Sie sind weder Tiere noch Pflanzen und gehören damit zu den grossen Mysterien der Biologie: Schleimpilze sind weltweit verbreitet und besitzen Eigenschaften, die der Forschung nach wie vor Rätsel aufgeben. Trotz ihres Namens gehören sie nicht zu den Pilzen, sondern bilden eine eigene Gruppe. Bisher sind über 1000 Arten bekannt, aber wahrscheinlich warten noch viel mehr darauf, entdeckt und beschrieben zu werden.

Schleimpilze durchlaufen im Laufe ihres Lebens mehrere Stadien, während denen sie jeweils ganz verschieden aussehen. Ein Lebensstadium verbringen Schleimpilze als Amöben, ein Einzeller mit spitz zulaufenden Scheinfüsschen. Aus ihnen gehen Plasmodien hervor, Massen mit vielen Zellkernen, die von einer Membran umgeben sind. Ein solches Plasmodium ernährt sich über Phagozytose, indem die Masse durch die Veränderung ihrer Form Partikel einverleibt. Unter günstigen Umständen, die sich je nach Schleimpilzart unterscheiden, bilden sich sporenbildende Fruchtkörper aus, sogenannte Sporokarpen. Die darin enthaltenen Sporen verbreiten sich nach dem Zerfall des Fruchtkörpers mit dem Wind. Aus den keimenden Sporen entstehen wiederum einzellige Amöben und der Zyklus geht von vorne los. Bei manchen Schleimpilzarten schliessen sich mehrere Amöben zusammen und bilden temporär einen mehrzelligen Organismus.

Schleimpilze werden aktuell in drei Unterklassen unterteilt. Die Gruppe der Myxogastria, der Echten Schleimpilze, umfasst allein rund 900 Arten. Sie sind meistens in lichten Wäldern im gemässigten Klima anzutreffen, kommen aber generell weltweit vor. Manche Arten findet man sogar an so extremen Standorten wie Wüsten, unter geschlossenen Schneedecken oder unter Wasser. Die meisten Arten leben jedoch auf Totholz, Rinde, auf Streuboden, direkt auf der Erde oder auf Tierexkrementen. Als Fressfeinde sind eine Reihe von Gliedertieren bekannt, so verschiedene Kurzflügler, Kugelkäfer, Moderkäfer, Milben und Springschwänze. Auch verschiedene Würmer fressen an Schleimpilzen, und manche Zweiflügler haben sich regelrecht darauf spezialisiert.

Für den Menschen haben Schleimpilze praktisch keine wirtschaftliche oder kulturelle Bedeutung. Einige Schleimpilzarten dienen der Wissenschaft als Modellorganismen bei der Erforschung von Zellwachstum und Zellteilung. Die Plasmodien der Gelben Lohblüte werden in Mexiko zuweilen gegrillt und gegessen. Ihr Name «caca de luna», zu Deutsch «Mondkacke», lässt die Delikatesse jedoch wenig verlockend wirken.

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