Gefürchtete Bewohner
Schäbige Schaben?
Kaum ein Krabbeltier löst mehr Ekel aus als Schaben. Dabei sind nicht alle Arten Schädlinge. Einige halten sogar als Haustiere in heimische Terrarien Einzug.
Der nächtliche Gang zum Kühlschrank wird schnell zum Horror, wenn im eingeschalteten Licht winzige Beinchen unter die Küchenzeile huschen. War das eben eine Schabe? Wo kommt die her? Und sind dort noch mehr? Nebst Spinnen lösen nur wenige Krabbeltiere mehr Ekel aus als Schaben.
Die Insektenordnung besteht weltweit aus etwa 4600 Arten, wobei die wenigsten tatsächlich Schädlinge sind. Als wärmeliebende Tiere findet man die meisten Arten in tropischen Gebieten, und selbst im Mittelmeerraum leben um die 130 Arten. Gefürchtet sind bei uns die Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis), auch Kakerlake genannt, und die Deutsche Schabe (Blattella germanica).
Gefürchtete Schädlinge
Die Gemeine Küchenschabe stammt wahrscheinlich aus dem nördlichen Afrika oder Mittelmeerraum. Durch die Handelswege gelangte sie auch zu uns in die Schweiz und ist heute beinahe weltweit vertreten. Die Gemeine Küchenschabe ist streng nachtaktiv und meidet das Licht, sodass es auch zur bekannten Fluchtreaktion kommt, sobald eine künstliche Lichtquelle eingeschaltet wird. Tagsüber verstecken sich die Tiere in Gruppen in Spalten, zum Beispiel hinter Möbeln oder in Hohlräumen zwischen Wänden und Fussböden. In Wohnungen trifft man die Tiere zum Glück selten an. Sie bevorzugen Lebensmittelproduktionsstätten wie Bäckereien und Brauereien, aber auch Hallenbäder, Wäschereien, Zoos und natürlich Gaststätten und Grossküchen.
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Hier findet man auch die Deutsche Schabe. Sie bevorzugt ähnlich wie die Küchenschabe Temperaturen über 20 Grad und kann daher im Freien kaum überleben. Die beiden Arten sind somit klassische Kulturfolger, die sich komplett an das Leben rund um den Menschen angepasst haben. Auch die Deutsche Schabe ist lichtscheu und versteckt sich tagsüber, während sie sich nachts über Lebensmittelreste hermacht. Kakerlaken sind Generalisten und nicht wählerisch, wenn es um die Nahrung geht.
Letzteres ist auch der Grund, warum Schaben so gefürchtet sind: Sie sind in erster Linie Vorratsschädlinge. Schlimmer noch als die weggefressenen Lebensmittel sind die Kontaminationen mit Kot und anderen Ausscheidungen, die ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier darstellen. Die Deutsche Schabe ist ein nachgewiesener Überträger von Milzbrand, Salmonellen und Tuberkulose sowie ein Zwischenwirt für Fadenwürmer. Auch die Gemeine Küchenschabe kann Salmonellen übertragen sowie für Lebensmittelvergiftungen und Durchfallerkrankungen sorgen.
Vorsicht, Verwechslungsgefahr!
Wen also das Unglück trifft, Schaben in der Wohnung zu haben, den wird schnell die Frage beschäftigen, wie man diese wieder los wird. Einzelne Schaben lassen sich mit speziellen Fallen einfangen, bei einem grösseren oder wiederkehrenden Befall hilft in den meisten Fällen jedoch nur der Kammerjäger. Doch nicht bei jeder Schabe ist gleich Panik angesagt. Manche wie die Waldschabe treten zwar häufig in Wohnungen auf, sind jedoch völlig harmlos.
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Waldschaben (Unterfamilie Ectobiinae) gehören zu den draussen lebenden Schabenarten, die eigentlich nicht an unseren Lebensmitteln interessiert sind. Viel mehr werden sie im Gegensatz zu ihren schädlichen Verwandten von Licht angezogen. So kann es sein, dass eine goldgelbe Bernstein-Waldschabe an der Wand der Küche sitzt. Sie ist flugfähig und kommt leicht durch ein geöffnetes Fenster in die Wohnräume. Von der ebenfalls hellbraunen Deutschen Schabe lässt sich die Waldschabe einfach durch das Fehlen der dunklen Längsstreifen unterscheiden. Der Halsschild ist bei der Waldschabe einheitlich braun. Zudem versteckt sie sich auch weniger wahrscheinlich als die Deutsche Schabe und kann im Gegensatz zu ihrer gefürchteten Verwandten fliegen.
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Die grösste Schabe der Welt, die Riesen-Waldschabe, ist ebenfalls flugfähig mit einer beachtlichen Flügelspannweite von 20 Zentimetern. Sie bewohnt die Regenwälder Zentralamerikas. Hier stammt auch die etwas kleinere Totenkopfschabe her, die heute gerne als Terrarienart gehalten wird. Ihr Name hat sie von der auffälligen dunklen Zeichnung auf dem Halsschild. Zu den beliebten Schabenarten für Terrarienhaltungen zählt zudem die Argentinische Schabe und die Madagaskar-Fauchschabe. Noch häufiger als Haustier dienen die Schaben jedoch als Futterinsekten für andere Terrarientiere.
FactsVon den rund 4600 Schabenarten auf der Welt sind nur etwa 30 als Schädlinge bekannt. Schaben existieren schon seit 350 Millionen Jahren und sind somit älter als die Dinosaurier. Mit bis zu fünf Kilometern pro Stunde sind sie für Insekten extrem schnelle Läufer.
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