Alpaka- und Lama-Spaziergänge sind beliebt. Schweizweit gibt es viele Höfe, welche Spaziergänge, Trekkings oder Wanderungen anbieten – was bei den Gästen grösstenteils gut ankommt: In Rezensionen verschiedener Höfe ist von «wunderbaren Naturerlebnissen», «unvergesslichen Erinnerungen» oder «totaler Entschleunigung» zu lesen. Alpakas oder Lamas werden dabei von den Gästen an einem Halfter über Stock und Stein, über Wiesen und durch Wälder geführt – meistens in Begleitung eines Team-Mitglieds vom Hof. Diese Rundgänge dauern in der Regel anderthalb bis zwei Stunden und können vielerorts sowohl in kleinen als auch in grösseren Gruppen gebucht werden. «Dass Alpakas beruhigend wirken, ist Fakt», sagt Aline Iosca, Gründerin der Plattform «Alpaka-Erlebnisse». Tatsächlich haben sich verschiedene Studien mit der Wirkung von Alpakas und Lamas auf Menschen auseinandergesetzt. Diese geht sogar so weit, dass Angstzustände verringert und die Stimmung positiv verbessert werden kann. Daher gelangen die Neuweltkameliden vermehrt auch in der tiergestützten Therapie zum Einsatz.

Das Kollektiv «Alpaka-Erlebnisse» vereint 14 Alpaka-Höfe in der Deutschschweiz, die pro Jahr mehrere tausend Gäste empfangen. Angeboten werden Erlebnisse wie Yoga, Malen, Picknick oder Fondue inmitten der Tiere auf der Weide. Manche der Betriebe bieten auch begleitete Spaziergänge ausserhalb des Alpaka-Erlebnisses an.

Auf die Frage, warum sich das Kollektiv auf Alpaka-Erlebnisse konzentriert, antwortet Iosca: «Ich bin begeistert von Alpakas! Ihre kindliche Art und ihr schönes Aussehen haben mich sofort angezogen, als ich die Tiere zum ersten Mal vor mir hatte.» Manchmal sind auch Lamas in den Herden dabei. Der Unterschied liegt in der Grösse der Tiere: Während ein Alpaka eine Schulterhöhe von durchschnittlich 90 Zentimetern erreicht, ist ein Lama mit 130 Zentimetern deutlich grösser. «Alpakas können als Schutztiere für Hühner eingesetzt werden, Lamas als Schutztiere für Alpakas», erklärt Iosca. Deswegen sei der Umgang mit Alpakas gerade für Kinder oft einfacher – obwohl es auch sehr zahme Lamas gäbe. Je nach Hof hat man auch bei Spaziergängen oder Trekkings die Wahl, ob das Begleittier ein Lama oder Alpaka ist. Allen, die noch nicht viel Erfahrung mit den Tieren haben, rät Iosca eher zu einem Alpaka.

Begleitperson klar von Vorteil

Das Kollektiv «Alpaka-Erlebnisse» setzt ausschliesslich darauf, Erlebnisse auf der Weide inmitten der Tiere zu schaffen. «Wir organisieren keine Spaziergänge, sondern ausschliesslich Tierbegegnungen auf der Weide. Wir setzen uns dafür ein, dass das Tier das machen kann, was es möchte und wir es zu nichts drängen. Wir fahren mit den Tieren nicht in Transportern und ziehen ihnen keine Kleider für Fotoshootings an», erklärt Aline Iosca. Zwar tue der Umgang mit Menschen und anderen Tieren den Alpakas gut. Doch das Wort «Spaziergang» könne falsche Erwartungen wecken. «Man geht mit einem Hund spazieren, er ist dafür trainiert. Ein Alpaka hat manchmal Lust auf einen Spaziergang, manchmal aber eben auch nicht. Nach unserer Auffassung darf das so sein.»

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Fehlt die Lust am Spaziergang bei einem Alpaka, ist es mit dem «beruhigenden Erlebnis» schnell vorbei: Das Alpaka will keinen Schritt weiterlaufen, stellt komplett auf stur und wirkt lustlos – was für eine Person, die keine Erfahrung mit Alpakas hat, zu einer echten Herausforderung werden kann. Der Tipp von Iosca lautet daher: «Wir empfehlen klar, einen Spaziergang zu buchen, der von einem Team-Mitglied des Hofs begleitet wird, damit in kniffligen Situationen ein Profi helfen kann.» Schliesslich sei auch für die Höfe ein Risiko dabei, fremde Personen mit ihren Tieren auf einen Rundgang zu schicken. «Man weiss ja nie, wie Menschen mit den Tieren umgehen.»

Zunehmende Alpaka-Haltung

Spaziergänge, Wanderungen und Trekkings werden in unterschiedlichen Formen von Alpaka-Haltungen angeboten. Nebst Erlebnishöfen, therapeutischen Einrichtungen und Zuchtbetrieben gibt es auch Betriebe, welche Alpakas oder Lamas als Hobby halten. «Die Anzahl der Alpakabesitzerinnen und -besitzer hat in den letzten Jahren auf jeden Fall zugenommen», sagt Aline Iosca. Die Neuweltkameliden seien präsenter als noch vor wenigen Jahren; besonders seit der Corona-Pandemie sei die Nachfrage nach Erlebnissen in der Natur und mit den Tieren gestiegen. Führt dies nicht zu Konkurrenz innerhalb der einzelnen Betriebe? «Unser Alpaka-Kollektiv betreiben wir als Hobby. Keiner der involvierten Höfe lebt allein davon, Yoga anzubieten», erklärt Iosca. «Wir konkurrenzieren uns nicht, sondern treffen gemeinsame Entscheidungen, was wir anbieten und was gut ist für die Tiere.» Denn: Mit den Tieren Geschäfte zu machen, sei oft dünnes Eis – gerade bei Spaziergängen. «Die Höfe bieten dies meistens als Hobby an. Wenn es aber plötzlich acht Spaziergänge pro Woche sind, werden diese schnell zu einem essenziellen Teil des Einkommens. Dann ist es nicht mehr so einfach, im Sinne des Tierwohls zu entscheiden.»

In solchen Fällen bestehe die Gefahr, dass sich ein Alpaka überanstrengt: Beispielsweise, wenn zu viele Anfragen da sind und es deswegen auf den Spaziergang einfach mitgegeben wird. Oder wenn zwischen den Einsätzen zu wenig Pausen gemacht würden. «Es ist ein Spaziergang wie mit einem dreijährigen Kind, nicht mit einem Ultra-Marathon-Läufer», betont Iosca. Und ergänzt: «Wichtig ist mir auch zu sagen, dass die Alpakahalter-Community, die ich kenne, tierliebhabende Menschen sind. Die Mehrheit der Höfe geht achtsam mit dem Thema um und stellt das Tierwohl in den Vordergrund.» Sie habe keine direkten negativen Erfahrungen mit Höfen gemacht.

Viele Gäste, die aber einen tollen Rundgang mit einem Alpaka erlebt hätten, möchten oft mehr Kontakt mit dem Tier, sagt die «Alpaka-Erlebnisse»-Gründerin. Woran liegt das? «Man kann angstfrei auf Alpakas zugehen. Viele fühlen sich von ihrem Wesen und ihren grossen Augen angezogen.»