Und Action!
Hunde vor der Kamera
Egal, ob Lassie, Balto oder Beethoven: Hunde gehören zu den beliebtesten Tieren in Filmen. Damit die Vierbeiner wissen, worauf es vor der Kamera ankommt, gibt Anita Ziegler, Gründerin der einzigen Filmtierschule der Schweiz, Kurse für interessierte Hundeteams.
Ein Mädchen in knallgelben Gummistiefeln läuft strahlend neben einem flauschigen Berner Sennenhund, der einen Holzwagen mit Einkäufen zieht. Das Plakat eines Supermarkts wirkt wie ein Schnappschuss aus einem idyllischen Familienalltag. Dahinter steckt jedoch viel Arbeit. Nicht nur Kinder sind für Filmschaffende und Fotografen eine Herausforderung, auch Tiere richtig in Szene zu setzen, erfordert viel Erfahrung. Damit auch das Tier entsprechend mitspielt, dafür sorgt Anita Ziegler mit ihrer Filmtierschule am Zürichsee. Dass der Berner Sennenhund natürlich agiert und neben dem ihm unbekannten Mädchen läuft, ist alles andere als selbstverständlich und nicht zuletzt der Tiertrainerin und ihrer Arbeit zu verdanken.
Anita Ziegler ist die erste Adresse für Medienschaffende, die etwas mit Tieren machen wollen. Egal, ob Hunde, Katzen, Hühner, Schweine, Hamster oder Ziegen, die Filmtiertrainerin hat das geeignete Tier in ihrer Datenbank. Zu ihren Kunden gehören grosseNamen wie Skoda, Fleurop und Swisscom, und sie ist ständig auf der Suche nach neuen, talentierten Vierbeinern. An einem verregneten Dienstag Ende August findet ein Training für Hunde statt, geleitet von der gelernten Multimediaproduzentin. Sechs interessierte Hundehalterinnen haben sich mit ihren tierischen Begleitern auf dem Hof in Schübelbach (SZ) eingefunden und warten gespannt auf die Aufgaben.
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Am Filmset ist viel los
Yoshi gehört als Australian Shepherd zu einer derbeliebtesten Hunderassen für Fotos, Filme und Werbespots. Aus ihrem Hund einen Star zu machen, steht für Nives Tausend jedoch nicht im Vordergrund. «Ich habe mit Yoshi schon allerhand Dinge ausprobiert, von Trüffelsuchen über Agility bis zum Schafhütekurs und Mantrailing. Durch das Training zum Filmhund ist er viel ausgeglichener geworden. Es macht uns beiden grossen Spass.» Was von den Hunden gefordert wird, wirkt auf den ersten Blick trivial. «In den Szenen geht es zum Beispiel darum, dass sie neben einem Schauspieler her- oder auf ihn zulaufen, auf Signal bellen, an einer Stelle sitzen bleiben oder in eine spezifische Richtung schauen», berichtet Anita Ziegler von den Kundenwünschen. Die Herausforderung besteht allerdings darin, dass der Hund weder die Schauspielerinnen kennt noch gewohnt ist, dass so viele andere fremde Leute um ihn herumstehen. «Kamera, Licht, Ton, Produzenten, Assistenten … an einem Film- oder auch Fotoset ist immer viel los und der Hund ist schnell abgelenkt», so Ziegler.
Deswegen trainiert Anita Ziegler mit den Kursteilnehmerinnen heute primär die Interaktion mit einer fremden Person. Da sich die Hundehalterinnen untereinander nicht kennen, mimen sie abwechselnd die Schauspielerinnen. Geübt wird in Zweierteams. Während ein Hund ausserhalb des Sichtbereichs wartet, beschäftigt sich die Schauspielerin zu Beginn mit dem anderen Hund. Über Leckerli und einfache Tricks wird eine Vertrautheit aufgebaut. Als erster Schritt soll der Hund dann von der Besitzerin zur fremden Person hinlaufen. Auch hier belohnt die Schauspielerin grosszügig, während die Hundehalterin sich zurückhält. Zum Schluss der Übung sollte die Person loslaufen können und der Hund ihr ohne Leine folgen.
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Familienhunde sind gefragt
Yoshi beherrscht das bereits nach einigen Minuten. Der aufgeweckte Rüde ist mit voller Aufmerksamkeit bei der Schauspielerin und kann gar nicht genug Leckerli und Zuwendung bekommen. Trainerin Anita Ziegler ist zufrieden: «Yoshi hat morgen bereits ein erstes Engagement für einen Werbespot. Umso schöner ist es zu sehen, dass er dafür bereit ist.» Dass ein Hund so rasch gebucht wird, ist eher die Ausnahme. Je mehr Signale ein Hund kennt, umso grösser sind seine Vermittlungschancen. «Ich bekomme pro Monat mehrere Anfragen», berichtet Anita Ziegler. Sie sucht dann in ihrer Datenbank nach den geeigneten Tieren für den Auftrag. «Ich habe mittlerweile Kontakt zu 120 ausgebildeten Filmhunden aller Rassen, vom Bolonka Zwetna bis zum Dobermann.»
Beliebt seien vor allem mittelgrosse, herzige Familienhunde. Dazu zählt zum Beispiel Jimmy, der Kooikerhondje von Janine Liesch. Über die Liebe zur Rasse bekam Liesch Kontakt zu Ziegler, die ebenfalls einen Kooiker besitzt. «Ich arbeite im Marketing einer Bank und fand alles rund um Werbung immer spannend», erzählt Liesch. Nach Yoshi wechselt sie mit Nives Tausend die Rolle. Jetzt ist Jimmy mit dem Training an der Reihe. Er soll zu Tausend, der Schauspielerin in dieser Übung, hinlaufen und mit ihr mitgehen. Für Jimmy kein Problem. Auch auf Signal bellen funktioniert mittlerweile, obwohl der Hund laut Liesch früher nie gebellt habe. «Die Herausforderungen machen Spass. Und zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Engagement Jimmy bei der Sache ist.»
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Sowohl Jimmy als auch Yoshi haben bereits das «Fotostar»-Zertifikat und können für Fotoproduktionen gebucht werden. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen die Hunde bei einer Prüfung verschiedene Verhalten beherrschen, vor allem Positionen halten können für ein Fotoshooting. Danach folgen die Herausforderungen an einem Filmset. «Die Hunde müssen die Signale aus der Ferne annehmen, beim Bellen im Idealfall per Handzeichen, damit die Stimme der Halterin nicht aus der Tonspur editiert werden muss», erklärt Anita Ziegler.
Wenn ein Dreh oder ein Fotoshooting anstehen, so haben die Hundeteams in der Regel zwei bis sechs Wochen Zeit, um die Szene einzutrainieren. Die benötigte Genehmigung für den Dreh mit Tieren beantragt Anita Ziegler für ihre Kunden beim kantonalen Veterinäramt. Für ihren Einsatz bekommen die Hunde jeweils eine Gage, reich wird man mit einem Filmhund jedoch sicherlich nicht. «Die Freude an der Arbeit mit den Tieren muss immer im Vordergrund stehen», betont Ziegler. Ein möglicher Auftritt vor der Kamera ist, wenn überhaupt, nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
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