Der Verlust von Lebensräumen hat in weiten Teilen Europas zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt von Pflanzen geführt. Die Schweiz ist hier keine Ausnahme. Die Intensivierung der Landwirtschaft und der wachsende Flächenverbrauch durch Siedlungen, Gewerbegebiete und Infrastruktur ziehen eine starke Verarmung der Flora seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach sich. Der Klimawandel hat ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen.

Naturschutzmassnahmen und ihre Wirkung

In manchen Regionen Mitteleuropas konnte die Veränderung der Zusammensetzung der Artengemeinschaft seit den späten 1990er-Jahren durch Naturschutzmassnahmen zumindest regional gestoppt oder sogar umgekehrt werden. Ein deutsch-schweizerisches Wissenschaftlerteam hat nun die Veränderungen in der Schweizer Flora seit dem Jahr 2002 analysiert. Dabei haben sie auch die Rolle der Bestäubungsart der Pflanzen untersucht.

Bestäubung durch Wind und Insekten

Arten, die von generalistischen Insekten, also solchen, die viele verschiedene Blüten anfliegen, oder vom Wind bestäubt werden, haben theoretisch eine grössere Chance, sich zu vermehren. Zudem gibt es Pflanzen, die gar keine Pollen anderer Individuen derselben Art zur Samenproduktion brauchen, sondern mit den eigenen Pollen Samen bilden können. Auch diese sollten robuster gegenüber Veränderungen sein und sich entsprechend schneller erholen können. Hingegen sind Pflanzen, die auf spezialisierte Bestäuber wie Hummeln oder Schmetterlinge angewiesen sind, auch entsprechend abhängiger.

Unterschiede in der Erholung der Pflanzenarten

«Bei den Untersuchungen der Schweizer Flora konnten wir feststellen, dass es positive Entwicklungen über alle Artgruppen hinweg gibt. Diese Entwicklung ist allerdings viel deutlicher ausgeprägt bei Arten, die vom Wind und nicht von Insekten bestäubt werden», fasst Stefan Abrahamczyk vom Naturkundemuseum Stuttgart die Ergebnisse der Studie zusammen.

«Innerhalb der insektenbestäubten Pflanzen profitieren Arten mehr, die von generalistischen Insekten wie zum Beispiel Fliegen oder Bienen mit kurzen Zungen bestäubt werden, als Arten, die auf spezialisierte Bestäuber angewiesen sind.» Pflanzen, die mit eigenen Pollen Samen bilden können, erholten sich ebenfalls besser als Pflanzenarten, die dafür Pollen eines anderen Individuums der eigenen Art brauchen.

Auswirkungen auf Insektenpopulationen

Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf die entsprechenden Insekten übertragen. Bekanntermassen haben die Insektenpopulationen in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Dies betrifft insbesondere die hochspezialisierten Arten, die auf einige wenige angepasste Nahrungspflanzen angewiesen sind. Viele langzüngige Insekten wie Schmetterlinge und Bienen sind in ihrer Zahl deutlich zurückgegangen.

Empfehlungen für zukünftige Schutzmassnahmen

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass bei zukünftigen Schutz- und Renaturierungsplanungen in der Schweiz die Reproduktionsbiologie der Pflanzenarten berücksichtigt werden sollte. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits könnten sich spezialisiertere Pflanzen leichter erholen, gleichzeitig würde dies aber auch die Rückkehr von Bestäubern fördern, die auf genau solche Pflanzen angewiesen sind.