Sie glänzen geheimnisvoll im Licht, ihre Augen leuchten wie kleine Laternen und doch haben schwarze Katzen und Hunde bis heute mit Vorurteilen zu kämpfen. Während andere Fellfarben als niedlich oder freundlich gelten, haftet dunklen Tieren oft ein Hauch von Unheimlichkeit an. Warum ist das eigentlich so?

Begleiterinnen von Hexen

Die Wurzeln reichen weit zurück in die europäische Kulturgeschichte. Im Mittelalter galten schwarze Katzen als Begleiterinnen von Hexen. Man glaubte, dass Hexen ihre Seelen in sie hineinversetzen oder sich selbst in eine Katze verwandeln könnten, um unbemerkt umherzustreifen. Wer nachts einem schwarzen Tierbegegnete, war überzeugt, Unglück stünde bevor. Besonders hartnäckig hielt sich der Aberglaube, dass eine schwarze Katze, die einem von links nach rechts den Weg kreuzt, Unglück bringt. Auch schwarze Hunde tauchten in Sagen auf: In England ist der «Black Shuck» bekannt, ein riesiger, geisterhafter Hund, dessen Erscheinen als Todesomen galt.

Mimik ist weniger sichtbar

Diese Mythen prägen die Wahrnehmung bis heute – auch wenn kaum jemand noch an Hexen glaubt. Psychologisch spielt die Farbe Schwarz eine Rolle. In westlichen Kulturen wird sie mit Nacht, Tod, Trauer und Gefahr assoziiert. Ein dunkles Tier wirkt für viele Menschen schwerer einschätzbar, besonders im Halb-dunkel. Hinzu kommt, dass Hunde und Katzen mit schwarzem Fell für ungeübte Beobachter «gesichtsloser» wirken: Mimik, Augenbrauen oder Mundwinkel sind weniger sichtbar. Wer Körpersprache nicht deuten kann, fühlt sich also eher unsicher – ganz besonders bei grossen, schwarzen Hunden. Diese Mischung aus Aberglauben und Unsicherheit zeigt sich bis heute im Tierschutz. In Tierheimen sitzen schwarze Hunde und Katzen oft deutlich länger als ihre hellen Artgenossen. In den USA spricht man sogar vom «Black Dog Syndrome». Studien belegen, dass schwarze Tiere seltener adoptiert, öfter zurückgegeben und häufiger eingeschläfert werden. Ein Grund ist auch die Optik: Auf Fotos wirken schwarze Tiere schwerer erkennbar, weniger fotogen. So haben sie in Online-Anzeigen schlicht schlechtere Chancen.

Unglücksbringer?

Dabei ist Schwarz keineswegs ein Unglücksbringer – im Gegenteil. In anderen Kulturen gelten schwarze Tiere als Glückssymbol. In Japan etwa bringt eine schwarze Katze Wohlstand, in Schottland steht sie für gute Nachrichten, und britische Seefahrer glaubten, dass sie Unglück von Bord fernhält. Tierfreunde und Organisationen versuchen daher längst, das Image schwarzer Samtpfoten aufzuwerten. In den USA gibt es den «Black Cat Appreciation Day» und den «Adopt a Black Dog Month», um auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen. Und wer einmal mit einem schwarzen Vierbeiner gelebt hat, weiss: Das Besondere ist nicht die Fellfarbe, sondern der Charakter. Mal verschmust, mal verspielt, mal eigensinnig – so wie jede Katze oder jeder Hund. Schwarz ist dabei nur eine Nuance im bunten Spektrum tierischer Persönlichkeiten.