Viele von uns haben sich bestimmt als Kind davor gefürchtet, in den Keller zu gehen. Was für Monster wohl dort unten in der Dunkelheit lauern? Alleine sind wir in der untersten Etage unserer Wohnstätten tatsächlich selten, aber statt Ungeheuer und Geister sind es meist lichtscheue Tiere, die ihr Leben im Verborgenen führen. Angst braucht man vor ihnen nicht zu haben, auch wenn viele zu den Schädlingen gehören. Manche sind jedoch sogar nützlich.

Bei Kellertieren denken viele bestimmt sofort an Mäuse (Mus musculus) und Ratten (Rattus norvegicus und Rattus rattus). Diese waren früher tatsächlich häufige Gäste in unseren Häusern, besonders in Vorratskammern und anderen Räumen, in denen Fressbares gelagert wurde. In einem durchschnittlich aufgeräumten modernen Keller kommen die Nager heute zum Glück seltener vor. Sind alle Lebensmittel mäusesicher verpackt und auch für die versiertesten Kletterer unerreichbar, so ist der Keller unattraktiv für die kleinen Säuger. In der kalten Jahreszeit kann sich jedoch durchaus mal eine Maus in die frostfreien Räume verirren. Findet sie dann noch kuschelige Versteckmöglichkeiten und einen Partner, dann hat man bald eine ganze Mäusefamilie in den eigenen vier Wänden. Dann hilft eine Lebendfalle und das anschliessende Freilassen des ungebetenen Gastes in einigen Hundert Metern Entfernung. Abfall sollte generell stets ausserhalb des Hauses aufbewahrtwerden, da dieser sonst zu einem wahren Magnet für Mäuse und Ratten werden kann. Nebst den Frassschäden sind Nager in Kellerräumen wegen ihrer Hinterlassenschaften unbeliebt und weil sie Krankheiten übertragen können.

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Vorräte im Keller sind nicht nur für die kleinen Säuger attraktiv, sondern ziehen auch kleinere ungebetene Gäste an. Entdeckt man feine Gespinste an und in Verpackungen, dann weiss man oft sofort, dass hier Insekten am Werk waren, die nicht willkommen sind. Oft sind dies Mehlmotten (Ephestia kuehniella), Dörrobstmotten(Plodia interpunctella) oder Mehlmilben (Acarus siro). Bei Letzteren scheinen die Lebensmittel wie von einer hellen Staubschicht überzogen. Die Produkte schmecken dann bitter und sind gesundheitsschädlich. Mehl, Teigwaren, Trockenfrüchte und Nüsse mögen auch die Larven von Mehlkäfer (Tenebrio molitor), Reismehlkäfer (Tribolium castaneum), Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis) und Brotkäfer (Stegobium paniceum). Sie sind vor allem Vorratsschädlinge, können gelegentlich aber auch Krankheiten übertragen. Häufig werden die Tiere von aussen ins Haus eingeschleppt. Da hilft es nur, die betroffenen Lebensmittel möglichst rasch zu entsorgen. Positiv wäre zu erwähnen, dass Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers, offenbar in der Lage sind, Polystyrol zu fressen. Wissenschaftler der Universität Standford (UK) erhoffen sich dadurch in Zukunft eine Möglichkeit, Plastikmüll durch Insekten zersetzen zu lassen. Auf diesem Gebiet wird nun weiter geforscht.

Achtung: Allergie-Alarm

Ebenfalls auf Lebensmittel und Abfall abgesehen haben es die berühmt-berüchtigten Kakerlaken (Blattella germanica und Blatta orientalis). Sie können sich extrem rasch vermehren und müssen konsequent bekämpft werden, um nicht zu einer Plage zu werden. Oft hilft nebst den im Handel erhältlichen Schabenfallen nur der Kammerjäger. Die kleinen Insekten sind Meister darin, sich zu verstecken. Ihre Anwesenheit erkennt man meistens nur, wenn man mal eine tote Schabe, Kot oder Häutungsreste entdeckt. Huschen tagsüber Kakerlaken durch den Keller, ist der Befall schon weit fortgeschritten. Als sogenannte Hygieneschädlinge können sie Krankheiten wie Tuberkulose, Milzbrand oder Ruhr übertragen sowie Allergien und Asthma auslösen. Von Schaben befallene Lebensmittel sollte man daher unbedingt wegwerfen.

Allergien auslösen können auch Staubläuse (Psocomorpha). Diese winzigen Insekten mögen Feuchtigkeit und ernähren sich von Pilzsporen. Um einer Staublausplage vorzubeugen, hilft es daher, den Keller möglichst trocken zu halten und Schimmelherde zu beseitigen. Für Letzteres gibt es für kleinere Flächen spezielle Sprays, oft mit Chlor oder Bleichmittel. Dies reizt die Atemwege, weswegen die Räume gut gelüftet werden müssen. Ist der Schimmelbefall schon weiter fortgeschritten, hilft nur eine Fachperson. Wenn man durch richtiges Lüften und Heizen die Luftfeuchtigkeit im Keller auf unter 60 Prozent senken kann, sterben die Staubläuse und ihre Eier ab. Der Staubsauger erledigt den Rest.

Ebenfalls feuchtigkeitsliebend, dafür harmlos, sind Silberfischchen (Lepisma saccharina). Anders als ihr Name vermuten lässt, handelt es sich dabei ebenfalls um Insekten. Sie ernähren sich wie Staubläuse von Schimmel. Die Tierchen selbst sind harmlos, jedoch wie ihre Verwandten ein deutliches Warnsignal dafür, dass es im Keller zu feucht ist. Statt nur das Vorkommen der Insekten zu bekämpfen, sollte man auf jeden Fall auch die Ursache angehen, denn Silberfischchen mögen eine Luftfeuchtigkeit von 80 bis 90 Prozent, was viel zu hoch ist für ein gesundes Kellerklima.

In der Liste der Kellertiere darf natürlich die Kellerassel (Porcellio scaber) nicht fehlen. Asseln sind Krebstiere und daher keine Insekten, fühlen sich aber ähnlich wie ihre sechsbeinigen Mitbewohner in feuchten und warmen Kellern wohl. Sie ernähren sich primär von abgestorbenen Pflanzenteilen und sind deswegen wichtig für das Ökosystem. Aber auch in betondominierten modernen Kellern finden sie in offen gelagerten Obst und Gemüsen ein willkommenes Buffet. Hier hilft: Lebensmittel verschlossen lagern und kein feuchtes Holz oder anderes Pflanzenmaterial herumliegen lassen.

Man möchte meinen, dass alle Tiere im Keller Schädlinge sind. Dies stimmt jedoch nicht. Spinnenphobiker müssen jetzt ganz stark sein: Gerade die achtbeinigen Mitbewohner sind durchaus nützlich. Die Winkelspinne (Gattungen Tegenaria und Erategena), die durch ihre Grösse besonders oft Ekel und Panik hervorruft, ist komplett harmlos. Besser noch: Sie ernährt sich hauptsächlich von ebenfalls unbeliebten Kellergästen wie Asseln und Silberfischchen. Daher mögen auch die Spinnen es eher feucht und warm. Die meisten Exemplare sieht man im Herbst, denn dann machen sich die Männchen aktiv auf die Suche nach paarungswilligen Weibchen. Wer sie loswerden möchte, der kann einzelne Tiere mit einem Glas und einem Blatt Papier einfangen und draussen freilassen. Alternativ gibt es auch sogenannte Spinnenfänger im Handel, eine Art Greifarm mit feinen Borsten dafür, das Tierchen greifen zu können, ohne es zu töten.

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Etwas weniger furchterregend sind die Zitterspinnen (Pholcus phalangioides). Mit ihren kleinen kugelförmigen Körpern und den langen dünnen Beinen kann man sie leicht mit den Weberknechten (Opiliones) verwechseln, die man jedoch kaum drinnen findet und mit denen sie nicht näher verwandt sind. Zitterspinnen versetzen ihr Netz in Schwingung, wenn sie sich bedroht fühlen, daher ihr Name. Dadurch verschwimmt ihr Körper mit dem Hintergrund, lässt sie grösser erscheinen und von Fressfeinden schwieriger lokalisieren. Dank den feinen, unregelmässig gewobenen Klebefäden fällt ab und zu sogar eine wesentlich grössere Winkelspinne den Zitterspinnen zum Opfer. Sonst ernährt sich das Langbein von Mücken, Fliegen und Kellerasseln und ist daher wie ihre grosse Verwandte ein Nützling. Viel kleiner ist die Speispinne (Scytodes thoracica) mit einer Körperlänge von maximal sechs Millimetern. Sie überwältigt ihre Beute aus der Distanz, indem sie Leim bis zu zwei Zentimeter weit auf ihr Opfer spuckt. Sie ist vor allem in älteren Häusern zu finden und dürfte kaum jemanden stören.

Überwinterungsgäste im Dunkeln

Ab und zu findet man Gäste in Kellerräumen, die dem ästhetischen Auge eher zusagen. Viele Tierarten zieht es imWinter in Gebäude, wo sie dem strengen Frost entkommen. So überwintern Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge (Aglais io), der Kleine und der Grosse Fuchs (Aglais urticae bzw. Nymphalis polychloros) sowie der Trauermantel (Nymphalis antiopa) manchmal in Kellerräumen. In Ruhestarre verharren sie bei kühlen Temperaturen und warten auf den Frühling. Wird es im Raum wärmer, wachen die Falter auf und machen sich auf die Suche nach Futter. Da in Kellern in der Regel keine entsprechenden Pflanzen wachsen, sollten Schmetterlinge spätestens im Februar die Möglichkeit haben, einen Weg nach draussen zu finden, zum Beispiel durch ein offenes Kellerfenster. Wer in den Wintermonaten einen drinnen umherflatternden Schmetterling findet, der kann ihn gesichert in einem kleinen Karton für zwei Tage in den Kühlschrank stellen, damit er wieder zur Ruhe kommen kann. In einem ungeheizten, aber frost-freien Schuppen oder Gartenhaus kann der Falter dann ungestört überwintern. Wichtig ist auch hier, dass man dem Tier eine Möglichkeit bietet, im Frühling den Weg nach draussen zu finden.

Keinen Ausweg finden im Frühjahr oft Kröten und Frösche, die sich auf der Suche nach einem geeigneten Überwinterungsplatz in Luftschächte verirrt haben, die zur Todesfalle werden. In der Schweiz sind alle Amphibien geschützt. Vom Keller aus einsehbare und zugängliche Schächte sollten daher, sobald es wärmer wird, regelmässig kontrolliert werden, um gefangene Tiere rechtzeitig befreien und vor dem Austrocken retten zu können. Dabei empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen und die Hände gut zu waschen. Kröten sondern ein Sekret ab, welches bei Berührung die Schleimhäute reizen kann. Auch in Kellern gilt: Bis auf solche Rettungsaktionen oder die Bekämpfung von Schädlingen sollte man Tiere grundsätzlich in Ruhe lassen.

Spinnen und Staubsauger

Was ist dran an der Volksweisheit, dass aufgesaugte Spinnen aus dem Staubsauger wieder herauskrabbeln können? Tatsächlich hängt das davon ab, ob der Staubsaugerbeutel bereits etwas gefüllt ist und die Spinne weich landet und das Aufsaugen so durchaus überleben kann. Ausserdem spielt die Saugstärke eine Rolle. Bei einer hohen Saugkraft wird das Tier gegen die Wände des Rohrs geschleudert, was den sicheren Tod der Spinne bedeutet. Diesen sollte man den Nützlingen ersparen und sie lieber nach draussen setzen.