Auf den Welpen gekommen
Welpenschule: So klappt die Hundeerziehung
Knopfaugen, die tief in die Seele blicken – Welpen sind unglaublich niedlich. Ihre Erziehung ist aber nicht zu unterschätzen und noch viel weniger ihre Anschaffung. Madeleine Arnold ist Hundeerziehungsberaterin und begleitet Welpen und Besitzer im Welpenkurs bei den ersten gemeinsamen Schritten.
Odin hechelt leise, seine Lefzen wirken wie zu einem breiten Grinsen verzogen. Der drei Monate alte Husky-Australien-Shepherd-Mischlings-Rüde erlebt heute seine allererste Hundeschulstunde. Mit seinen zweifarbigen Augen hängt er aufmerksam an Madeleine Arnold. Die Hundeerziehungsberaterin führt die Hundeschule «mi Hund verstah» in Belp. Sie hat das Programm heute kurzerhand angepasst – bei 33 Grad zieht es die kleine Gruppe in den kühlen Schatten des Waldes. Odin sucht sich einen Platz unter der Holzbank, auf der seine BesitzerinAlexandra Wirz sitzt. Rundherum warten auch seine Mitschüler: der weisse Berger-Blanc-Welpe Igor, die New English Bulldogge Elly, die aufgeweckte Border-Collie-Hündin Kia – und natürlich deren Besitzerinnen und Besitzer.
Wie es sich für einen ersten Schultag gehört, herrscht zu Beginn noch Aufregung: Odin hängt sich in dieLeine. Das Ziel: an Igor schnüffeln. Doch unkontrollierte Kontakte sind unerwünscht. «Die Welpen sollen lernen, sich selbst zu regulieren und mit Frust umzugehen», kommentiert Arnold die Situation. Odin setzt sich widerwillig hin, fokussiert Igor weiterhin. «Wir Menschen zeigen unseren Welpen die Welt. Wir tragen die Verantwortung für sie», beginnt die Hundetrainerin die Stunde und führt weiter aus: «Liebe, Vertrauen, Fürsorge, Geduld und Sicherheit sind da die Grundpfeiler der Beziehung.» Als Alexandra Wirz in der Vorstellungsrunde an der Reihe ist, hat sich Odin schon längst auf der Kuscheldecke eingerollt. «Wenn ihr mit euren Welpen draussen seid, achtet darauf, dass ihr sie nicht andauernd anschaut. Euer Blick ist wie ein «On-Knopf» und bedeutet, dass ihr etwas von ihnen wollt», ergänzt Wirz und fügt gleich lächelnd an: «Zuhause dürft ihr sie aber anschmachten.»
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Madeleine Arnold hat alle Welpen und ihre Besitzer und Besitzerinnen im Vorgang schon einmal zu Hause besucht, um die Schüler persönlich einzuschätzen. Sie achtet darauf, wie sie von den Welpen begrüsst wird – ob sie überschwänglich, zurückhaltend, offen oder unsicher sind. Sie erklärt: «Jede Hundehalterin und jeder Hundehalter sollte den Charakter seines Hundes kennen. Dies ist hilfreich für die individuelle Erziehung. Im Idealfall passen Welpe und Mensch von Anfang an gut zusammen.» Seriöse Züchterinnen und Züchter würden die Welpen anhand ihres Charakters für die Interessenten auswählen, erklärt sie. Sie selbst führt mit einer Berufskollegin oder einem Berufskollegen auch Welpentests durch. Im Alter von sechs bis sieben Wochen zeige sich die Persönlichkeit des Hundes, und so könnten Züchterinnen und Züchter noch bessere Mensch-Hunde-Paare bilden, führt sie weiter aus. Beim Welpentest werden die Welpen in die Kategorien Familienhund, ausgeglichener Hund oder anspruchsvoller Hund eingeteilt. Dabei wird der Welpe ohne Geschwister oder die Mutterhündin getestet, um sein Verhalten ganz unabhängig von deren Einfluss zubeobachten. Geprüft werden unter anderem seine soziale Orientierung – also wie er Menschen begrüsst und mit anderen Welpen spielt –, sein Explorationsverhalten, also wie neugierig er seine Umgebung erkundet, sowie sein Assoziierungsvermögen und auch seine Fähigkeit, Probleme zu lösen. Auch das Temperament wird beurteilt: physische Dominanz, versorgende Dominanz und wie gut er mit lauten Geräuschen umgehen kann.
Schulbank drücken
Stammen die Welpen von einem seriösen Züchter, sind sie den Umgang mit Menschen, anderen Hunden oder Tieren, unterschiedlichen Geräuschen und verschiedenen Untergründen bereits gewohnt. «Schon der Züchter sollte die Grundlagen der Sozialisation legen»,betont Arnold. Dazu gehören das Gewöhnen an die Hundebox, die erste Autofahrt und im besten Fall auch die Stubenreinheit. Idealerweise hat der Welpe bisdahin sogar schon einen positiven Tierarztbesuch erlebt. «So ist der optimale Grundstein für den Auszug ins neue Zuhause gelegt», sagt die Hundetrainerin.
In der Welpenschulrunde sind noch nicht alle stubenrein. Die kleine Collie-Hündin Kira lebt erst seit zwei Wochen in ihrem neuen Zuhause. Von Durchschlafen kann noch keine Rede sein – regelmässig weckt sie ihre Besitzerin, wenn die Blase drückt. «Schön weckt sie dich», sagt Madeleine Arnold schmunzelnd. «Welpen sind noch so klein – stell dir ihre winzige Blase vor. Die ist blitzschnell voll. Deshalb unbedingt sofort raus mit ihr, wenn sie sich meldet, und nicht warten.»
Odin hat da schon mehr Erfahrung. Der Rüde, eine Mischung aus Australien-Shepherd und Husky, zog vor rund sechs Wochen bei Alexandra Wirz ein und ist mit seinen 16 Wochen der älteste des Kurses. «Er ist ein dominanter und sehr intelligenter Hund», erzählt Wirz. Schon der Züchter habe ihr das gesagt.
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Ein Hund gilt etwa bis zum dritten Lebensjahr als formbar. In dieser Zeit lassen sich Persönlichkeit, Verhalten und Reaktionen besonders gut beeinflussen. «Die Erziehung, die Umwelt und die schon gemachten Erfahrungen haben einen enormen Einfluss auf die Charakterentwicklung», erklärt Madeleine Arnold. Wichtig seien jedoch auch die genetische Basis und die jeweilige Rasse.
Alle Hunde besitzen die vier Grundinstinkte: Sozial-, Territorial-, Sexual- und Jagdinstinkt. Je nach Rasse sind diese unterschiedlich stark ausgeprägt. Auf die Frage, ob sich Menschen ohne Hundeerfahrung gleich einen Welpen anschaffen sollten, reagiert Madeleine Arnold positiv. Viele Ersthundehaltende würden sich vor der Anschaffung gründlich informieren. Idealerweise lassen sie sich zusätzlich von einer erfahrenen Hundeerziehungsberaterin begleiten.
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Vom Würmchen zum Welpen
Als Ersthund eignen sich nach Arnold besonders Begleit- und Gesellschaftshunderassen wie Malteser oder Bolonka. Auch der Golden Retriever gilt als vergleichsweise pflegeleicht. «Aber Achtung: Auch innerhalb einer Rasse gibt es grosse Charakterunterschiede. Keine Regel ohne Ausnahme», betont die ausgebildete Hundetrainerin.
Hunde durchlaufen verschiedene Lebensphasen. Die ersten zwei Wochen ihres Lebens, in der vegetativen Phase, sind sie taub und blind. In der dritten Lebenswoche öffnen sich die Lider und die Gehörgänge, damit startet die Übergangsphase. Um den 17. Lebenstag herum erhalten die Welpen dann die volle Sehfähigkeit und, der Wurf nimmt zum ersten Mal die unmittelbare Umgebung wahr. In der Sozialisierungsphase zwischen der achten und der zwölften Lebenswoche lernen die Welpen die wichtigsten Fähigkeiten für ihr zukünftiges Leben. «In dieser Phase werden sie natürlicherweise vom Rüden aufgezogen. Er muss ihnen die Grenzen aufzeigen», erklärt Arnold. In dieser Zeit sollten sich Besitzerinnen und Besitzer die Neugier und Lernfähigkeit des kleinen Vierbeiners zunutze machen. In der Rangordnungsphase zwischen der 13. und 16. Lebenswoche testet der Welpe seine Besitzer – in dieser müssen sie ihre Führungsqualitäten beweisen. Mit fünf oder sechs Monaten verliert der kleine Vierbeiner seine Milchzähne, und er muss seine Rolle im Rudel definitiv einnehmen. «Der Hund schliesst sich einem souveränen Rudelführer an. Im Familienrudel sollte der Hund am Ende der Rangordnung stehen», sagt Arnold dazu. Besonders anspruchsvoll ist schliesslich die Pubertätsphase zwischen dem siebten und achtzehnten Monat. Der Hund ist nun körperlich und geistig weit entwickelt und testet erneut seine Grenzen. Laut Arnold ist es in dieser Zeit herausfordernder, unerwünschtes Verhalten zu korrigieren.
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Arnold lobt die Welpen nicht mit Hunde-Guddies. Sie lehnt diese nicht grundsätzlich ab, wenn Besitzerinnen und Besitzer aber welche nutzen, hält sie sie zu einem bewussten Umgang damit an. Während derPubertät eines Hundes kann zwischendurch ein Hunde-leckerli förderlich sein, findet Arnold. «In der Flegelphase habe ich nebst sozialem Lob und Spiel gerne noch einen Futter-Joker», erklärt sie der Gruppe. Deshalb sollten Leckerlis bewusst gezielt und nicht für alles eingesetzt werden, so bleiben sie etwas Besonderes. Die Augen der vier Hündchen und ihrer Besitzer sind auf Arnold gerichtet.
Jetzt beginnt die erste Lektion: die richtige Begrüs-sung des Hundes. Viele Teilnehmende beugen sich automatisch nach vorne über den Hund – ein Verhalten, das unter Hunden eher als Drohgebärde gilt. «Öffnet euer Herz», sagt Madeleine Arnold lächelnd und macht die Geste vor. Der Welpe soll eingeladen, nicht ein-geschüchtert werden. «Wir haben noch keine feste Bindung zu unseren Welpen. Darum müssen wir das Vertrauen aufbauen und uns für ihn interessantmachen», erklärt sie und läuft leicht nach hinten gelehnt, fast bananenförmig, rückwärts. Sie strahlt den kleinen weissen Schäferhund Igor an – und der reagiert sofort: Er stürmt begeistert auf die Hundetrainerin zu.
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Selbst ist der Hund
An dieser Stelle erwähnt die Hundetrainerin einen zentralen Punkt. «Beziehungen können Hunde zu verschiedenen, ihnen bekannten Menschen aufbauen. Eine Bindung hingegen ist eine tiefe, emotionale Verbindung», erklärt sie und führt aus: «Zu Beginn hat man noch keine Bindung zum Welpen».
Die Leinenführung ist das Herzstück der Hundeerziehung. Dazu sagt sie: «Die Leine ist die Verbindung zwischen Mensch und Hund.» Ziel sei es, dass die Leine eine Raumbegrenzung darstelle und wie ein Smiley lache, also nicht gespannt ist. Für die folgende Übung ist die Gruppe mit Schleppleinen ausgerüstet. Denn diese ermöglichen den ersten Schritt zum gesicherten Freigang. Ein zentrales Lernziel im Welpenkurs ist die Orientierung am Menschen – und damit auch der Rückruf. Geübt wird dieser unter anderem mit der Futtersuche. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer hat eine kleine Futtertasche mit Seil dabei. Bei Alexandra Wirz hängt sie an einem Pferdestrick. Odin steht ihr gegenüber, die lange Schleppleine liegt lose auf dem Waldboden. Alexandra Wirz lässt den Futtersack hin- und herschwingen, bis Odins zweifarbige Augen ihn fixieren. «Nimms!», ruft sie mit heller Stimme. Blitzschnell verlagert Odin sein Gewicht nach hinten und sprintet los. Mit weit geöffnetem Maul packt er den Sack, seine Zähne graben sich hinein, dann schüttelt er die Beute energisch. Alexandra Wirz kniet sich zu ihm, greift nach dem Beutel. Sofort öffnet Odin die Schnauze und blinzelt sie neugierig an. Sie hält ihm den geöffneten Sack hin – Odin steckt seine Schnauze hinein und geniesst die Leckerbissen.
PuberTierDas hormonelle Chaos in der Pubertät bringt so manchen Hund durcheinander, gelernte Kommandos gehen plötzlich vergessen und Grenzen werden ausgetestet. Je nach Rasse und Grösse startet die Flegelphase zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat. Meist folgt mit dem Zahnwechsel auch die hormonelle Umstellung. Bei Hündinnen tritt dann die erste Läufigkeit auf und Rüden beginnen vermehrt zu markieren. Oft spielen pubertierende Hunde ruppiger und bekannte Reize und Situationen können Angst auslösen. In der Pubertät sind einige Hunde plötzlich nicht mehr stubenrein. Nach circa drei Jahren ist das Erwachsenenalter erreicht.
Das sind einige Tipps, die im Umgang mit pubertierenden Hunden helfen:
• Ruhig bleiben
• Pubertät nicht als Problem, sondern Herausforderung sehen
• Konsequent bleiben
• Grundkommandos repetieren
• Suchspiele oder Ersatzjagd anbieten
• Strukturierter Alltag
• Das Ass im Ärmel: Hundeleckerli zur Belohnung
Madeleine Arnold ist grosser Fan des Futterbeutels. Das Spiel dient als Ersatzjagd. «Die Jagd ist ein hormoneller Vorgang», erklärt sie. Erwischt der Hund die Beute, sprich den Futterbeutel, werden Serotonin und Endorphine freigeschüttet. Bei der kontrolliertenErsatzjagd kann der Hund seinen Jagdinstinkt artgerecht befriedigen. «Das fördert die Mensch-Hunde-Bindung und macht Spass. Die Orientierung amMenschen ist gegeben und kann im Ernstfall einfacher kontrolliert werden», erklärt Arnold. Bei der Futterbeutelsuche kommuniziere das Paar durchgehend, sagt sie. Die Grundsignale wie «Sitz», «Warten», «Such» und «Bring» werden trainiert. So auch einige erzieherische Komponenten wie Impulskontrolle und Frustrationstoleranz. Im Verlauf der Trainings wird der Abstand zwischen Hund und dem Futterbeutel immer grösser. Ihre erwachsenen Tervueren- und Australien Shepherd Hündinnen suchen auf Signal ganze Wiesen- und Waldstücke nach Futterbeuteln ab, erzählt sie. Ein weiterer Vorteil dieses Trainings: Es deckt das Grundbedürfnis des Hundes, sein eigenes Futter zu suchen.
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Die Ersatzjagd gehört zum Tagesritual, das in Arnolds Hundekursen grossgeschrieben wird. Nach der Futterbeutelsuche dürfen die Hunde ihre Futterration fressen. Anschliessend geht es an die Pflege und die Vorsorge. «Fasst euren Welpen an. Auch die Pfoten, die Ohren und das Maul sollten abgetastet werden», sagt sie zu den Vieren im Kreis. «Damit macht ihr das Leben für alle stressfreier. So wird der Tierarztbesuch nicht zu einer Zitterpartie», erklärt Arnold. Wichtig sei, dass die Trainingseinheiten kurz bleiben. Zwei bis drei Einheiten am Tag von jeweils fünf bis zehn Minuten seien ideal, erklärt sie. «Und lasst die fünf gerade – manchmal ist weniger mehr», fügt die Hundetrainerin mit einem Augenzwinkern hinzu.
Nach der Futtersackübung sitzen die vier Welpen wie Schüler nach einer strengen Turnstunde erschöpft im Kreis zusammen. Odin legt sich auf seine Decke und bald blinzelt er, wie ein Kind, das bei einem spannenden Film versucht, wachzubleiben. Igor schlabbert importablen Wassernapf. Kia wirft sich in die Leine und beginnt übermütig zu bellen. Ihre Besitzerin versucht, sie mit dem Bein zu begrenzen und die Hündin wieder zum Sitzen zu bewegen. Doch Kia hechelt, ihre halb aufgestellten Ohren zu Igor gerichtet. «Wäff», bellt sie ausdrucksstark. Die Besitzerin schaut Arnold fragend an. «Mach den Handtaschengriff», rät diese. Die Besitzerin beugt sich nach vorne und greift mit dem linken Arm unter Kias Bäuchlein durch. Sie hebt das Hündchen auf Brusthöhe. Die «fellige Handtasche» zappelt. Die Atemzüge des Welpen und der Besitzerin synchronisieren sich zu langen, tiefen Atemzügen.
Welpen in der Schweiz
Der stets liebevolle Handtaschengriff soll denWelpen beruhigen, erklärt Arnold. Der Welpe werdebegrenzt. So wird ihm Sicherheit vermittelt und die Angst genommen, betont die Hundetrainerin. Wenn der Handtaschengriff aufgrund der Grösse nicht mehr möglich sei, könnten Besitzer ihren Liebling auchzwischen die Beine nehmen oder seitlich sitzend halten, erläutert sie. «Macht heute nichts mehr mit den Welpen und lasst sie schlafen», empfiehlt Arnold eindringlich. Welpen ruhen bis zu zwanzig Stunden. Schlaf sei wichtig, um die Eindrücke, Aussenreize und das Gelernte zu verarbeiten, fügt sie an.
Seit dem Jahr 2016 steigt die Anzahl Hunde in der Schweiz kontinuierlich. 2016 lag die Hundepopulation noch unter 490 000, heute sind es über 550 000. Die grösste Zunahme gab es während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Inzwischen stagniert die Population. Diese Entwicklung ist auch bei der Anzahl Welpen ersichtlich: 2021 gab es in der Schweiz 50 000 Welpen, jetzt liegt die Zahl bei 26 000 Stück.
Am beliebtesten sind in der Schweiz Mischlingshunde. Bei den reinrassigen Vierbeinern führen der Chihuahua und der Labrador Retriever die Beliebtheitsskala an. Nicht alle dieser Hunde stammen jedoch aus Schweizer Zucht. Jährlich werden über2000 Hunde importiert, vor allem aus Deutschland. Besonders häufig gelangen Zwergspitze und Zwergdachshunde in die Schweiz – zwei Rassen, die von Tierschutzorganisationen immer wieder als Qualzuchten kritisiert werden. Die Statistiken des IT-Unternehmens Identitas erfassen jedoch nur die offiziell registrierten Tiere. Viel grösser und problematischer ist der Hunde- und Welpenhandel, der ausserhalb dieser offiziellen Zahlen stattfindet und kaum kontrolliert werden kann.
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Am 1. Februar 2020 hat die Schweiz die europäische Bestimmung übernommen, die ein höheres Mindestalter für den Import von Welpen im gewerbsmässigen Handel vorschreibt. Gleichzeitig starteten der Bund und die Stiftung für Schweizer Tierschutz STS eine grosse Informationskampagne gegen unüberlegte Hundekäufe und somit den illegalen Hundehandel. Ihre Botschaft ist klar: Hunde sind Lebewesen, keine Ware – und sollten nicht per Mausklick im Internet bestellt werden. Schliesslich sind sie meist zehn bis fünfzehn JahreTeil der Familie, eine Anschaffung will sehr gutüberlegt sein.
Der STS empfiehlt, Hunde ausschliesslich bei seriösen Züchterinnen und Züchtern oder über vertrauens-würdige Tierheime zu adoptieren. Ein Zeichen fürSeriosität ist, wenn die Anbieter ein persönliches Treffen verlangen und sich nach der Lebenssituation der zukünftigen Halter erkundigen. Grundsätzlich sollten Interessierte ihren Hund immer vor dem Kauf kennenlernen – eine Forderung, die auch HundetrainerinMadeleine Arnold teilt. «Leider begleite ich nur selten Hundekäufe», sagt sie.
Indizien für einen skrupellosen Hundehandel sind laut STS zum Beispiel fehlende oder unglaubwürdige Adressen in der Schweiz, Angebote von Qualzuchten oder besonders angesagten «Modehunden» sowieZuchten, die keinem anerkannten Dachverband angehören. Auch wenn die Zucht im Ausland liegt oder die Tiere angeblich gerade «bei Bekannten in den Ferien» sind, sollte man misstrauisch werden.
Selbstregulierung
Dass Odin zu den selbstbewussten Hunden gehört und sich pudelwohl fühlt, zeigt er zwei Wochen späterseinen Mitschülern. Der Welpenkurs hätte beinahe ins Wasser fallen müssen – es regnet in Strömen –, doch dank Alexandra Wirz findet er im gedeckten Roundpen auf dem Islandpferdehof statt.
Als Letzte betritt sie mit Odin den Kreis. Der Rüde stolziert mit erhobenem Schwanz hinein, gibt ein selbstbewusstes «Wuff» von sich und setzt sich mit seiner Besitzerin auf einen Stuhl gleich beim Eingang. Kaum sitzt er, reagiert Igor: Der kleine Berger-Blanc-Welpe spitzt die Ohren, hebt den Kopf – und wirft sich plötzlich mit voller Kraft in die Leine. Seine Augen fixieren Odin. Der kontert sofort und spannt die Muskeln.Beide Besitzer nehmen ihre Hunde zu sich. Den beiden Jungspunden passt die Begrenzung gar nicht. Odin bellt, Igor beisst wütend in die Leine. «Frust aushalten ist unglaublich wichtig», eröffnet Madeleine Arnold die Lektion. Selbstregulierung, erklärt sie, sei eine der wertvollsten Fähigkeiten, die ein Hund lernen könne – und unverzichtbar für ein harmonisches Zusammenleben mit dem Menschen. «Welpen ruhig und klarbegrenzen», weist sie die Besitzer der beiden aufgeregten Rüden an.
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In dieser Lektion dürfen sich die Welpen jedoch zum ersten Mal beschnuppern. Auf dem Programm stehen kontrollierte Begegnungen. Alexandra Wirz und Igors Besitzer treffen sich mit ihren Hunden in der Mitte des Roundpens und gehen ein paar Schritte nebeneinander. «Hunde sollten nie frontal aufeinander losgelassen werden», erklärt Madeleine Arnold, während sie die Szene beobachtet. Die beiden Rüden mustern sich aus den Augenwinkeln. Ein tiefes Knurren kommt von Igor, Odin antwortet mit heftigem Schwanzwedeln. Arnold geht sofort dazwischen, stellt sich mit ihrem Körper zwischen die Hunde und unterbricht die Situation. «Das war nicht dramatisch, aber schon ernsthaft», ordnet sie das Verhalten ein. Beide Rüden werden zurück auf ihre Plätze geschickt. «Heute finden sie sich einfach doof», sagt Arnold und lächelt beschwichtigend. «Das heisst aber nicht, dass sie nicht noch beste Freunde werden können.»
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