Hunderasse
Xoloitzcuintle: Der nackte Mexikaner
Der Xoloitzcuintle gehört zu den ältesten Hunderassen der Welt – und fällt bis heute auf. Trotz fehlendem Fell ist der Mexikanische Nackthund kein Produkt moderner Zucht, sondern seit Jahrtausenden ein treuer Begleiter des Menschen.
Die Hunde, die Gerd Gutmann und SaskiaHarbord züchten, fallen überall auf: Maximal 60 Zentimeter gross und ohne Haare macht der Xoloitzcuintle (ausgesprochen «Scholoitz-kuint-li») seinem deutschen Namen «Mexikanischer Nackthund» alle Ehre. Doch wer hinter der meist felllosen Hunderasse eine Qualzucht vermutet, liegt falsch. Xoloitzcuintle, kurz Xolos, gibt es bereits seit gut 3500 Jahren. Die Rasse stammt aus Mexiko, wo sie schon lange vor den europäischen Einflüssen bekannt war. Die früheste Darstellung eines Xolos, eine Tonfigur, wird gar auf 1700 vor Christus datiert. Xolos sind zwischen 25 und 60 Zentimeter gross, schlank, mit mandelförmigen Augen und Fledermausohren. Die Hautfarbe variiert von grau über leberfarben bis schwarz.
«Die Nacktheit der Xolos ist durch eine Genmutation entstanden», berichtet Saskia Harbord. «Dadurchwaren die Hunde bestens an die klimatischen Bedingungen in Mexiko angepasst.» So entstanden haarlose Tiere ganz ohne Zutun des Menschen. Frieren würden die Hunde in der Schweiz nicht, so Harbord: «Die dicke Haut und die darunterliegende Fettschicht schützen die Xolos genauso gut vor äusseren Einflüssen wie das kurze Fell eines Dobermanns.» Tatsächlich ist die Haut eines Xolos dicker und robuster als die von behaarten Hunden. Im Sommer müssen allerdings jene Tiere mit hellen Flecken vor Sonnenbrand geschützt werden. Dunkel gefärbte Nackthunde reichern bei den ersten Sonnenstrahlen Pigmente in der Haut an, sodass sie den Sommer hindurch besonders dunkle Haut haben, die vor der Sonne schützt.
Auch mit Haaren einzigartig
Den meisten Xolos fehlen nicht nur die Haare, sondern auch einige Zähne, da beides genetisch zusammenhängt. Dadurch, dass sich die Rasse über Jahrtausende entwickelt hat, ergibt sich für die Tiere jedoch kein Nachteil, wie Saskia Harbord betont: «Unsere Hunde bekommen das gleiche Futter, die gleichen Kauartikel und das gleiche Spielzeug wie alle anderen Hunde auch.» Obwohl die Haarlosigkeit dominant vererbt wird, gibt es in Würfen auch immer wieder Welpen mit Fell. So ist bei der Verpaarung von zwei unbehaarten Xolos mit bis zu einem Viertel behaarter Welpen zu rechnen. «Wenn mich dann bei den behaarten Hunden jemand nach der Rasse fragt und ich mit «Mexikanischer Nackthund» antworte, ernte ich schon manchmal schräge Blicke», lacht Harbord.
Entsprechend sei es auch nicht die Haarlosigkeit gewesen, die Saskia Harbord zu den Xolos gebracht hat: «Xolos sind sehr loyal ihren Menschen gegenüber. Somit sind sie nicht nur Hunde, sondern auch treue Partner und tolle Familienmitglieder.» So wollen Xolos immer dabei sein, auch wenn sie Fremden gegenüber zuerst skeptisch und zurückhaltend sind. Auch den Platz auf dem Sofa müsse man zwangsläufig bereit sein, mit einem Xolo zu teilen. «Mexikanische Nackthunde schlafen nicht gerne auf dem Boden», so Harbord.Erspäht der Hund jedoch durch das Fenster ein Eichhörnchen im Garten, kann es mit der Ruhe rasch vorbei sein. «Xolos sind ausgezeichnete Wachhunde und leidenschaftliche Läufer», beschreibt Harbord die Rasse. Entsprechend brauchen die Hunde eine Aufgabe und aktive Halter.
Trotzdem sind Xolos pflegeleichte Familienhunde, die auch gut mit Hunden anderer Rassen klarkommen. «Es wird gerne behauptet, dass Xolos aufgrund der Haarlosigkeit nicht mit anderen Rassen kommunizieren können, da sie zum Beispiel die Nackenhaare nicht aufstellen können», berichtet Saskia Harbord. «Wer auch immer solche Aussagen macht, hat offenbar überhaupt keine Erfahrung mit Hunden. Hunde kommunizieren viel komplexer, und gerade Xolos sprechen eine sehr deutliche Sprache – auch mit Hunden anderer Rassen.» Trotzdem ist Harbord froh, dass der Mexikanische Nackthund trotz seiner auffälligen Erscheinung nie ein Modehund war. «So ist die Rasse bis heute nicht überzüchtet, und die Tiere sind sehr gesund», berichtet Harbord. Mit einer Lebenserwartung von 15 Jahren könne entsprechend auch damit gerechnet werden, dass ein Xolo für einen Hund überdurchschnittlich alt wird.
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