Permakultur
Gärtnern mit der Natur
Naturnahe Gärten sind nachhaltig und im Trend. Ein Prinzip, um dies zu erreichen, ist das Konzept der Permakultur. Hier werden nicht nur die Kreisläufe der Natur berücksichtigt, sondern auch die Bedürfnisse von Menschen und Tieren.
Mit der Natur anstatt gegen sie zu arbeiten, das ist das Konzept der Permakultur. Statt umweltbelastende und energieintensive Technologien einzusetzen, exotische Pflanzen anzubauen und unerwünschte Organismen aggressiv in die Schranken zu weisen, setzt das Konzept darauf, mit der Landwirtschaft oder dem eigenen Garten das natürliche Ökosystem nachzuahmen.
Lucas Meyer ist im Vorstand des Vereins Permakultur Schweiz und sieht Permakultur als Lebensstil. Mit seiner Firma Perma Terra hilft er anderen Menschen, einen entsprechenden Garten zu starten. «Für das Prinzip Permakultur braucht man aber nicht unbedingt viel Platz. Schon wer Regenwasser sammelt und zum Giessen der Balkonpflanzen benutzt, bewegt sich ein Stück in die Richtung des Konzepts», so Meyer. Im Garten gilt: Vielfalt statt Monokultur. Das macht Pflanzen robuster und weniger anfällig für Schädlinge, da die natürliche Artenvielfalt gefördert wird. Zum Beispiel können Tomaten, Basilikum und Ringelblumen im gleichen Beet gepflanzt werden, um gegenseitige Vorteile zu nutzen. Mischkulturtabellen für Gemüse findet man mittlerweile auf verschiedenen Websites.
Zusätzlich wird bei der Permakultur auf alte Sorten gesetzt, vorzugsweise auf einheimische Pflanzen, da diese gut an die lokalen Begebenheiten angepasst sind. «Am besten, man nutzt lokales, altes Saatgut, wie mehrjährigen Rucola», nennt Meyer ein Beispiel. Er rät, im Garten zu beobachten, welche Pflanzen von selbst wachsen. Dabei erhält man wertvolle Informationen über die natürlichen Begebenheiten wie die Beschaffenheit und den Nährstoffgehalt des Bodens. Mulchen ist daher auch ein wichtiger Bestandteil von Permakulturen. Indem der Boden um die Pflanze mit organischem Material wie Stroh, Holzschnitzeln und Grünschnitt bedeckt wird, wird Feuchtigkeit im Boden gehalten und Unkraut kann weniger schnell wachsen. Der Dünger für den Boden kommt dabei möglichst aus einem hauseigenen Kompost oder einer Wurmkiste. So bleiben Nährstoffe im Garten und müssen nicht künstlich von aussen durch zusätzliche Düngemittel eingeführt werden.
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Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten
In einem Permakulturgarten sind viele Elemente multifunktional und erfüllen damit mehrere Zwecke. Lucas Meyer erklärt das Prinzip anhand einer Hecke: «Statt mit Thujas einen Sichtschutz zum Nachbarn zu errichten, kann man zum Beispiel Kornelkirschen verwenden. Die Beeren dieser einheimischen Pflanze sind auch für den Menschen essbar.» Auch Totholzhecken sind gute Beispiele für einen natürlichen Sichtschutz. «Hier finden zahlreiche Tiere einen Lebensraum. Vögel nisten in den Ästen, Blindschleichen und Eidechsen können sich sonnen und gleich wieder verstecken, Kröten finden feuchte Stellen. Der Nutzen einer solchen Hecke ist schier unbegrenzt», so Meyer. Wachsen dann auch noch Brombeeren und Wildblumen in der Nähe, so hat auch der Mensch einen direkten Nutzen. Wichtig sind jedoch auch «Wildniszonen», in die der Mensch möglichst wenig eingreift und wo sich Tiere und Pflanzen frei entfalten können, ohne gestört zu werden. Randzonen eignen sich am besten für solche Ecken, mit Elementen wie Stein- und Asthaufen, mehrjährigen Wildpflanzen und Hecken, die nicht geschnitten werden.
Ein wichtiger Teil des Permakulturprinzips ist es, die Kreisläufe im eigenen Garten zu behalten. So wird Schnittholz gehäckselt und für Wege verwendet, Küchenabfälle werden kompostiert und der entstandene Humus zur Nährstoffanreicherung der Gemüsebeete verwendet, Regenwasser zum Giessen benutzt. Wie man den Garten letztlich gestaltet, ist vielseitig. Elemente wie Trockenmauern, Wasserflächen und Beerenhecken finden ebenso Platz wie Obstbäume, Blumenwiesen und Sitzplätze. Ziel ist die Erschaffung eines Paradieses, welches die Bedürfnisse der Natur und des Menschen befriedigt – und das mit einem möglichst geringen Arbeitsaufwand.
Die 12 Prinzipien der Permakultur
- Die Natur beobachten und mit ihr interagieren.
- Energie sammeln und speichern, Ressourcen wie Wasser, Bodenhumus und Saatgut effizient und nachhaltig nutzen.
- Ertrag erwirtschaften und damit andere zur Nach- haltigkeit motivieren.
- Selbstregulierung ist das Ziel. Dafür müssen Rückkopplungen im System verstanden werden. Je weniger am Ende in das System eingegriffen werden muss, desto besser.
- Erneuerbare, nachhaltige Ressourcen und Leis- tungen nutzen. Zum Beispiel Sonne, Wind, Wasser, Biomasse.
- Keinen Abfall produzieren und Umweltverschmut- zung minimieren.
- Zuerst Muster gestalten, dann die Details. Das grosse Ganze beachten und darauf basierend detaillierte Lösungen entwickeln.
- Integrieren statt ausgrenzen. Lieber Elemente nutzen, die sich gegenseitig unterstützen, als Konkurrenz schaffen.
- Kleine und langsame Lösungen schaffen. Das macht das System überschaubarer und ist länger- fristig sinnvoller als ein hoher Energie- und Zeitaufwand.
- Vielfalt schätzen und nutzen.
- Auch Rand- und Übergangszonen beachten und nutzen.
- Kreativ auf Veränderungen reagieren.
Anwendungsbeispiele im Garten
- Mischkulturen anlegen: Bestimmte Pflanzen bilden natürliche, harmonische Gemeinschaften, wie zum Beispiel Karotten und Zwiebeln, die gegenseitig Schädlinge abwehren.
- Vertikalen Raum nutzen: Rankpflanzen wie Erbsen, Bohnen und Gurken anpflanzen.
- Mulchen: Erhält die Feuchtigkeit des Bodens und reduziert das Wachstum von Unkraut.
- Kompostieren: Nährstoffe bleiben im Garten und Dünger muss nicht künstlich eingeführt werden.
- Regenwasser nutzen: Spart Trinkwasser und reduziert allgemein den Wasserverbrauch.
- Nützlinge fördern: Lebensräume für nützliche Tiere schaffen, zum Beispiel Insektenhotels, Nistkästen für Böden oder Steinhaufen für Reptilien und Amphibien.
- Pflanzen vermehren: Bereits vorhandene Pflanzen durch Stecklinge, Samen oder Teilung vermehren.
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