Dass sich das Klima weiter verändern wird, darüber sind sich Experten weitgehend einig. Um zu visualisieren, wie das Klima der Schweiz in der Zukunft aussehen wird, hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) die Website «Extremes» lanciert. Sie vermittelt einen Einblick in die Auswirkungen von verschiedenen Klimaszenarien in den nächsten 20 Jahren.

Stufe 1: Aktuelle Lage

Die Extreme der Stufe 1 entsprechen in etwa jenen der letzten 10 bis 15 Jahre. Das Klima bleibt so, wie es aktuell ist. Da die Temperaturen steigen, ist dieses Szenario unwahrscheinlich.

  • Hitze
    Heisse und sehr heisse Tage sind heute häufiger als früher. So war der Sommer 2023 der fünftwärmste seit 1864. Hitzewellen sind länger und intensiver als früher. Hitze führt in der Schweiz unweigerlich zu Gletscherschwund und dem Auftauen von Permafrostböden. Beides hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Fällt Regen statt Schnee, wird das Wasser nicht gespeichert, sondern fliesst direkt wieder ab. So fehlt Wasser in den Sommerabflüssen, was zurzeit noch durch die schmelzenden Gletscher kompensiert wird.

     

  • Trockenheit
    In letzter Zeit kam es häufiger zu langen Trockenperioden. Zusammen mit der Auswirkung der Hitze führen diese zum Absinken des Grundwasserspiegels, was wiederum negative Konsequenzen für die Grundwasserversorgung in der Landwirtschaft hat. Zudem bezieht die Schweiz fast 60 Prozent ihres Stroms aus Wasserkraft. Weniger Wasser in den Flüssen bedeutet weniger Stromproduktion – insbesondere in den Wintermonaten, wenn die Nachfrage am grössten ist.

     

  • Starkniederschläge
    Von Starkniederschlägen spricht man bei mehr als 25 Millimetern Regen pro Stunde oder mehr als 35 Millimetern in sechs Stunden. Solche haben in der Schweiz messbar zugenommen und führen zu mehr Überschwemmungen und Murgängen (lawinenartigen Erdrutschen) – je nach Bodenbeschaffenheit.

Stufe 2: Offizielles Klimaszenario

Die Extremereignisse entsprechen jenen, die aufgrund des offiziell berechneten Klimaszenarios bis 2040 auftreten werden. Das Szenario ist das wahrscheinlichste.

  • Hitze
    Ohne Klimaschutzmassnahmen wird im Mittelland eine durchschnittliche Erwärmung von zwei bis drei Grad erwartet. Dann bleiben von den Gletschern nur noch ein bisschen vom Aletsch- und Rhonegletscher übrig. Durch den tauenden Permafrost verlieren die Böden an Stabilität. Hangrutschungen, Felsstürze und Murgänge häufen sich. In manchen Regionen erwärmen sich die Gewässer so stark, dass Fische massenhaft sterben. Wärmeliebende, invasive Arten wie die Quagga Muschel breiten sich weiter aus. Auch Blaualgen werden vermehrt zum Problem. 
  • Trockenheit
    Ohne Klimaschutzmassnahmen könnte der Rhein bei Basel im Sommer nur noch halb so viel Wasser führen wie jetzt. Der Gütertransport per Schiff sässe dann auf dem Trockenen. Waldbrände, oft durch Blitzschläge ausgelöst, sind häufiger, dauern länger und sind grossflächiger. Die ökologischen Bedingungen für Tiere und Pflanzen ändern sich innerhalb weniger Jahre. Jene Arten, sie sich nicht schnell genug anpassen können, sind im Nachteil. Es ist mit hohem Biodiversitätsverlust zu rechnen.
  • Starkniederschläge
    Mit zunehmender Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit steigt das Risiko für Starkniederschläge. In höheren Lagen schwellen Bäche und Flüsse häufiger an als im Tal. Dies führt in tieferen Lagen zu erhöhtem Hochwasser- und Überschwemmungsrisiko.

Stufe 3: Pessimistisch

Dieses Szenario ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Die Extremereignisse entsprechen jenen Klimamodellen, die am pessimistischsten ausfallen.

  • Hitze
    Bei diesem Szenario wird es 2050 in der Schweiz über 30 zusätzliche sehr heisse Tage pro Jahr geben. Die wärmsten Tage könnten dann sieben Grad wärmer sein als aktuell. Das bedeutet Temperaturen über 42 Grad. Der Hitzestress für Mensch, Tier und Pflanzen steigt deutlich. Wassertemperaturen von 24 bis 27 Grad an den Seeoberflächen werden im Sommer zur Norm. Bakterien und Blaualgen können sich dadurch ungehindert vermehren. 

     

  • Trockenheit
    Gletscher sind verschwunden und fehlen als Wasserspeicher. Die freigelegten, dunklen Felsoberflächen speichern zusätzlich Wärme. Schmelzende Permafrostböden setzen Organismen und Schadstoffe wie Aluminium, Nickel, Mangan, Fluor und Quecksilber frei – mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die Umwelt. Hoch- und Niedrigwasser betreffen die Schweizer Regionen unterschiedlich. Im Mittelland wird vermehrt Wasserknappheit auftreten, verschärft durch eine steigende Nachfrage.

     

  • Starkniederschläge
    Regenfälle werden seltener, und wenn es regnet, dann oft in Form von Starkniederschlägen, gefolgt von Überschwemmungen. In Zukunft wird es mehr ausgetrocknete Böden geben, die das Wasser nicht schnell genug aufnehmen können. Es fliesst dann oberflächlich ab, in Tiefgaragen oder Keller.

So passt sich die Schweiz an den Klimawandel an

Seit 2012 setzt der Bundesrat auf Aktionspläne mit Massnahmen, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen kann. Der letzte Aktionsplan 2020–2025 umfasste insgesamt 63 Massnahmen in verschiedenen Sektoren. Bei der Umsetzung arbeiten Bundesämter, Kantone und Gemeinden zusammen. 

Problem: Zunehmende HitzebelastungDie Sommer werden immer heisser – mit Folgen für Pflanzen, Tiere und Menschen. Wenn die Temperaturen über längere Zeit steigen, geraten viele Lebewesen unter Hitzestress.

Massnahmen in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft steht besonders unter Druck. Viele Kulturpflanzen und Nutztiere kommen mit den neuen Klimabedingungen nur schwer zurecht. Deshalb braucht es Sorten und Tierarten, die besser an hohe
Temperaturen angepasst sind. Zuchtprogramme sollen gezielt hitzeresistente Pflanzen hervorbringen. Bei Nutztieren wird verstärkt auf Standortangepasstheit und Gesundheit geachtet. Auch die Haltung spielt eine grosse Rolle: Schatten auf Weiden, luftige Ställe und ausreichend Wasser helfen, Hitzestress zu vermeiden und das Wohl der Tiere zu sichern.

Massnahmen in der Waldwirtschaft

Der Klimawandel verändert auch den Wald. Die Vegetationszonen verschieben sich um rund 500 bis 700 Höhenmeter nach oben. Doch Bäume wachsen langsam – oft über ein Jahrhundert hinweg – und können mit der rasanten Erwärmung kaum Schritt halten. Besonders betroffen ist die Fichte, ein wichtiges Nadelholz in der holzverarbeitenden Industrie. Sie reagiert empfindlich auf Hitze und Trockenheit. Fachleute suchen daher nach geeigneten Standorten in tieferen und mittleren Lagen, an denen Fichten noch mindestens eine Generation lang gedeihen können – etwa in tiefgründigen, nordexponierten Mischbeständen. Parallel dazu erforschen verschiedene Programme den «Wald der Zukunft». Ziel ist es, widerstandsfähige Wälder zu fördern, die auch in heissen Sommern bestehen. Stadtbäume und urbane Wälder werden ebenfalls wichtiger: Sie spenden Schatten, kühlen die Umgebung und binden Kohlenstoffdioxid – ein unschätzbarer Beitrag zum Stadtklima.

Massnahmen für die Gesundheit

Hitzewellen treffen nicht alle gleich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Schwangere. Sie sollen gezielt über Risiken und Schutzmassnahmen informiert werden. Für Menschen, die im Freien arbeiten – etwa im Bau, im Gartenbau oder in der Landwirtschaft – werden neue Schutzkonzepte entwickelt. Die Kantone sorgen dafür, dass Betriebe diese Massnahmen kennen und umsetzen. So sollen Gesundheit und Sicherheit auch in heissen Sommern gewährleistet bleiben.

[IMG 2]

Pilotprojekt: Bäume und Natur in der StadtDie kleine Gemeinde Pruntrut im Kanton Jura hat im Rahmen des Pilotprogramms «Anpassung an den Klimawandel» eine kommunale Richtplanung im Bereich der Stadtnatur erarbeitet. Dies ist ein Instrument, mit dem Behörden die mittel- und langfristige räumliche Entwicklung einer Gemeinde steuern. Während des Projekts wurden auf zwei öffentlichen Plätzen in Pruntrut mehrere Begrünungsversuche durchgeführt. Zudem entstand eine offizielle Liste einheimischer Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen, die den klimatischen Veränderungen standhalten können. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in ein Merkblatt mit 22 Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und zur Anpassung an den Klimawandel ein.


Problem: Zunehmende SommertrockenheitDie Sommer werden nicht nur heisser, sondern auch trockener. Wenn über Wochen kaum Regen fällt, sinken die Wasserstände in Flüssen, Seen und Böden. 

Massnahmen in der Wasserwirtschaft

Damit das Wasser in Zukunft besser genutzt und verteilt werden kann, erfassen die Kantone bereits heute regelmässig Daten zum Wasserbedarf. Ziel ist es, die Versorgung langfristig zu sichern. Die sogenannte intelligente Vernetzung soll dafür sorgen, dass jede Wasserversorgung auf mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen zurückgreifen kann – etwa auf Seen, Grundwasser oder künstliche Speicher.
Zudem identifizieren die Kantone Trinkwasserfassungen, die auf längere Trockenphasen besonders empfindlich reagieren. Auch der Austausch mit Nachbarländern spielt eine wichtige Rolle, da viele Wasserläufe und Grundwasservorkommen grenzüberschreitend sind. Dank moderner Wetterdaten lassen sich Trockenperioden inzwischen frühzeitig erkennen. So können rechtzeitig Informationen bereitgestellt und weitere Schutzmassnahmen eingeleitet werden – bevor die Quellen versiegen.

Massnahmen in der Landwirtschaft

Trockene Sommer stellen die Landwirtschaft vor grosse Herausforderungen. Nicht alle Böden speichern Wasser gleich gut, und auch die Pflanzen reagieren unterschiedlich auf Trockenstress. Deshalb sollen Landwirtinnen und Landwirte ihre Anbaupläne stärker an das lokale Klima und die Bodenbeschaffenheit anpassen. Feldfrüchte mit geringerem Wasserbedarf oder tief wurzelnde Arten können helfen, das Risiko von Ernteausfällen zu senken. Mit verbesserten Monitoring- und Frühwarnsystemen soll zudem die Bewässerung gezielter geplant werden können. So lässt sich das vorhandene Wasser effizienter nutzen.

Massnahmen in der Waldwirtschaft

Die zunehmende Trockenheit erhöht auch die Waldbrandgefahr – besonders in südexponierten Lagen und in trockenen Sommern. Das Bundesamt für Umwelt arbeitet deshalb an einer Modernisierung der Waldbrandwarnsysteme. Anhand von Trockenheitsindikatoren, wie dem Feuchtegehalt von Laubstreu, lässt sich das Risiko genauer einschätzen. Neue Forschungsprojekte sollen helfen, die Brandgefahr künftig regional und kantonal präziser zu bestimmen. Ziel ist es, frühzeitig zu warnen – und den Wald als Lebensraum und Ressource zu bewahren.

Massnahmen für das Biodiversitätsmanagement

Trockenheit trifft auch die Biodiversität – und zwar unterschiedlich stark. Deshalb braucht es genaue Risikoanalysen: Welche Arten und Lebensräume sind besonders gefährdet? Welche können sich anpassen, welche brauchen Unterstützung? Im Fokus stehen klimasensitive Arten, beispielsweise die Mehlschwalbe, die Kreuzkröte oder die Styx-Binse. Für diese Arten trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung – sie gehören zu den «National Prioritären Arten». Wichtig ist der Schutz von Gewässern, Feuchtgebieten und alpinen Lebensräumen. Sie speichern Wasser, bieten Lebensraum für viele spezialisierte Arten und wirken als natürliche Puffer gegen die Folgen der Trockenheit. Nur mit gezieltem Management und langfristigem Schutz kann die Biodiversität auch in heisseren, trockeneren Sommern erhalten bleiben.

[IMG 3]

Pilotprojekt: Mehrzweckspeicher gegen SommertrockenheitDie Wasserwirtschaft der Alpen ist besonders vom Abschmelzen der Gletscher, der steigenden Schneefallgrenze und den zunehmenden Starkniederschlägen betroffen. Oberhalb der Gemeinde Laax im Kanton Graubünden liegt der Speichersee Nagens. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde dort eine Mehrfachnutzung des Sees entwickelt: Der See dient als Speicher für Schmelzwasser und Starkniederschläge. Diese Wasservorräte können in Trockenzeiten für verschiedene Zwecke genutzt werden. Zudem wurde getestet, ob Solarstrom aus regionalen Photovoltaikanlagen in Form von hochgepumptem Wasser im See zwischengespeichert und später bedarfsgerecht über Wasserkraft wieder abgegeben werden kann. Es stellte sich heraus, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirtschaftlich genug ist.


Problem: Zunehmendes HochwasserrisikoStarkniederschläge nehmen zu – und mit ihnen das Risiko für Überschwemmungen. Innerhalb kurzer Zeit fallen grosse Niederschlagsmengen, welche Böden und Gewässer überlasten. Die Folgen sind Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und manchmal auch an Leib und Leben.

Massnahmen in der Wasserwirtschaft

Seen und Stauseen spielen eine wichtige Rolle beim Schutz vor Hochwasser. Durch gezielte Regulierung kann die Abflussmenge in den Tälern verringert werden. So werden die Wassermassen gebremst, bevor sie
Schäden anrichten. Gleichzeitig werden hydrologische Daten laufend ausgewertet, um Wasserstände und Zuflüsse besser vorhersagen zu können. Diese Erkenntnisse helfen, rechtzeitig Massnahmen einzuleiten und Risiken zu minimieren.

Massnahmen im Umgang mit Naturgefahren

Der erste Schritt im Hochwasserschutz ist die Früherkennung. Meteorologische und hydrologische Messstationen liefern wertvolle Daten über Niederschläge, Abflussmengen und Bodenfeuchtigkeit. Dieses Messnetz wird stetig optimiert und bei Bedarf erweitert. Auf lokaler Ebene werden Schutzkonzepte angepasst – denn jedes Einzugsgebiet reagiert anders auf Starkregen. Dazu gehören Massnahmen wie Rückhaltebecken, frei gehaltene Abflusskorridore und die Pflege von Schutzwäldern. Diese natürlichen und technischen Barrieren helfen, das Wasser gezielt zu lenken und
Schäden zu verhindern. Zu den bedeutendsten Projekten gehören der Hochwasserschutz Zürich/Sihl, das Projekt Rhesi am Alpenrhein, die dritte Rhonekorrektion sowie die Verjüngung der Schutzwälder an der BLS-Südrampe. Bei der Raumplanung werden Hochwasserrisiken systematisch berücksichtigt und Baugebiete so gestaltet, dass Wasser im Ernstfall kontrolliert abfliessen kann. Gleichzeitig werden Szenarien für zukünftige Naturereignisse mit einbezogen. Auf allen Staatsebenen existieren Notfallkonzepte, die regelmässig überprüft und geübt werden. Nur wenn Bund, Kantone und Gemeinden gut vorbereitet sind, lassen sich Naturereignisse rasch und wirkungsvoll bewältigen.

Raumplanung

Eine vorausschauende Raumplanung ist der Schlüssel, um Menschen, Tiere und Lebensräume vor Hochwasser zu schützen. Die bestehenden Empfehlungen zu «Raumplanung und Naturgefahren» werden regelmässig überprüft und bei Bedarf überarbeitet. Zudem wird eine Studie zu Starkniederschlägen in Städten und Siedlungen erarbeitet. Ihre Ergebnisse sollen Planerinnen und Planern helfen, Regenwasser künftig besser zu lenken, Versickerungsflächen zu erhalten und überflutungsresistente Strukturen zu schaffen.

[IMG 4]

Pilotprojekt: Klimaangepasster Bevölkerungsschutz Viele Organisationen im Bereich des Schweizer Bevölkerungsschutzes sind kaum auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet. Im Rahmen dieses Pilotprojekts setzen sich Akteurinnen und Akteure aus verschiedenen Regionen mit den klimabedingt veränderten Gefährdungssituationen auseinander. Zusammen mit Vertreterinnen von Bund, Kantonen und Städten erarbeiteten sie Strategien für den Umgang mit den klimabedingten zukünftigen Schadensereignissen. Aus den Erkenntnissen entstand eine Broschüre mit Handlungsempfehlungen für Feuerwehr, Polizei und die interessierte Öffentlichkeit.


Problem: Abnehmende Hangstabilität und zunehmende Massenbewegungen Immer häufiger geraten Hänge in Bewegung. Hangrutsche, Steinschläge und Murgänge bedrohen Strassen, Häuser und manchmal auch Menschenleben.

Massnahmen im Umgang mit Naturgefahren

Wie beim Hochwasserschutz gilt auch hier: Früherkennung und vorausschauende Planung sind entscheidend. Die Schweiz überwacht kontinuierlich Gebiete, die anfällig auf Murgänge oder Erdrutsche sind. Dabei helfen Messstationen, Luftaufnahmen und geologische Modelle, Veränderungen im Gelände frühzeitig zu erkennen. Schutzmassnahmen–etwa Fangnetze, Dämme oder Entwässerungssysteme–werden laufend überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst.

Massnahmen in der Waldwirtschaft

Ein gesunder Wald ist der beste natürliche Schutz gegen Steinschlag und Hangrutsche. Die Wurzeln der Bäume stabilisieren den Boden und bremsen fallende Steine oder Schneemassen ab. Solche Schutzwälder sind in der Schweiz von unschätzbarem Wert – besonders entlang von Verkehrsachsen und oberhalb von Dörfern. In den Grundlagen zur Schutzwaldpflege werden deshalb neue Erkenntnisse zum Klimawandel laufend integriert. Das Forschungsprogramm «Wald und Klimawandel» untersucht, wie sich Baumarten und Bewirtschaftungsmethoden an veränderte Bedingungen anpassen lassen. Ziel ist es, Schutzwälder langfristig vital und widerstandsfähig zu halten – als grüne Barriere zwischen Mensch und Naturgewalten.

[IMG 5]

Pilotprojekt: Gefahren aus auftauenden Felswänden Der Klimawandel führt dazu, dass bisher ganzjährig gefrorene Untergründe in grossen Höhen auftauen. Als Folge drohen Felsstürze und Hangrutschungen. Mit seinen steilen Hängen und nahe gelegenen Siedlungen ist das Wallis besonders betroffen, wie bereits einige Ereignisse dramatisch vor Augen führten. Im Zuge eines Projekts wurden 89 gefährdete Permafrost-Felswände identifiziert, gemäss ihrem Risiko bewertet und in einer Karte verzeichnet. Für die 20 Standorte mit der höchsten Risikobewertung sind Massnahmen erarbeitet worden.


Problem: Veränderung Lebensräume Neben Umweltverschmutzung, intensiver Nutzung und Zersiedelung bedroht auch der Klimawandel die Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Die Verluste sind oft unumkehrbar, was ihre Tragweite erhöht.

Massnahmen für das Biodiversitätsmanagement

Die Schweiz verfügt bereits über eine gut entwickelte ökologische Infrastruktur. Dazu gehören Kerngebiete mit hoher Artenvielfalt sowie Vernetzungsgebiete, welche Wanderungen und Ausbreitung von Arten ermöglichen. Diese grünen Korridore sind für die Anpassung an den Klimawandel entscheidend – sie verbinden Lebensräume und schaffen Durchlässigkeit in der Landschaft. Damit die Biodiversität auch künftig erhalten bleibt, soll dieses Netzwerk weiter ausgebaut und dort ergänzt werden, wo es noch Lücken gibt. Besonders im Fokus stehen Fliessgewässer sowie die vertikale Vernetzung von Lebensräumen – also die Verbindung zwischen tieferen und höheren Lagen. So können Arten auf Temperaturveränderungen reagieren und sich neue, geeignete Lebensräume erschliessen. Zudem werden Areale identifiziert, die in Zukunft für klimasensitive Arten besonders wichtig sein könnten. Diese Gebiete sollen vorrangig geschützt und langfristig gesichert werden – als Rückzugsorte für bedrohte Tiere und Pflanzen und als wertvolle Bausteine einer widerstandsfähigen Landschaft.

[IMG 6]

Pilotprojekt: Schutzgebiete im Klimawandel Welches Risiko stellt der fortschreitende Klimawandel für die Biodiversität in Naturschutzgebieten dar? Dieser Frage widmete sich ein Projekt, das elf Pro Natura-Schutzgebiete im Kanton Graubünden untersuchte. Die Testgebiete wurden anhand von insgesamt 23 Kriterien auf einer Skala klassiert und daraus das Risiko ermittelt. Es zeigte sich, dass Gewässer und Feuchtgebiete sowie deren Arten am stärksten vom Klimawandel bedroht sind. Eher geringer ist der Druck auf trockene Lebensräume wie Trockenwiesen, Ruderalflure oder Gebüsche und Hecken. Der neue Ansatz liefert eine einfache, vergleichbare Risikobewertung und verknüpft diese mit geeigneten Massnahmen. Die Methode könnte in Zukunft in einer angepassten Variante für jeden beliebigen Standort in der Schweiz angewendet werden.


Problem: Ausbreitung Schadorganismen und Krankheiten Mit steigenden Temperaturen verändern sich nicht nur Lebensräume, sondern auch die Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Neue, oft wärmeliebende Arten finden in der Schweiz günstige Bedingungen vor, während bekannte Schädlinge sich stärker vermehren.

Massnahmen für die Landwirtschaft

In der Landwirtschaft spielt die Züchtung robuster und schädlingsresistenter Pflanzen eine immer wichtigere Rolle. Solche Sorten benötigen weniger Pflanzenschutzmittel und können besser mit Klimastress umgehen. Auch bei Nutztieren soll die Gesundheit stärker gefördert werden – etwa durch finanzielle Anreize in Zuchtprogrammen. Parallel dazu wird intensiv an alternativen Methoden zur Schädlingsbekämpfung geforscht, um den Einsatz von chemischen Mitteln weiter zu reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Einfuhrkontrollen: Strengere Überwachung und Quarantänebestimmungen sollen verhindern, dass neue Krankheiten und Schädlinge ins Land gelangen.

Massnahmen für die Waldwirtschaft

Im Wald zeigt sich die Herausforderung besonders deutlich: Der Borkenkäfer bleibt einer der gefährlichsten Schädlinge. Durch mildere Winter und trockene Sommer kann er sich stärker vermehren und ganze Fichtenbestände zerstören. Um dem entgegenzuwirken, braucht es neue Konzepte und waldbauliche Strategien. Ziel ist es, anfällige Bestände schrittweise in widerstandsfähigere, klimaangepasste Mischwälder umzuwandeln. Eine eigens entwickelte Online-Plattform informiert Waldbesitzer laufend über aktuelle Befallgebiete, Risikoeinschätzungen und empfohlene Massnahmen. So können betroffene Regionen schnell reagieren und weitere Schäden vermeiden.

Massnahmen für das Biodiversitätsmanagement

Invasive, gebietsfremde Arten breiten sich mit dem Klimawandel stärker aus, teils neu eingewandert, teils schon länger vorhanden, bisher aber unauffällig. Durch wärmere Temperaturen und veränderte Niederschläge finden sie nun bessere Bedingungen vor. Bei der Bewertung solcher Arten müssen daher künftig aktuelle Klimaszenarien berücksichtigt werden. Je früher potenziell schädliche Arten erkannt und bekämpft werden, desto grösser sind die Erfolgschancen. Der Fokus liegt auf der Früherkennung – noch bevor sich eine Art etablieren kann.

Massnahmen für die Gesundheit

Ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit ist die Asiatische Tigermücke. Ursprünglich aus Südostasien stammend, breitet sie sich mittlerweile auch in der Schweiz aus. Sie kann Viruserkrankungen wie das Denguefieber übertragen. Ein Frühwarnsystem überwacht ihr Auftreten – besonders im Tessin, wo sie bereits in mehreren Gemeinden vorkommt. Entlang wichtiger Verkehrsachsen werden zusätzliche Monitoring-Programme durchgeführt, um eine mögliche Ausbreitung ins Mittelland rechtzeitig zu erkennen. Wo nötig, koordinieren die Kantone die Bekämpfungsmassnahmen.

Massnahmen für die Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit

Auch in der Tierhaltung spielt der Klimawandel eine wachsende Rolle. Durch steigende Temperaturen und veränderte Feuchtigkeit können sich Tierkrankheiten in neue Gebiete ausbreiten oder vermehrt auftreten. Dank zahlreicher Studien liegen heute fundierte Erkenntnisse über diese Entwicklungen vor. Der nächste Schritt besteht darin, auf dieser Basis konkrete Schutzmassnahmen umzusetzen und Wissenslücken durch weitere Forschung zu schliessen.

[IMG 7]

Pilotprojekt: Bessere Risikoszenarien für die Tigermücke Erste Simulationen zeigen, dass sich die Tigermücke nördlich der Alpen besonders im Mittelland, der Region Basel sowie im unteren Rhonetal etablieren könnte. Um die Risikovorhersage zu verbessern, untersuchte ein Pilotprojekt die mikroklimatischen Bedingungen in Kanalisationsschächten verschiedener Städte mithilfe eines drahtlosen Sensornetzwerks. Die Daten zeigten, dass die Eier von Tigermücken in den Schächten dank der höheren Temperaturen überwintern können. Dank diesen Erkenntnissen können die lokalen Behörden für das Problem sensibilisiert und Methoden entwickelt werden, um die Eier und Larven von Tigermücken in Zukunft lokal konzentriert zu bekämpfen.