus. Trotzdem muss niemand von jetzt auf gleich auf Schnitzel und Käse verzichten. Christoph Meili, Ökobilanzexperte des WWF Schweiz, rät: «Wer seinen Speiseplan mit vegetarischen Gerichten anreichert und Fleisch- und Milchprodukte als etwas Besonderes geniesst, tut der Umwelt schon viel Gutes.»
CO2 kompensieren
Wer auf Flugreisen, Autonutzung und Fleischkonsum nicht verzichten möchte, der kann seinen ökologischen Fussabdruck kompensieren, indem er nachhaltige Projekte aktiv oder finanziell unterstützt. Das verringert zwar nicht die eigene Umweltbelastung, sorgt aber dafür, dass an anderer Stelle Gutes getan wird. So bieten bereits viele Fluggesellschaften eine CO2-Kompensation als Teil des Ticketpreises an. Die Swiss unterstützt damit zum Beispiel die Schweizer Organisation «my climate». Bei einem Flug nach Mallorca und zurück ist man so schon mit fünf Franken dabei. Auch der Online-Händler Digitec Galaxus AG bietet Klimakompensationen an und unterstützt mit den Beiträgen diverse Klimaschutzprojekte des Projektentwicklers «South Pole». Material, Produktion und Transport eines neuen iPhones 14 können so zum Beispiel mit knapp drei Franken kompensiert werden.
Nebst unserer Ernährung ist es auch unser Zuhause, welches den ökologischen Fussabdruck bestimmt. Sanierte Häuser, Neubauten oder gar Minergiehäuser haben eine bessere Bilanz als Gebäude aus alter Bausubstanz. Auch die Art der Heizung und Heisswasseraufbereitung spielt eine wichtige Rolle. Basiert diese auf fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas, so fällt die Ökobilanz schlechter aus als bei Fernwärme und Wärmepumpen. Mieter haben hier jedoch kaum eine Wahl und können lediglich darauf hoffen, dass ihr Vermieter dem Trend zur Nachhaltigkeit folgt. Allerdings können sie je nach finanziellen Möglichkeiten auf Ökostrom zurückgreifen und damit einen Teil zur Nachhaltigkeit ihres Heims leisten.
Mobilität als grosser Faktor
Ein grosser Knackpunkt wird bei vielen Schweizerinnen und Schweizern die Mobilität sein. Obwohl die Schweiz zweifelsfrei eins der Länder mit dem besten öffentlichen Verkehrsnetz weltweit ist, nutzen viele dennoch das Auto oder Motorrad. Selbst wer täglich nur zehn Kilometer zur Arbeit und zurück fährt, produziert damit jährlich etwa eine Tonne CO2. Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren fallen dabei wesentlich mehr ins Gewicht als Autos mit alternativen Antrieben wie Elektro- oder Gasfahrzeuge. Obwohl bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen die Strom- und Batterieproduktion ebenfalls eine Umweltbelastung darstellt, so ist diese deutlich tiefer als bei diesel- oder benzinbetriebenen Autos. Wer bei letzteren auf einen geringeren Treibstoffverbrauch des Motors achtet, kann immerhin einen Teil des CO2-Ausstosses verhindern. Am effizientesten und umweltfreundlichsten ist jedoch nebst Zufussgehen und Fahrradfahren die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, mit Ausnahme des Flugzeugs. Ein Flug von Zürich nach Mallorca und zurück produziert rund 210 Kilogramm CO2, nach New York und retour rund 700 Kilogramm CO2.
Die Rechner wie die des Global Footprint Network oder der CO2-Rechner des WWF halten praktische Tipps bereit, wie der ökologische Fussabdruck mit einfachen Mitteln gesenkt werden kann. Längere Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt Auto zurücklegen, bei einem Neu- oder Gebrauchtwagen ein strombetriebenes Fahrzeug wählen oder den Vermietermotivieren, die Heizung durch eine umweltschonendere Alternative zu ersetzen.
Doch selbst wer nachhaltig lebt, kann seinen Fussabdruck nicht auf null reduzieren. Denn verschiedene Klimabelastungen sind individuell nicht direkt beeinflussbar, wie der Bau und Unterhalt von Strassen, Abfallwesen, der Betrieb von Polizei, Armee, Rettungswesen, Spitälern etc. Hier rät der WWF die Nutzung der politischen Rechte, um etwas zu bewirken und sich für den Schutz der Umwelt und unserer Lebensgrundlagen einzusetzen.
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